Kampf um Pünktlichkeit Schnellfahr-Offensive der Bahn erfolglos

Die Bahn will pünktlicher werden - dafür hatte der Konzern seine Lokführer angewiesen, so schnell wie möglich zu fahren. Positive Ergebnisse brachte der Test allerdings nicht.

Ein ICE-Sonderzug auf der Schnellfahrstrecke München-Berlin
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Ein ICE-Sonderzug auf der Schnellfahrstrecke München-Berlin

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Die Bahn kämpft nach wie vor mit der Pünktlichkeit im Fernverkehr. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen deshalb Lokführer angewiesen, Züge so schnell wie möglich und erlaubt über die Gleise zu hetzen.

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Heft 16/2018
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Bei dem Experiment sollten "vorhandene Fahrzeitenreserven" genutzt werden. Doch die Auswertung des Versuchs zeigt: Die zügige Fahrweise hat sich nicht positiv auf die Pünktlichkeit ausgewirkt. Der Zeitgewinn, der auf der Strecke erzielt wurde, sei vor den großen Knotenbahnhöfen, etwa Hannover oder Frankfurt am Main, wieder aufgezehrt worden, heißt es von der Bahn.

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Man sei nach den Tests wieder zur bewährten Fahrweise zurückgekehrt. Bei sehr pünktlicher Fahrt gilt die umweltschonende Weisung, den Zug ausrollen zu lassen oder die erlaubte Höchstgeschwindigkeit nicht auszufahren. Der Bordcomputer gibt an, wenn die Leistung des Zuges zum Energiesparen reduziert werden kann. Im Rahmen der Tests sollte auch untersucht werden, welche Auswirkungen die zügige Fahrweise auf die Energieeffizienz hat. Die DB hat sich das ökologische Ziel gesetzt, spezifische CO2-Emissionen von 2006 bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren.

Die aktuell häufigen Verspätungen der Bahn erklären sich auch durch besonders viele Baustellen auf Gleisen im gesamten Bundesgebiet sowie Wettereinflüsse. Im Februar verfehlte die Bahn ihre Zielmarke von 82 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr; die Zahlen für März werden in den nächsten Tagen erwartet. Wie hoch der Bonus von Bahn-Führungskräften ausfällt, hängt unter anderem davon ab, wie pünktlich die Bahn unterwegs ist. Pünktlich ist ein Zug nach konzerninterner Interpretation dann, wenn er höchstens sechs Minuten verspätet an einem Bahnhof ankommt. Zuletzt kündigte Bahnchef Richard Lutz an, ein Lagezentrum Pünktlichkeit einführen zu wollen, in dem künftig alle Informationen zusammenlaufen sollen, die die Bahn brauche, um die Pünktlichkeit zu verbessern.

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insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
b1964 14.04.2018
1. Mal mein Kommentar als Vielfahrer
Fahre beruflich viel mit der Bahn (vorwiegend Fernverkehr). Die 82% Unpünktlichkeit decken sich mit meinem subjektiven Eindruck. Das Problem eines funktionierenden und pünktlichen Netzes (Anschlussverbindungen) liegt nicht in der Geschwindigkeit, sondern in der Zuverlässigkeit. Diese erreiche ich systembedingt eher mit langsamer Fahrt, die effektive Reseven zum Aufholen von Verzögerungen lässt. Die Taktung der Verknüpfungen ist nach meinem Eindruck zu ambitioniert. Hinzu kommt, dass verschiedene Verkehre mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten teilweise auf den gleichen Gleisen fahren (ICE, Regio und Güter). Das erhöht die Konflikt- und Verspätungsrisiken. Geschwindigkeit ist nicht Alles. Die Bahn muss Zuverlässigkeit bieten, dann ist sie attraktiv. Die Alternative Auto besteht objektiv nicht, denn das Auto ist im Fernverkehr noch wesentlich unzuverlässiger. Wenn ich von Frankfurt nach Berlin mi dem Auto fahre und eine halbe Stunde Stau aufholen will, vieviel schneller muss ich dann im Übrigen fahren? Wahnsinn!
Moment_of_Zen 14.04.2018
2.
6 Minuten verspätet ist verspätet und nicht pünktlich. Was für ein seltsamer Konzern. Ich würde gern mal die Statistik sehen von Zügen die tatsächlich pünktlich im Sinne von pünktlich sind. Und anschließend alle Bahn Nullnummern nach Japan verschiffen. Da können sie dann nochmal in die Lehre gehen und lernen wie man es macht.
ElOmda 14.04.2018
3. Jetzt verstehe ich
"Wie hoch der Bonus von Bahn-Führungskräften ausfällt, hängt unter anderem davon ab, wie pünktlich die Bahn unterwegs ist. Pünktlich ist ein Zug nach konzerninterner Interpretation dann, wenn er höchstens sechs Minuten verspätet an einem Bahnhof ankommt. " ....warum die Bahn nach wie vor behauptet, mit bis zu 5:59 min. sei ein Zug nicht verspätet. Würde man das abschaffen wäre die Pünktlichkeitsquote vermutlich halbiert oder noch weniger! Und die Führungskräfte bekämen das was sie verdient haben: Nichts !
Anna156464641156 14.04.2018
4. Fahrpläne anstelle der Fahrzeiten anpassen
Wenn die Bahn intern etwas Testen möchte, ist das völlig richtig. Soll die Bahn was ausprobieren. Und wenn dabei herauskommt das es nichts bringt, ist das auch ein vollkommen valides Ergebnis. Ich verstehe aber einfach nicht wieso die Bahn ihre Fahrpläne nicht einfach an die Realität anpasst. 3 Minute in den großen Bahnhöfen und 1 Minute bei den kleineren Aufenthalt für den RE1 in Stoßzeiten sind einfach viel zu wenig. Dann läppert sich einfach mal 2-3 Minuten pro halt an Verspätung drauf und nach 4 Halten sind wir schwubdiewups bei 10 Minuten Verspätung. Für den Fernverkehr gilt natürlich das selbe. Steht ja auch so im Bericht. Die Knotenbahnhöfe fressen die Zeit wieder auf. Plus weniger Halte. Wieso der ICE in Käffern ohne erkennbares Einzugsgebiet wie Coburg oder BadenBaden halten muss ist mir ein absolutes Rätsel. Und gerne würde ich mal einen Test sehen, in der die Vorfahrtsregel für den ICE vor dem Nahverkehr nicht mehr ist. Gefühlt kommen so die meisten Verspätungen zusammen. Wenn man im RE mit 2-3 Minuten Verspätung sitzt und der jedes mal in Leverkusen warten muss bis 1-2 verspätete ICEs durchfahren hat man da auch ganz schnell wieder 15 Minuten nur wegen der Vorfahrt beisammen. (Seit wann zählen 6 Minuten bei der Bahn als verspätet? Waren das nicht immer 5 Minuten nach Plan? Wurde das um eine Minute angehoben? Hab ich das Falsch in Erinnerung? Oder ist das ein Fehler im Artikel?)
cajob 14.04.2018
5. Einfach sehr viel mehr Reserven einplanen,
so dass man die verspätete Zeit wieder hereinholen kann. Zuverlässigkeit ist viel wichtiger als Schnelligkeit, die dann eh nicht eingehalten werden kann.
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