Schadensersatz Unternehmen fordern von Bahn Millionen wegen Rheintal-Sperrung

Die Rheintalstrecke bei Baden-Baden soll bald wieder befahrbar sein. Doch für die Bahn beginnt nun das wirtschaftliche Nachspiel: Mehrere Firmen beklagen wegen der Sperrung "existenzbedrohende Ausfälle".

DPA

Wegen der siebenwöchigen Sperrung der Rheintalbahn bei Rastatt verlangen einige Eisenbahnunternehmen von der Deutschen Bahn Schadenersatz in Millionenhöhe. In einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Schreiben an den Vorstand der DB Netz AG heißt es: "Bisher blieben alle Hilferufe des Sektors zur Bewältigung der finanziellen Folgen der Havarie unbeantwortet."

Die für den gesamten europäischen Bahnverkehr wichtige Nord-Süd-Verbindung ist seit dem 12. August wegen einer Baupanne gesperrt. Damals hatten sich beim Tunnelbau bei Rastatt die Schienen abgesenkt, nachdem Wasser und Erdreich eingedrungen waren. Seither ist der Bahnverkehr auf dem Streckenabschnitt unterbrochen. Busse bringen Bahnreisende weiter. Die Strecke soll am 2. Oktober wieder befahrbar sein.

Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) hatte mit zwei Dutzend Verbänden wiederholt - und bislang vergeblich - um kurzfristige staatliche Hilfe unter anderem bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gebeten. Die Firmen beklagen teils existenzbedrohende Ausfälle wegen der noch bis Montag gesperrten wichtigen europäischen Transportroute, auf der sonst täglich bis zu 200 Güterzüge fahren.

Das NEE pocht auf einen kurzfristigen Ersatz von einem "Großteil der durch die Havarie entstandenen Schäden". Erlösausfälle und Mehrkosten bei Umleitungen summieren sich nach Schätzungen des Verbands allein für die Bahn-Unternehmen im Güterverkehr auf rund 100 Millionen Euro.

Grundsätzlich haben Unternehmen, die bei der Bahn langfristig eine Trasse gebucht haben, nach NEE-Angaben einen Schadenersatzanspruch. Wenn dieser aber gerichtlich durchgesetzt werden muss, dürften Jahre ins Land gehen.

asa/dpa



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dickebank 29.09.2017
1. Problem?
Den anderen Eisenbahnunternehmen bleibt ja nichts Anderes übrig als gegen die DB Netz AG zu klagen, da sie keine Verträge mit dem Konsortium haben, das den Tunnel baut und somit verantwortlich für die Streckensperrung ist. Die DB Netz AG als vertragspartner kann den ihr entstandenen Schaden einschließlich der schadensforderungen Dritter an das baukonsortium weiterreichen und das Konsortium in Regress nehmen. Wo ist jetzt das Problem?
bikerrolf 29.09.2017
2. Wo sind die Pfeifen?
Eine der wichtigsten Güterstrecken Europas ist seit Wochen gesperrt. Hat jemand etwas von unserem sogenannten Verkehrsminister oder dem Infrastruktur-Vorstand Ex-Minister Pofalla gesehen oder gehört? Besser lassen sich Zustand und Personalqualität der deutschen Politik nicht charakterisieren. Zum Auswandern.
guentherzaruba 29.09.2017
3. meine erste Frage
1. Warum wird der Tunnel nur fünf Meter unter den Gleisen gebohrt? 2. Warum DIREKT unter den Gleisen ? und Drittens ... wann wird bei weiteren Bohrungen GENAU das selbe wieder passieren ? Ach so, jetzt wird zwei Jahre lang, die Vergossene Tunnelbohrmaschine und der betonierte Tunnelabschnitt freigelegt ? Meine Güte. Watt `n Projekt, das kommt direkt nach BER.
runningstar 29.09.2017
4. Baupannen passieren
Da ist keiner vor gefeit. Letztendlich hätte es noch tausend andere vorstellbare Unglücke mit den gleichen Konsequenzen geben können. Da jetzt jemand verantwortlich machen zu wollen oder damit Geld rauszuziehen ist doch arg lächerlich. Im Übrigen kann das genauso gut wichtige Straßenverkehrsadern betreffen. Eine Rheinbrücke beispielsweise, die gesperrt werden muss, sorgt sicherlich für viel Spaß.
St.Baphomet 29.09.2017
5. Was heißt denn hier Baupannen?
Für diesen Mist der hier gebaut (hähä) wurde sollte der Straftatbestand "Blödheit am Bau" eingeführt werden. Und dass dort mal wieder "Niemand" was zu verantworten hat ist extrem zweifelhaft. Ich bin auch "Niemand", aber ich kann mir ohne weiteres vorstellen was passieren "könnte" wenn ich knapp unter einer Bahnstrecke einen Tunnel durchziehen will. Vor Allem wenn meine Firma vorher schon ähnlich rumgemurkst hat. Mal die Amsterdamer fragen.
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