Bahn-Streichliste Mehr als 200 kleine Güterbahnhöfe vor dem Aus

Eisenhüttenstadt, Kablow und Schwetzingen: 215 Güterbahnhöfe will die Deutsche Bahn einer internen Liste zufolge schließen, weitere 154 sind gefährdet. Der Grund: "wirtschaftliche Optimierung".

Güterbahnhof (Symbolbild)
DPA

Güterbahnhof (Symbolbild)


Die interne Liste der Bahn-Tochter DB Cargo trägt die Überschrift "Wirtschaftliche Optimierung Nahbereich". Sie führt insgesamt 215 deutsche Güterbahnhöfe auf, an denen die Bedienung eingestellt werden soll.

43 sind es in der Großregion Berlin, zum Beispiel drei in Frankfurt (Oder) und jeweils einer in Potsdam, Eisenhüttenstadt und Rostock. In Westdeutschland sind beispielsweise Güterbahnhöfe in Bonn, Remscheid und Aachen betroffen. In Süddeutschland stehen Bad Tölz, Ingolstadt und Nürnberg auf der Liste.

154 weitere Güterbahnhöfe sind gefährdet: An 101 soll die Bedienzeit und -frequenz geändert werden, 53 Güterbahnhöfe sollen nur noch im Sonderdienst bedient werden.

Ob die Pläne der Bahn-Tochter komplett umgesetzt werden, steht noch nicht fest. Die Liste trägt den Vermerk: "Vorbehaltlich der Diskussion mit Kunden, Gremien und Politik". DB Cargo beteuert zudem, dass durch die Schließungen keine Mitarbeiter entlassen werden sollen, das betroffene Personal soll demnach anderweitig vermittelt werden.

Grünen-Bundestagsabgeordneter Matthias Gastel kritisierte die Pläne der Bahn: "In der deutschen Verkehrspolitik unter Minister Dobrindt jagt eine Fehlentscheidung die nächste." Dobrindt sehe die Bahn als "sein ungeliebtes Stiefkind". "Bis heute hat der Verkehrsminister keine Wachstumsstrategie für die Schiene, die Kosten im Schienenverkehr steigen Jahr für Jahr und zugleich senkt Dobrindt die Lkw-Maut auf Autobahnen", sagte Gastel.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist die Lkw-Maut zwischen 2010 und 2015 um 15,7 Prozent gesunken. Die Schienenmaut hingegen ist im selben Zeitraum um 13,1 Prozent gestiegen.

kpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 74 Beiträge
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-wanderlust- 19.05.2016
1. Eine Katastrophe
Es ist unglaublich, wie widersprüchlich, verlogen und pseudo-liberal in diesem Land politisiert und gewirtschaftet wird. Man hat das Ziel, den Bahnverkehr zu stärken; man lächelt bei Neueröffnungen in die Kamera und verspricht, dass alles besser wird. Wenns dann um Zahlen geht, ist das alles vergessen. Die Bahn ist Daseinsvorsorge, und wer das mit ihrer Stärkung auch nur ansatzweise ernst gemeint hat, soll jetzt das Rückgrat haben, die Schließung zu verhindern.
manskyEsel 19.05.2016
2. Solln se Seddin zumachen...
...dann koennen von dort keine Haeftlinge mehr verfrachtet werden... Ich habs nicht vergessen...
i.b.s 19.05.2016
3. Man nehme sich
ein Beispiel an der Schweiz und Österreich. Dort wird auch optimiert, aber in die richtige Richtung. LKW-Transporte werden entsprechend klein gehalten, die Bahn hat Vorrang. Aber Grube war schon als Daimler-Manager eine Fehlbesetzung genau wie Dobrindt heute eine ist. Erst wenn auf unseren Autobahnen nichts mehr geht, wird die Politik vielleicht aufwachen. Manchmal fragt man sich, ob die Entscheider, die solche Dinge entscheiden, besoffen sind.
torsten_raab 19.05.2016
4. Teufelskreis
...mit der Verringerung der möglichen Transportziele werden weitere Kunden sich von der Bahn abwenden. Denn wenn jetzt z.B. 8 von 10 Routen über die Bahn laufen können und künftig nur noch 4 von 10, weil die Bahnhöfe weggefallen sind... wird die Firma vermutlich gleich ganz auf die Straße verlagern.
knutBoetticher 19.05.2016
5. (Ab) heute geschlossen...
Der Staatskonzern DBAG hat ab heute geschlossen: geschlossene Gesellschaft. Dann schließen wir am besten auch die Grenzen...
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