Italienkrise Deutsche-Bank-Aktie fällt unter zehn Euro

Die ungewisse politische Lage in Italien hat europaweit die Aktien von Geldhäusern und Versicherern schwer belastet. Besonders heftig erwischte es die Deutsche Bank.

Deutsche Bank, Frankfurt am Main
AP

Deutsche Bank, Frankfurt am Main


Die politische Krise in Italien wirkt sich immer stärker auf die Finanzmärkte aus. Der europäische Bankensektor rutschte um 2,61 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2016. Er war damit der schwächste aller Branchenindizes - dicht gefolgt von den Versicherern.

Aktien der Deutschen Bank fielen am Dienstag erstmals seit Oktober 2016 wieder unter die Marke von 10 Euro. Sie rutschten um 3,81 Prozent auf 9,90 Euro ab. Commerzbank-Papiere büßten 4,66 Prozent auf 8,91 Euro ein und fielen somit erstmals seit Mai 2017 wieder unter 9 Euro.

Der italienische FTSE-Bankenindex sackte um 4,7 Prozent ab. Gleichzeitig stieg die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen mit bis zu 2,9 Prozent auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Am Markt sei man skeptisch, ob dem Finanzexperten Carlo Cottarelli überhaupt die Bildung einer Regierung gelingt, schrieb Analyst Azzurra Guelfi von der Citigroup.

Zweijährige italienische Staatsanleihen rentierten zeitweise um einen ganzen Prozentpunkt höher als am Vortag. Das ist eine für den Anleihemarkt sehr starke Bewegung, die in ihrer Intensität an den Höhepunkt der schweren Eurokrise 2011/2012 erinnert. Zuletzt beruhigte sich die Lage jedoch wieder etwas, was auch an Stützungskäufen der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen könnte. Nach wie vor kauft die EZB im Rahmen ihrer geldpolitischen Lockerung Staatsanleihen aus der Eurozone.

Sorgen vor einer weiteren Spaltung Europas belasteten auch die Anleihen anderer Länder. Portugiesische Bonds mit zehnjähriger Laufzeit rentierten mit bis zu 2,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Herbst 2017. In Spanien erhöhten sich die Renditen ebenfalls, wenngleich weniger stark als in Italien und Portugal. Auch der Euro geriet unter Druck, er fiel unter die Marke von 1,16 Dollar.

Nach der gescheiterten Regierungsbildung droht in Italien ein institutioneller Zweikampf zwischen den beiden populistischen Kräften Fünf Sterne und Lega einerseits sowie Staatspräsident Sergio Mattarella andererseits. Die Fünf Sterne streben ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten an, weil er aus ihrer Sicht mit der Weigerung, den Euro- und Deutschland-Kritiker Paolo Savona zum Finanzminister zu ernennen, gegen die Verfassung verstoßen habe. Außerdem haben die Populisten zu einer Großdemonstration aufgerufen.

Die italienische Notenbank warnte vor einem Vertrauensverlust. "Wir dürfen niemals vergessen, dass wir immer nur ein paar Schritte von dem sehr ernsten Risiko eines Verlusts des unersetzbaren Guts von Vertrauen entfernt sind", sagte Ignazio Visco, Gouverneur der italienischen Notenbank, am Dienstag in Rom. Eine Finanzkrise müsse vermieden werden. Visco bestimmt auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Geldpolitik mit.

ssu/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 15 Beiträge
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KLauslose 29.05.2018
1. Deutsche Bank
Bankenexperte Hans-Peter Burghof: Deutsche Bank - ich mache mir Sorgen! https://aktien-boersen.blogspot.de/2018/05/bankenexperte-hans-peter-burghof.html
duke_van_hudde 29.05.2018
2. Wer als normal Bürger/Investor
würde Italien für 2,9 % Geld leihen. Der Preis der Anleihen wurde dankder EZB massiv nach oben manipuliert und damit die Zinse nnach unten. Nur das hilft halt nicht wenn grössere Gruppen von anlegern klar erkennen das es eine klare Chance gibt das Italien aus dem Euro austritt und das dann die auf Euro lautenden Anleihen in welche auf neue Lira lautende umgestellt werden sollte jeden klar sein. Selbst wer die Chance das das passiert nur eine höhe von 20 % gibt, dem sollte klar sein das dann 2,9 % nicht gerade viel ist im vergleich zu anderen Anleihen. Eine Abwertung von 30 % ist zu erwarten und im ersten Schritt bevor sich wieder alles beruhigt würde ich sogar mit 40 % rechnen. Dazu kann es kommen das es zu einen Schuldenschnitt kommt. Das Hauptproblem leibt aber das Italien diese Abwertung braucht in Höhe von 30 % und Lohnsenkungen in der Höhe im Euro in Italien unmöglich sind. Das geht nur über eine abwertung dereigenen Währung. Den die Alternative das deutshcland die Löhne massiv erhöht wird auf keinen Fall passieren.
mirage122 29.05.2018
3. Null Problemo!
Die Steuerzahler sind doch schon geübt in Banken-Rettungen. Nachdem wir die Commerzbank so freundlich am Leben erhalten haben, macht uns der Absturz der Deutschen Bank doch rein gar nichts mehr aus. Und die Commerzbank hängt doch auch schon wieder am seidenen Faden! So what?
Nonvaio01 29.05.2018
4. ich erninnere mich noch
an die 80er, da war die deutsche bank aktie mal ueber 100DM wert. Naja, solange abfindungen gezahlt werden und das alles eh nur penuts sind ist alles bestens.
Sixpack, Joe 29.05.2018
5. Ist ja nicht das erste Mal!
Aber es zeigt das Vertrauen der Finanzwirtschaft und Anlieger in dieser maroden Bank. Die Bank existiert nur noch wegen der 7 Millionen Postbankkunden, wovon viele wahrscheinlich nicht mal wissen das die Deutsche Bank der Eigentümer ist.
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