Deutsche Bank Ackermann verzichtet auf Wechsel in den Aufsichtsrat

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gibt seine umstrittenen Pläne für einen Wechsel in den Aufsichtsrat auf. Der Schweizer stehe hierfür nicht mehr zur Verfügung, teilte das Unternehmen mit. Stattdessen wird Allianz-Vorstand Paul Achleitner als Aufseher vorgeschlagen.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Doch kein Wechsel in den Aufsichtsrat
dapd

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Doch kein Wechsel in den Aufsichtsrat


Hamburg/München - Schon wieder neue Schlagzeilen zu Josef Ackermann: Der langjährige Chef der Deutschen Bank Chart zeigenwird nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand nicht an die Spitze des Aufsichtsrat wechseln. Das teilte das Institut am Montag mit. Als künftigen Aufsichtsratschef werde der Nominierungsausschuss stattdessen Allianz Chart zeigen-Vorstand Paul Achleitner vorgeschlagen. Ackermann wurde mit den Worten zitiert, Achleitner sei "ein hervorragender Kenner des Bankengeschäfts und der Finanzmärkte", dessen Rat seit vielen Jahren von Unternehmen "gesucht und geschätzt" werde.

Seine Entscheidung begründete der Schweizer mit den "extrem herausfordernden Verhältnissen auf den internationalen Finanzmärkten und im politisch-regulatorischen Umfeld". Diese verlangten "meine volle Aufmerksamkeit als Vorsitzender des Vorstands der Bank; sie lassen keinen Raum für die zur Realisierung des Vorhabens erforderlichen vielen Einzelgespräche mit Aktionären." Der Aufsichtsrat nahm die Entscheidung der Mitteilung zufolge "mit Bedauern und Respekt zur Kenntnis".

Kurz vor der Mitteilung über Ackermanns Verzicht war bekannt geworden, dass Ermittler der Staatsanwaltschaft München vergangene Woche mehrere Vorstandsbüros der Deutschen Bank durchsucht haben. Betroffen war unter anderem auch Ackermanns Büro.

Sorge vor der "Monarchie "

Die Staatsanwaltschaft wirft Ackermann und den drei ehemaligen Topmanagern Rolf Breuer, Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck unter anderem Falschaussage im Rechtsstreit mit dem inzwischen verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch vor. Die Beschuldigten hatten in dem Prozess um den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums ausgesagt.

Dass Ackermann direkt an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln wollte, war von Investoren und in der Politik kritisiert worden. Sie witterten einen Verstoß gegen die Regeln der guten Unternehmensführung (Corporate Governance). So warnte der Münchener Wirtschaftsprofessor Manuel Theisen im "Handelsblatt", Ackermanns künftige Rolle werde die eines "absoluten Monarchen" sein, der die Bank nach Belieben beherrschen kann.

Nicht nur der freiwillige Corporate-Governance-Index der deutschen Wirtschaft untersagt einen sofortigen Wechsel von der Vorstands- an die Aufsichtsratsspitze. Auch das deutsche Aktienrecht sieht für solche Wechselmanöver grundsätzlich eine Karenzzeit von zwei Jahren vor.

Der Gedanke hinter den Verboten: Aufsichtsräte, die direkt aus dem Vorstand kommen, nehmen es mit der Kontrolle eben dieses Vorstands womöglich nicht ganz so genau wie unabhängige Kandidaten. Zudem neigen sie dazu, den neuen Chefs aus der Kontrolleursposition heraus in die tägliche Arbeit hineinzuregieren.

Ackermann soll die Führung des Konzerns zur Hauptversammlung 2012 an seine Vorstandskollegen Anshu Jain und Jürgen Fitschen übergeben. Bei dieser Zeitplanung wird es der Deutschen Bank zufolge auch weiterhin bleiben.

stk/dab/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
levitian 14.11.2011
1. .
Mir würde auf Anhieb nichts einfallen, was im Zusammenhang mit der Deutschen Bank -ausgenommen die unverhältnismäßig hohen Gehälter und Prämien für einige wenige Mitarbeiter derselben- unverhältnismäßig sein könnte.
ccmehil 14.11.2011
2. Skandal
Der Staat rebelliert gegen seiner Herrscher. So fing es auf der Bounty auch an. Hoffentlich hat Joe schon die notwendigen Telefonate mit Angie geführt. Ich gehe davon aus, dass der Richter den Fall abgibt und in der Staatsanwaltschaft Köpfe rollen.
wolfgang@mxch.ch 14.11.2011
3. Ackermann ist in Strafverfahren kein selten gesehener Teilnehmer
Im Mannesmann Prozess: http://de.wikipedia.org/wiki/Mannesmann-Prozess konnte das Verfahren gegen ihn durch Zahlung eines Millionenbetrages eingestellt werden. Auch wäre interessant zu wissen, was noch alles geschehen muss, bis die Staatsanwaltschaft auf die Machenschaften des trilateralen Commissioner-Trios Monti - Papademos - Ackermann aufmerksam wird: http://www.zeitkritik24.ch/index.php?id=47. Im Fall Kirch scheint die Macht der heutigen Kirch-Nachfolgeunternehmen ein nicht zu unterschätzender Faktor - so hoffentlich auch in allen weiteren in nächster Zeit anstehenden Verfahren gegen Ackermann und die Deutsche Bank.
Deepthought42.0815 14.11.2011
4. Rechtsstaat yet to happen
Egal ob das in dem Fall berechtigt ist oder nicht. Der "Rechtsstaat" Deutschland muss den Tag noch erleben an dem einer der Top-Verbrecher (irrtümlicherweise auch oft Eliten genannt) mal eine ERNSTHAFTE Strafe bekommt bzw. eine die angemessen/ohne Deals/usw. läuft.
movfaltin 14.11.2011
5. Schnee von gest... letzter Woche
Zitat von sysopSpektakuläre Wende im Kirch-Prozess: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat die Staatsanwaltschaft vergangene Woche Vorstandsbüros der Deutschen Bank durchsucht, darunter auch das von Josef Ackermann. Die Ermittler werfen dem Konzernchef Falschaussage vor. Die Bank wehrt sich.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,797630,00.html
Vielleicht täte es der Bericherstattung in Deutschland generell gut, mal ein paar Journalisten vor Ort zu haben und nicht alle in Hamburg oder Berlin vor sich hinfabulieren zu lassen - dann kämen solche Infos auch zeitnäher und nicht mit der Auszeichnung "letzte Woche" oder "im August" versehen. Wo sind sie, die investigativen, die nicht nur Pressestatements abschreiben und in ihre Henri-Nannen-Lückentexte neue Namen einsetzen?
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