Deutsche Bahn Vizechef Kefer räumt seinen Posten

Schon länger gab es Kritik an seiner Informationspolitik zum Krisenprojekt Stuttgart 21. Jetzt zieht Bahn-Vizechef Volker Kefer Konsequenzen.

Volker Kefer
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Volker Kefer


Der im Zusammenhang mit dem Großprojekt Stuttgart 21 in die Kritik geratene Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, Volker Kefer, will seinen Vertrag nach dessen Auslaufen im kommenden Jahr nicht verlängern. Wie der Konzern am Dienstagabend in Berlin mitteilte, kündigte Kefer im Vorfeld der am Mittwoch stattfindenden Aufsichtsratssitzung an, dass er für eine Verlängerung seines im September 2017 endenden Arbeitsvertrages nicht zur Verfügung stehe.

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Kefer habe den Aufsichtsratsvorsitzenden Utz-Hellmuth Felcht darüber informiert, hieß es in der Mitteilung. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Vorstand Infrastruktur, Dienstleistungen und Technik werde "bis zur Regelung seiner Nachfolge im Amt bleiben und seine Aufgaben weiterhin vollumfänglich wahrnehmen", hieß es.

Felcht zeigte sich demnach "dankbar", dass Kefer ihn "so frühzeitig über seine Entscheidung informiert" habe. Der Aufsichtsrat werde nun eine Regelung zur Nachfolge treffen.

Als Infrastrukturvorstand wird Kefer intern für Kostensteigerungen bei dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 verantwortlich gemacht. Medienberichten zufolge regte sich im Aufsichtsrat bereits Widerstand gegen eine Vertragsverlängerung Kefers. Auch Grube verlor demnach an Rückhalt im Aufsichtsrat. Anfang des Monats war bekanntgeworden, dass sich die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs um rund eine halbe Milliarde Euro verteuern und um bis zu zwei Jahre verzögern könnte.

Kefers Aufgabe ist die jüngste Entwicklung in einer Krise bei der Bahn. Auch Vorstandschef Rüdiger Grube verliert nach SPIEGEL-Informationen zusehends den Rückhalt des Aufsichtsrats.

asa/dpa/AFP



insgesamt 60 Beiträge
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planspiel 14.06.2016
1. Respekt
Respekt, dass Hr. Dr. Kefer frühzeitig Klarheit schafft. Seine Leistung beim Schlichtung S21 bleiben bestehen.
spon-facebook-1049022215 14.06.2016
2. Es ändert sich nix
Ein Sprichwort sagt: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, doch bei der Bahn ist das anders. Hier steht mit Pofalla bereits der nächste zur Verfügung, der die Bahn weiter in die Krise steuern wird. Und so wird Stuttgart 21 so lange weiter gebaut, bis 2027 oder so auch der Dümmste merkt, daß S21 nix anderes ist als die schwäbische Adaption von BER. Dann werden 14 Milliarden verbaut sein, und man wird feststellen, daß man die vierzehn Gleise über der Erde bis zum Sanktnimmerleinstag zusätzlich braucht, weil man auf den acht Gleisen unter der Erde den dann zu erwartenden Bahnverkehr nicht abwickeln kann. Ganz zu schweigen von den Problemen zu steiler Bahnsteige und anderer Hindernisse.
zantas 14.06.2016
3.
und wo bleiben jetzt die befürworter dieses immobilienprojekts? eine nette geste wäre z.B., ein monatsgehalt zu stiften. hallo frau merkel, die zukunftsfähigkeit deutschlands stand angeblich auf dem spiel! Herr Grube, wo sind Sie? ...
strohsee 14.06.2016
4. Glauben ist gut, Wissen ist besser
Wer glaubt, dass die nun bekannt gewordene Kostensteigerung die letzte sein wird, glaubt falsch; und wer glaubt, dass die Terminverschiebung die letzte sein wird, glaubt schon wieder falsch. - S21 entwickelt sich zum Berliner Flughafen. Herr Kefer, der zuständige Bahn-Vorstand, ist der, der nicht glaubt, sondern weiss; und der will seinen sicher lukrativen Vorstandsvertrag nicht verlängern. Ich vermute, der Mann weiß - zumindest in diesem Punkt -, wie es sich weiter entwickeln wird; ob er deshalb geht? Ich weiss es nicht, ich glaube es jedoch.
Lügenimperium 14.06.2016
5. Tja
Und wer kommt jetzt? Welche Spezialisten haben wir noch um die Misere zu verwalten? Mehdorn? Wowereit? Platzeck? Mappus? Öttinger? Oder doch Koch, der gerade ein gutes Unternehmen spektakulär schnell heruntergewirtschaftet hat?! In Stuttgart sind viele Abschnitte noch gar nicht genehmigt, andere hingegen müssen neu genehmigt werden. Brandschutz bis heute kein Konzept, das abgenommen wurde geschweige denn funktionieren würde. Geld ist praktisch keins mehr da - 7 Jahre Bauzeit stehen bevor (wird aber auch nicht reichen). Die wichtigsten Bauarbeiten - Eröffnungsfeier nach offiziellen Plänen für den Nesenbachdüker waren schon 2011 - bis heute noch nicht durchgeführt. Klagen der Gegner scheitern überall wobei das teilweise sein muss um höherinstanzlich zu klagen. Naja, Gott sei Dank wohne ich nicht mehr in dieser dreckigen und stinkenden Stadt, die sich selbst ruiniert indem dort Immobiliengeschäfte stattfinden, Geld verbrannt wird und alles unter Bahnhofsneubau als Tarnung läuft.
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