Verspätungen und Zugausfälle Deutsche Bahn stellt 17.000 neue Mitarbeiter ein

In nur acht Monaten hat die Deutsche Bahn nach SPIEGEL-Informationen 17.000 neue Mitarbeiter angeheuert, darunter mehr als tausend Lokführer. So will sie Verspätungen und Zugausfälle endlich in den Griff bekommen.

Bahn-Mitarbeiter (Archivbild)
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Bahn-Mitarbeiter (Archivbild)

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In den vergangenen Wochen geriet Bahn-Chef Richard Lutz immer stärker in die Defensive: Die Schulden steigen, die Fahrgäste stöhnen wegen immer mehr Verspätungen und kaputter Züge. Vor drei Wochen schrieb Lutz sogar einen frustrierten Brief an seine Führungskräfte und strafte sie mit einem Sparprogramm ab. Doch nun gibt es auch mal wieder positive Zahlen zu verkünden: Die Bahn baut ihre Belegschaft aus.

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Heft 40/2018
Der Machtkampf um ihr Erbe hat begonnen

Bis Ende August haben bereits 17.000 Menschen eine Jobzusage bekommen, darunter 1200 Lokführer und 1600 Instandhalter, die für eine bessere Wartung der Züge sorgen sollen. Die Belegschaft in Deutschland wachse von 197.000 auf 204.000 Mitarbeiter, wie der SPIEGEL aus Konzernkreisen erfuhr. Das neue Personal ist Teil einer Strategie von Bahn-Chef Lutz, um Verspätungen und mangelnde Zuverlässigkeit der Züge zu kontern. Zuletzt hatte es große Probleme mit ICEs gegeben, die mit Mängeln die Reparaturzentren verließen und kurz darauf zurück in die Werkstatt mussten.

Die Gütersparte leidet besonders unter fehlenden Lokführern; Züge müssen oft stehen, weil die Fahrer Ruhezeiten einhalten müssen. Mehr Personal ist auch wegen der demografischen Entwicklung nötig - rund die Hälfte der Belegschaft wechselt in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand.

Die neuen Lokführer dürfen sich über Lohnsteigerungen freuen. Für die anstehenden Tarifverhandlungen mit den Lokführer-Gewerkschaften rechnet der Vorstand mit einer Einigung auf 4,5 bis 5 Prozent mehr Gehalt in den nächsten zwei Jahren. Die Gewerkschaften fordern bis zu 7,5 Prozent und ein attraktives Freizeitmodell als Alternative zu mehr Lohn. Im Vorstand rechnet man nicht mit Arbeitskämpfen wie bei der letzten Lohnrunde 2016. Ein vergleichbares Chaos wäre den Kunden derzeit nur schwer zu vermitteln, heißt es im Berliner Bahn-Tower.

Die Bahn wird auf ihre Lokführer noch mehr als sonst angewiesen sein. Auf der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Mittwoch wurde der Kauf von weiteren 18 ICE-Zügen der vierten Generation für 700 Millionen Euro beschlossen - auch das eine Maßnahme, um die Leistung des Unternehmens zu verbessern.

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
sanhe 28.09.2018
1. Automatisierter Schienenverkehr
Hätte die DB energisch bereits seit mehreren Jahren die technische Entwicklung hin zu zugführer-freiem, automatisiertem Schienenverkehr vorangetrieben, wäre man nun nicht in diesem Maße durch Personalmangel in die Enge getrieben. Im DB-Vorstand fehlt hier offenbar der diesbezüglich notwendige strategisch-technische Weitblick.
gus55 28.09.2018
2. Wer kann hier rechnen?
17,000 neue Stellen erweitern die Belegschaft von 197,000 auf 204,000?? Neue Mathematik?
trader_07 28.09.2018
3.
Ein Anstieg um 17.000 Mitarbeiter (der grundsätzlich einmal äußerst positiv zu bewerten ist!) führt also zu einer Steigerung von 197.000 auf 204.000. Na denn.... Entweder ist hier einem Journalisten ein eklatanter Schreibfehler unterlaufen oder aber wir erfahren hier die Rechenkünste von Bahnchef Lutz. Wenn Letzteres der Fall ist, wundert es mich nicht, weshalb die Bahn auf keinen grünen Zweig kommt. Ich hoffe also auf Ersteres.....
Frida_Gold 28.09.2018
4.
Zitat von sanheHätte die DB energisch bereits seit mehreren Jahren die technische Entwicklung hin zu zugführer-freiem, automatisiertem Schienenverkehr vorangetrieben, wäre man nun nicht in diesem Maße durch Personalmangel in die Enge getrieben. Im DB-Vorstand fehlt hier offenbar der diesbezüglich notwendige strategisch-technische Weitblick.
Hätte die Bahn nicht seit Jahren völlig übertrieben Personal eingespart - bitte mal googlen, man findet Artikel von 2017 (!) , die die Einsparung vom 2000 Stellen ankündigen - , hätten sie jetzt auch nicht auf einen Schlag wieder so viele anheuern müssen. Da mussten die werten Chefs eben erst feststellen, dass es ohne Personal nicht geht. Von vollautomatisiertem Schienenverkehr sind wir noch viele Jahre entfernt, egal, wie schnell die Entwicklung technisch vorangeht - da stehen noch rechtliche Diskussionen bezüglich Haftung etc. an, die werden sich nicht in 1-2 Jahren klären lassen. Ganz abgesehen davon, dass wir aktuell noch nicht die Technik für flächendeckende Zugautomatisierung haben. Ganz sicher forscht die Bahn daran, aber so einfach ist es nun einmal nicht.
n.strohm 28.09.2018
5.
Was will man von einer Bahn erwarten, die als Entsorgungshimmel für Politiker ohne eigene Perspektive gilt. Zudem dann noch Mehdorn, der von allem Ahnung, nur nicht von dem Job, den er gerade macht. Eine führerlose Lok ist bei der veralteten Technik derzeit nicht mehr als die Ausdünstung von Hochglanz - Power Point Präsentationen.
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