Ackermanns Abschied Eigenlob rührt

Josef Ackermann geht, jetzt übernehmen die neuen Chefs um Anshu Jain. Bei der Hauptversammlung schloss die Deutsche Bank ihren Führungswechsel ab. Der scheidende Vorsitzende hielt eine Lobrede auf sich selbst - und war am Ende tief berührt.

Von , Frankfurt am Main


Als Josef Ackermann fertig ist, muss Anshu Jain erst einmal raus. Zwei Stunden lang hat der künftige Co-Chef der Deutschen Bank still auf seinem Platz gesessen, direkt neben Jürgen Fitschen, mit dem er Deutschland größtes Geldhaus ab Freitag gemeinsam führen soll. Die beiden neuen starken Männer haben sich geduldig angehört, wie sich die alte Führungsriege am Donnerstag auf der Hauptversammlung von den Aktionären der Bank verabschiedet.

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Heft 22/2012
Wege zu einem würdevollen Sterben

Ein letztes Mal zuhören, wie sich der "liebe Clemens" beim "lieben Joe" bedankt, dann dürfen Jain und Fitschen selbst gestalten. Im Publikum sitzt Jains Familie, um bei der Stabübergabe dabei zu sein.

Mit der Hauptversammlung verschiebt sich das Machtgefüge in Deutschlands wohl wichtigstem Unternehmen radikal. Die Ära des Schweizers Josef Ackermann, der die Bank zehn Jahre geführt hat, geht zu Ende. Mit ihm verlässt auch sein schärfster Widersacher das Institut: Aufsichtsratschef Clemens Börsig. Die beiden haben sich im vergangenen Jahr einen beispiellosen Machtkampf geliefert - und ihn am Ende beide verloren. Nun müssen sie Platz machen für eine neue Führungsriege aus Jain, Fitschen und dem künftigen Aufsichtsratschef Paul Achleitner, die besser zusammenhalten soll als die alte.

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Machtwechsel bei der Deutschen Bank: Ackermanns Abschied
Die Neuen mühen sich, ein harmonisches Bild abzugeben. Jain und Fitschen sitzen auf dem Podium so eng zusammen, dass kaum noch eine Zeitung dazwischenpasst. Immer wieder stecken sie die Köpfe zusammen. Achleitner muss noch unten im Publikum Platz nehmen, weil er bisher noch keinen Posten in der Bank innehatte.

Aktionäre werden mit Gülle begrüßt

Für Menschen, die keine Aktien besitzen, ist eine Hauptversammlung normalerweise so spannend wie die Ziehung der Lottozahlen für Nicht-Lotto-Spieler. Doch bei der Deutschen Bank geht es immer etwas lebhafter zu.

Das zeigt sich schon vor dem Eingang der Frankfurter Festhalle, wo Bankkritiker Gülle ausgeschüttet haben und Ackermanns Nachfolger mit "Jain, lass es sein"-Rufen zum Rückzug aus umstrittenen Geschäften auffordern. Auch drinnen kochen die Emotionen hoch - vor allem bei den Aktionärsvertretern. "Sie wollen Streit haben, Herr Börsig, den kriegen Sie jetzt auch", ruft Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) dem scheidenden Aufsichtsratschef mit hochrotem Kopf zu. Gleich mehrere Vertreter großer Fonds und Aktionärsvereinigungen beantragen, dem Kontrollgremium die Entlastung zu verweigern.

Sie stören sich vor allem an Börsigs unglücklicher Rolle bei der Suche nach einem Nachfolger für Ackermann - über Monate zog sich das Gerangel im vergangenen Sommer hin. Ackermanns Wunschkandidat, der ehemalige Bundesbankchef Axel Weber, sprang ab, Börsig setzte gegen den Willen des Vorstandschefs seine Wunschkandidaten Jain und Fitschen durch.

Bei der Zusammenstellung des restlichen Vorstands ging die Pannenserie weiter: Der Kandidat für die Risikosteuerung, William Broeksmit, wurde von der Finanzaufsicht BaFin als ungeeignet abgelehnt. Die Schuld dafür sehen die Aktionäre vor allem bei Börsig. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) spricht von "Peinlichkeiten".

Auch die vielen Klagen, denen die Bank vor allem wegen ihrer Hypothekengeschäfte in den USA ausgesetzt ist, verärgern die Aktionäre. Sie fürchten einen Imageschaden. "Die Reputation der Deutschen Bank hat nicht unerheblichen Schaden genommen", sagt Hans-Christoph Hirt vom Londoner Investorenvertreter Hermes. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger ergänzt: "Wir haben eine Dividende, aber keine Freunde."

Ackermann malt alles rosa

Das mag auch an Josef Ackermann liegen. Der scheidende Vorstandschef hat die Deutsche Bank Chart zeigen in den vergangenen zehn Jahren strikt auf Rendite getrimmt - und dabei stark polarisiert. Das zeigt sich auch auf der Hauptversammlung. Zweimal bekommt er Standing Ovations. Doch längst nicht alle Aktionäre stehen auf, um zu klatschen. Es mischen sich auch einige Buhrufe unter den Applaus.

Für Ackermann selbst ist die Sache klar: Er hat fast alles richtig gemacht - und wenn Aufsichtsratschef Börsig das nicht ausreichend würdigt, dann macht er es eben selbst. "Ich habe meine Pflicht getan und dem Unternehmen mit ganzer Kraft gedient", sagt der scheidende Chef. Sei es der Ausbau des Investmentbankings oder das umstrittene Renditeziel von 25 Prozent - alles diene nur dazu, Deutschland die Bank zu bewahren, "die es als eine der bedeutendsten Wirtschaftsmächte der Welt verdient".

