Grube-Nachfolger Bahn frei - aber bitte nicht für Pofalla!

Mit dem Abgang von Rüdiger Grube endet bei der Deutschen Bahn eine Ära: Er hat die Mitarbeiter mit dem Unternehmen versöhnt, aber Probleme verschleppt. Um zu überleben, braucht der Konzern nun einen echten Manager - und keinen Politiker.

Ronald Pofalla (Archivbild)
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Ronald Pofalla (Archivbild)

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Es gehört zur Ironie dieses Tages, dass ausgerechnet der Chef eines Konzerns, der für seine Verspätungen bekannt ist, zu früh zurücktritt.

Eigentlich wollte der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn (DB) am Montag den Vertrag mit Rüdiger Grube verlängern. In den vergangenen Tagen hatten sich beide Seiten auf einen Kompromiss geeinigt: Grube darf seinen Traumjob offiziell für weitere drei Jahre behalten, im Gegenzug verzichtet er auf die übliche Gehaltserhöhung.

Als die Aufsichtsräte Grube am Vormittag allerdings den Deal präsentierten "Keine Gehaltserhöhung und nur zwei Jahre Vertragsverlängerung" hatte der 65-Jährige dann doch genug. Er bat die verdutzten Kontrolleure um die sofortige Auflösung seines Vertrags.

Das war ein konsequenter Schritt, für den man Grube Respekt zollen muss. Schließlich hat er seinen Job so gern gemacht, dass er zu fast jedem Kompromiss bereit war, um ihn behalten zu können.

Die Chance, rechtzeitig abzutreten und nicht mehr nur noch ein paar Jahre geduldet zu werden, hatte der Bahn-Chef schon mit seinem Wunsch nach einer Vertragsverlängerung verspielt. Er teilt dieses Schicksal mit fast allen Top-Managern und Spitzenpolitikern. Der rechtzeitige Abgang aus freiem Willen gelingt den wenigsten.

Wie die meisten Führungskräfte, die bei der DB anheuern, hat der frühere Daimler-Manager Grube die Aufgabe im Bahn-Tower zu Beginn kolossal unterschätzt. Der Kalauer, die vier größten Feinde der Bahn seien Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, hat ja einen wahren Kern: Kaum ein System ist so kompliziert und so anfällig wie die Schiene.

Erschwerend kommt hinzu, dass kein Verkehrsträger in den vergangenen Jahrzehnten so von der Politik vernachlässigt wurde und kein Manager dermaßen im Lichte der Öffentlichkeit steht wie der Bahn-Chef.

Immerhin schaffte Grube zu Beginn seiner Amtszeit, wofür er geholt wurde: Er befriedete den Konzern und gab den Mitarbeitern, die infolge der Datenaffäre verunsichert waren, den Stolz auf das eigene Unternehmen zurück. In einem so traditionsbewussten Umfeld war das keine kleine Errungenschaft. Geholfen hat Grube dabei die seltene Fähigkeit, vom Koch bis zur Kanzlerin jedem das Gefühl vermitteln zu können, sich aufrichtig für ihn und sie zu interessieren.

Zu spät auf Digitalisierung und Automatisierung gesetzt

Allerdings war es auch jenes ausgeprägte Bedürfnis, bei anderen beliebt zu sein, das Grube bei der Führung des Konzerns zunehmend Probleme bereitete. Seine Entourage klagte immer wieder, der Bahn-Chef verspreche fast allen fast alles: hier noch ein ICE-Halt, dort noch eine Lärmschutzwand, und dahinten noch ein zweites Gleis.

Auch ließ er sich von Vorständen einlullen, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollten - und dachten, die DB werde es immer geben und Ryanair und Meinfernbus.de seien nur Krankheiten, gegen die es schon bald wirksame Medikamente gebe. Viel zu spät hat Grube verstanden, was für einen dramatischen Wandel Automatisierung und Digitalisierung für den Mobilitätssektor bedeuten.

Deshalb endet mit Grubes Abgang auch eine Ära, die eines Tages wahrscheinlich als die letzte der guten alten überschaubaren Welt gesehen wird. Niemand weiß, wie sich die Menschen in 10 oder 20 Jahren fortbewegen. Dass sie es anders tun als heute, ist jedoch wahrscheinlich. Für einen Konzern, der im Kern auf einer mehr als 150 Jahre alten Technologie basiert, ist schon das eine beunruhigende Nachricht.

An der Spitze der DB braucht es nun einen Manager, der diesen Wandel verkörpert und ihn im Konzern mit aller Macht vorantreibt. Dabei muss er angesichts der viel zu engen Verflechtung mit der Politik auch echte Konflikte mit der Bundesregierung eingehen. Schon allein deshalb wäre der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla der falsche Mann für den Job. Er steht viel zu sehr für die Verquickung zwischen Konzern und Politik.

Ein Wechsel an der Konzernspitze allein wird die Probleme jedoch nicht lösen. Die Aufgabe der Bundesregierung ist es nicht, mit immer neuen Subventionsmilliarden immer neue Löcher in der Bahn-Bilanz zu stopfen. Der Eigentümer Bund muss sich endlich klarwerden, was er mit der DB eigentlich will. Am besten würde er erst dann einen Grube-Nachfolger berufen, wenn das Konzept steht - und nicht umgekehrt.

Doch dafür ist es nun... genau: zu spät.

insgesamt 86 Beiträge
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Seite 1
jerusalem 30.01.2017
1. Ich glaube es ist ziemlich ergal
wer Bahnchef wird, solange man keine private Haftung hat (siehe Mehrkosten Stuttgart 21, etc.) wird wohl wieder das Geld des Steuerzahlers für alles Mögliche und Unmögliche benutzt.
axel_roland 30.01.2017
2. Wenn Pofalla Bahnchef wird....
....dann hat das Auto endlich gesiegt.
Currie Wurst 30.01.2017
3. Grubes Vertragsverlängerung...
...sollte Pofalla den Weg ebnen. Mit dem Autor hoffe ich mit aller Kraft, dass der frühe Abgang genau das verhindert und Pofalla jemand vor die Nase gesetzt wird, der ihm seine Grenzen aufzeigt. Möglichst schnell und möglichst deutlich.
Heinrich_Hoert 30.01.2017
4. Profalla
wäre die schlechteste aller möglichen Entscheidungen. Der Mann war in jeder Funktion stets ein Totalversager. Ich denke die Union hat den Mann zu Recht zur Bundeseigenen Bahn AG abgeschoben. Man dachte da kann er nicht mehr viel kaputt machen. Nun scheint es mit der Möglichen Inthronisation kann er es doch. Die Lobreden auf Grube vernachlässigen allerdings auch das er die Flug- und Raumfahrtsparte von Daimler Benz fast in die Pleite getrieben hätte. Grube war bei Daimler ein Totalversager und die Leute waren froh als er weg war. Die Kollegen bei Daimler haben dreimal das Kreuz geschlagen als die Nachricht über den Wechsel zur DB AG bestätigt wurde und das nicht nur die gläubigen sondern alle.
esgehtdoch1974 30.01.2017
5. er wird wohl oder übel
na ... die Personalie ist ja schon gegessen. So manchem politischen Kleingeist reicht wohl die Modellbahn im Keller nimmer ... der Staat bezahlt dann Mr Inkompetenz und vor allem für seine Fehler...
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