Chinesischer Investor HNA Gerüchte über Ausstieg des Großaktionärs drücken Deutsche-Bank-Aktie

Der Deutsche-Bank-Großaktionär HNA ist hoch verschuldet. Die Chinesen ziehen sich aus mehreren Beteiligungen zurück. Einem Zeitungsbericht zufolge wollen sie auch den Anteil an der Bank reduzieren.

Deutsche Bank in Frankfurt
REUTERS

Deutsche Bank in Frankfurt


Die Aktie der Deutschen Bank ist nach Spekulationen über einen Ausstieg des chinesischen Großaktionärs HNA vorübergehend unter Druck geraten. Das chinesische Konglomerat will sich einem Bericht des "Wall Street Journals" zurückziehen. Die Zeitung beruft sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Sprecher des Instituts und von HNA wollten den Bericht nicht kommentieren.

In Finanzkreisen wurde die Meldung heruntergespielt: "Dafür gibt es überhaupt keine Indikation", sagte eine mit den Hintergründen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Völlig auszuschließen sei es jedoch nicht, dass HNA auf Druck der Regierung in Peking handele. An der Börse gab die Aktie der Deutschen Bank im frühen Handel etwa ein Prozent nach, erholte sich dann aber wieder.

HNA hielt zuletzt 7,6 Prozent am größten heimischen Geldhaus. Damit ist der Mischkonzern der größte Aktionär der Bank vor dem Emirat Katar und dem US-Vermögensverwalter Blackrock. Mit C-Quadrat-Gründer Gerd Alexander Schütz sitzt auch ein Vertreter der Chinesen im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns.

Schrittweiser Rückzug

Ein Ausstieg der Chinesen würde für weitere Unruhe bei dem Geldhaus sorgen, das nach drei Verlustjahren in Folge unter dem seit diesem April amtierenden Chef Christian Sewing den Umbau beschleunigen will.

Das chinesische Konglomerat hatte sich in den zurückliegenden Jahren für viele Milliarden verschuldet und bei etlichen westlichen Firmen eingekauft, darunter Fluglinien und Hotelketten. Inzwischen zieht sich HNA aus einigen dieser Investments wieder zurück - nicht zuletzt auf Druck der Geldgeber und des chinesischen Staats. Peking fordere, HNA solle sich auf das Flugliniengeschäft konzentrieren, hieß es in Medienberichten.

Ein Ausstieg bei der Deutschen Bank käme insofern nicht völlig überraschend, nachdem HNA bereits seit Jahresbeginn den Anteil an dem Institut schrittweise abgebaut hatte. Nach Darstellung des "Wall Street Journals" will HNA den Anteil an der Deutschen Bank innerhalb der kommenden 18 Monate weiter schrittweise zurückfahren. Die Schweizer Großbank UBS, die für HNA den Anteil an der Deutschen Bank verwaltet, wollte sich nicht äußern.

Undurchsichtige Eigentümerstruktur

HNA wurde 1993 gegründet. Aushängeschild des hoch verschuldeten Konzerns ist die Fluglinie Hainan Airlines, die viertgrößte Fluggesellschaft Chinas. Nach dem Unfalltod von Gründer Wang Jian vor einigen Wochen hatte es geheißen, HNA werde die mit den Gläubigern vereinbarten Verkäufe von Geschäftsteilen in den kommenden Monaten fortsetzen.

Das Konglomerat hat in diesem Jahr den Verkauf von Firmenbeteiligungen, Immobilien und anderen Vermögenswerten für mehr als 16 Milliarden Dollar vereinbart, errechnete Reuters. HNA wollte sich nicht zur Höhe der Verschuldung äußern. Die Mehrheit an dem Konzern, der wegen seiner undurchsichtigen Eigentümerstruktur wiederholt für Kritik sorgte, besitzen eine in New York ansässige Stiftung und eine in China beheimatete Stiftung, die zusammen 52 Prozent halten.

brt/dpa/Reuters

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