Deutsche Bank Ackermann zweifelt an Kompetenz der Euro-Retter

Aus Sorge vor einer Griechenland-Pleite will die EU die Banken zu einem höheren Kapitalpuffer verdonnern. Deutsche-Bank-Chef Ackermann kritisiert diesen Plan und fordert von der Politik eine andere Lösung. Doch offenbar könnte sein Institut im Zuge der Krise selbst Probleme bekommen.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Schelte für die Politik
dapd

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Schelte für die Politik


Berlin - Bei der Griechenland-Rettung wird ein Schuldenschnitt immer wahrscheinlicher. Die EU-Kommission will Banken deshalb zur Aufstockung ihrer Finanzpolster zwingen, damit die Institute im Falle einer Pleite nicht zusammenbrechen. Doch die Finanzbranche wehrt sich gegen diesen Plan - schließlich würde der Staat bei den betroffenen Instituten dann mitsprechen.

Die Kritik der Branche formulierte nun Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Der Markt werde die Mittel für die vorgeschlagenen Kapitalspritzen nicht bereitstellen, sagte er auf einer Konferenz des größten deutschen Geldhauses. Der Plan gehe deshalb an den aktuellen Problemen vorbei. Am Ende müsste für eine zwanghafte Erhöhung der Kapitalquote der Steuerzahler aufkommen, was die Schulden der europäischen Staaten weiter in die Höhe treiben würde.

Nicht die Finanzierung der Banken sei das Problem, sondern die Tatsache, dass Staatsanleihen nicht mehr risikolos seien, sagte Ackermann. Die Politik müsse das Vertrauen in die Stabilität der Staatsfinanzen wieder herstellen.

Mit elegant gewählten Worten teilte der Bankchef einen ordentlichen Seitenhieb gegen die EU-Spitzenpolitiker aus und zog deren Krisenkompetenz in Zweifel. Bei den Akteuren auf den Finanzmärkten stiegen die Zweifel, ob die Politik überhaupt in der Lage sei, die Krise dauerhaft zu lösen, sagte Ackermann. "Die Marktteilnehmer fragen sich in diesem Zusammenhang nicht nur, ob die Verantwortlichen den nötigen politischen Willen aufbringen, um die Krise zu bewältigen, sondern zunehmend auch, ob ihnen dazu überhaupt noch genug Zeit bleibt und ob sie über die dafür notwendigen Mittel verfügen."

Insider sehen Probleme für Deutsche Bank bei Blitz-Stresstest

Eine Zwangsgeldspritze für die Deutsche Bank will Ackermann vermeiden. Sein Institut verfüge über genügend eigene Mittel, um eine heraufziehende Krise zu meistern, sagte er. "Die Deutsche Bank wird alles tun, dass sie auch diesmal kein Staatsgeld braucht."

Doch Bankenaufseher haben offenbar Zweifel, ob die Deutsche Bank das schaffen kann. Die Agentur Reuters meldete unter Berufung auf Insider, das größte deutsche Geldhaus würde den derzeit diskutierten Blitz-Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA nicht bestehen. Um eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent unter verschärften Krisenbedingungen zu erreichen, bräuchte das Institut rund neun Milliarden Euro, zitierte die Agentur mehrere mit den Zahlen vertraute Personen. Unter hartem Kernkapital versteht man Geld, das jederzeit zur Verfügung steht. Bei einer Schwelle von sieben Prozent käme die Deutsche Bank durch den Test - dann hätte sie ausreichend Kapital, sagten mehrere Insider. Das Institut kommentierte dies nicht.

Mit einem Sonder-Stresstest will die EBA den Kapitalbedarf der Geldhäuser ermitteln - unter der Annahme, dass alle Anleihen der Euro-Krisenländer auf Marktwerte abgeschrieben werden. EU-Kreisen zufolge ist dabei im Gespräch, dass die Banken mindestens neun Prozent an hartem Kernkapital erreichen müssen.

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 323 Beiträge
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jolip 13.10.2011
1. Bankenrettungsplan
Zitat von sysopAus Sorge vor einer Griechenland-Pleite will die EU die Banken zu einem höheren Kapitalpuffer verdonnern. Deutsche-Bank-Chef Ackermann kritisiert diesen Plan und*fordert von der*Politik eine andere Lösung.*Doch offenbar könnte sein*Institut im Zuge der Krise selbst Probleme bekommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791596,00.html
Nachdem der von Hern Ackermann und seinen Spießgesellen 2007 ausgearbeiteten Bankenrettungsplan so grandios gescheitert ist, sollte dieser lieber seinen Mund halten.
kdshp 13.10.2011
2. Auf Thema antworten
Zitat von sysopAus Sorge vor einer Griechenland-Pleite will die EU die Banken zu einem höheren Kapitalpuffer verdonnern. Deutsche-Bank-Chef Ackermann kritisiert diesen Plan und*fordert von der*Politik eine andere Lösung.*Doch offenbar könnte sein*Institut im Zuge der Krise selbst Probleme bekommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791596,00.html
Hallo, die bste lösung wäre die banken dem markt zu überlassen den sie selber so geschaffen/gewollt haben. ODER will her ackermann lieber wieder staatliche soziale leistungen für die banken und deren manager. Man mus ssich das mal vorstellen das hier leute gerettet werden damit die weiter ihre millionen verdienen WAS für eine soziale leistung ist das denn?
akkronym, 13.10.2011
3. Dann kann er sich
... ja mal wieder zum Geburtstag in Kanzleramt einladen lassen. Das wird ihm sicher wieder sein spitzbübisches Grinsen ins Gesicht zaubern. Da würde er sich wieder richtig drüber freuen. Der Herr Ackermann.
wolffm 13.10.2011
4. Nicht fordern sondern machen
Wozu gibt es eigentlich Banken-Verbände? ... in Deutschland, Europaweit, sogar Weltweit! Warum machen die denn nichts, ausser zu fordern?
Criollo, 13.10.2011
5. Der Scheinheilige
Ackermann "Nicht die Finanzierung der Banken sei das Problem, sondern die Tatsache, dass Staatsanleihen nicht mehr risikolos seien, sagte Ackermann." Rsisikolos? Was soll das denn aus dem Mund eines solchen Mitschneiders? Immerhin verdienen die Banken schöne Prozentaufschläge daran, dass sie Risiken zu prüfen und zu tragen haben. Wäre das alles "risikolos" (Zitat Ackermann), dann wären die Banken völlig überflüssig. Die Kunden und Geldgeber der Banken bezahlen also nur *angebliche* Arbeit, die die Banken gar nicht tun. Danke für das klare Wort, Herr Ackermann. Und natürlich geht bei höherer Eigenkapitalanforderung die Eigenkapitalrendite nach unten und damit auch der Boni dieser eingestandenenmassen haftungslosen Nichtstuer.
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