Nur einmal weht ein Hauch von Selbstkritik durch die vollbesetzte Halle: "Kein Geschäft darf es uns wert sein, den Ruf und die Glaubwürdigkeit der Bank aufs Spiel zu setzen." Diesem Grundsatz sei man "aus heutiger Sicht in den Jahren des allgemeinen Überschwangs vor der Finanzkrise nicht immer voll gerecht geworden", sagt Ackermann. "Wir haben aus den Erfahrungen gelernt und die notwendigen Konsequenzen gezogen."

Ansonsten setzt der Schweizer vor allem auf den Weichzeichner. Für ihn sei es ein "Tag der Wehmut und der Freude", sagt Ackermann in seiner Rede. "Ich empfinde Wehmut beim Abschied von einem Land, das mich mit offenen Armen empfangen und stets mit großer Offenheit begleitet hat." Angesichts der Anfeindungen, denen der Deutsche-Bank-Chef in den vergangenen zehn Jahren ausgesetzt war, klingt das zumindest überraschend.

Für die Nachfolger bleiben nur zwei Sätze

"Ackermann würde am liebsten auf einer Wolke entschweben", kommentiert ein hochrangiger Bank-Insider das Eigenlob des scheidenden Bankchefs. Während des Aktionärstreffens sieht es so aus, als könnte Ackermann zumindest auf einer Woge der Sympathie entschwinden. Von den Vertretern der großen Aktionäre jedenfalls erhält er fast ausschließlich Dank und Anerkennung.

Für seine Nachfolger Jain und Fitschen hat Ackermann in seiner fast einstündigen Rede gerade mal zwei Sätze übrig. Auch sein Intimfeind Börsig bekommt nur einen mageren Dank: Anders als in der Öffentlichkeit dargestellt, habe man immer "kollegial im Interesse der Bank zusammengearbeitet".

Wie eigenwillig diese Sicht der Dinge ist, zeigt sich nur wenige Minuten später. Als Ackermann den persönlichen Teil seiner Rede unter großem Applaus beendet, fällt Börsig nur noch ein spröder Kommentar ein: die Ausführungen des scheidenden Vorstandschefs seien "sehr informativ" gewesen.

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
fleischwurstfachvorleger 31.05.2012
1. Wenn die Mafia Aktien ausgeben würde
Zitat von sysopAFPZur Machtübergabe bei der Deutschen Bank müht sich die zerstrittene Führung um Haltung. Sie will die internen Konflikte übertünchen. Die beiden neuen Chefs halten still. Der scheidende Vorsitzende Josef Ackermann hält eine Lobrede auf sich selbst - und ist am Ende tief berührt. Deutsche Bank: Ackermann verabschiedet sich auf der Hauptversammlung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836193,00.html)
...könnte es dort so ähnlich ablaufen. Die Strukturen und die Richtung ähneln sich verblüffend
biwak 31.05.2012
2. Hoffentlich steht Hrn. Schäuble ...
... in dieser schweren Stunde jemand zur Seite. Vermutlich ist er vom Abgang Hrn. Ackermann so gerührt wie damals, als er ihn vor laufenden Kameras so ergriffen würdigte.
Koana 31.05.2012
3. Persönlichkeitspsychologie
Zitat von sysopAFPZur Machtübergabe bei der Deutschen Bank müht sich die zerstrittene Führung um Haltung. Sie will die internen Konflikte übertünchen. Die beiden neuen Chefs halten still. Der scheidende Vorsitzende Josef Ackermann hält eine Lobrede auf sich selbst - und ist am Ende tief berührt. Deutsche Bank: Ackermann verabschiedet sich auf der Hauptversammlung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836193,00.html)
Könnte es sein, der Joe glaubt am Ende noch selber was er so sagt? Heritabilität bei 0,5 – warum selektiert die Evolution die Güte? | oberham (http://oberham.wordpress.com/2012/05/31/heritabilitat-bei-05-warum-selektiert-die-evolution-die-gute/)
No_Name 31.05.2012
4. -
Heer A. beweisst einen ungesunden Narzissmus. Wie er zum Characterbild von Managern und Schwerstkriminellen gehört (Wobei, Massenmörder haben i.d.R. eine weniger dissoziale Persönlichkeit als Spitzenmanager im Bankensektor). Herr A. beweisst dieses wieder. Und bestätigt: Diese Menschen können vor lauert Selbstliebe Ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen. Obe es da eine gute Idee ist, das Schicksal des Landes in diese Hände zu legen? Zu mindest die Bankenkriese erklärt sich aus diesen Tränen.
Reiner Weint 31.05.2012
5. Kein Titel
Zitat von sysopAFPZur Machtübergabe bei der Deutschen Bank müht sich die zerstrittene Führung um Haltung. Sie will die internen Konflikte übertünchen. Die beiden neuen Chefs halten still. Der scheidende Vorsitzende Josef Ackermann hält eine Lobrede auf sich selbst - und ist am Ende tief berührt. Deutsche Bank: Ackermann verabschiedet sich auf der Hauptversammlung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836193,00.html)
Ackermanns Persönlichkeit mag polarisieren. Aber seine berufliche Leistung ist herausragend. Und ich respektiere sehr, dass er sich von einer üblen Kampagne zur Beschädigung seiner Reputation, auf die viele Unwissende aufgesprungen sind, nie wirklich hat beeinflussen lassen. Was hat man ihm vorzuwerfen? Dass er das größte deutsche Bankhaus exzellent durch eine schwere Krise der gesamten Finanzbranche geführt hat? Dass er viele Arbeitsplätze gesichert hat? Das er für seinen Arbeitgeber Milliarden Gewinne erwirtschaftet hat? Wer von denen, die meinen ihn kritisieren zu müssen kann auf ähnliche Leistungen zurückblicken?
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