Verschmelzung mit Postbank Aktienkurs der Deutschen Bank bricht ein

Die Umbaupläne der Deutschen Bank kommen an der Börse nicht gut an: Der Kurs stürzte um mehr als sechs Prozent ab. Auch für die Mitarbeiter gibt es schlechte Nachrichten: Der Vorstand verkündet einen verschärften Jobabbau in Deutschland.

Deutsche Bank in Frankfurt
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Deutsche Bank in Frankfurt


John Cryan hat angekündigt, die Deutsche Bank Chart zeigen erneut umbauen zu wollen. Die wohl bemerkenswerteste Kehrtwende betrifft die Postbank Chart zeigen: Sie soll nun doch nicht verkauft, sondern mit dem Privatkunden-Geschäft der Deutschen Bank verschmolzen werden.

Ein weiterer wichtiger Baustein von Cryans Strategie: Die Bank plant eine Kapitalerhöhung. Die meisten Anleger reagieren darauf aber wenig begeistert. Der Aktienkurs von Deutschlands größtem Geldhaus stürzte am Montagvormittag um bis zu 6,9 Prozent ab auf ein Drei-Wochen-Tief von 17,82 Euro.

Die Deutsche Bank war damit mit Abstand größter Dax-Verlierer. Nicht einmal drei Jahre nach der letzten großen Kapitalerhöhung will sich die Bank am Markt rund acht Milliarden Euro besorgen, wie sie am Sonntag angekündigt hatte. Weitere zwei Milliarden könnte ein Börsengang der Vermögensverwaltung bringen, den das Institut nun ebenfalls offiziell bestätigte.

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Die Skandale der Deutschen Bank: Peanuts und Pannen

Nach Konzernangaben werden die 687,5 Millionen neuen Aktien in der zweiten Märzhälfte voraussichtlich zu je 11,65 Euro platziert - ein Abschlag von 40 Prozent. "Der hohe Abschlag zum aktuellen Kurs spricht Bände", sagte Aktienhändler Stefan de Schutter vom Brokerhaus Alpha. Das sei bereits "die vierte Verwässerung in wenigen Jahren. Anleger müssen jetzt erst mal überlegen, ob sie da mitziehen."

Auch für viele Mitarbeiter gibt es schlechte Nachrichten: Ihre Jobs sind in Gefahr. Cryan hat in einem Interview angekündigt, dass vor allem in Deutschland Arbeitsplätze wegfallen werden. Genaue Zahlen nannte er im Gespräch mit Bloomberg TV zwar nicht. Zunächst begännen die Verhandlungen mit allen Beteiligten. "Wir machen es auf die deutsche Art", erklärte er. "Wir wollen zu einer Übereinkunft kommen."

Eine ausführliche Analyse der Cryan-Pläne finden Sie hier: Die Deutsche Bank wird wieder deutscher - notgedrungen

Cryan will durch eine Bündelung von Verwaltung und Technik Geld sparen. Auch das Investmentbanking wird neu aufgestellt. Zudem soll ein Minderheitsanteil an der Vermögensverwaltungstochter Deutsche Asset Management an die Börse gebracht werden.

Die Deutsche Bank steckt bereits mitten in einem Umbau, bei dem bis 2018 weltweit unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze im eigenen Haus wegfallen werden, davon 4000 in Deutschland. Das Filialnetz schrumpft. "Wir haben noch etwas zu tun bei der Restrukturierung in Deutschland", sagte Cryan. Es gebe aber "gute Perspektiven" im hiesigen Markt. Zuletzt hatte die Bank weltweit 99.700 Mitarbeiter, davon 44.600 in Deutschland. Die Postbank allein kam auf 18.100 Beschäftigte.

beb/dpa



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franz.v.trotta 06.03.2017
1.
Wir erleben die Spätfolgen der Ackermann'schen Geschäftsführung. Viele Angestellte verlieren ihren Job. Und viele Kunden der Postbank dürften jetzt die Flucht ergreifen. - Joe aber, der seinen Geburtstag im Kanzleramt feiern durfte, lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. Ihm geht's gut.
ecdora 06.03.2017
2. Die unseriöse Geschäftspolitik der letzten Jahre
fordert ihren Tribut. Ich habe rechtzeitig das sinkende Postbankschiff verlassen und beteilige mich nicht mehr an der Sanierung.
nico.v 06.03.2017
3. LoL
Nachdem uns die deutsche Finanzwelt einem Trommelfeuer ausgesetzt hat, indem sie uns erklären wollte wie Südländische, insbesondere ital. Banken schlecht dastehen würden, und auf die “grundsoliden“ deutschen Banken gepocht hat, kracht die Illusion zusammen wie ein Kartenhaus. Eine Bank die 8 mlrd. Kapitalerhöhubg braucht ist alles andere als “grundsolide“. Bin mal gespannt wann dem deutschen Rentner klar wird wie “grundsolide“ erstmal die Volksbanken und Kreissparkassen sind.
Knackeule 06.03.2017
4. Not-Maßnahmen
Das sind Not-Maßnahmen, die der unglückliche Deutsche-Bank-Chef Cryan da verkündet. Die Bank braucht - zum wiederholten Male in kurzer Zeit - dringend frisches Geld, um das von den Ackermännern, Fitschens und Jains angerichtete Desaster zu überleben. Es sind immer noch tausende von Prozessen gegen die Bank anhängig, von denen niemand sagen kann, zu welchen Belastungen sie für die Bank wirklich führen werden. Und die bisherigen Restrukturierungs-Maßnahmen von Cryan waren wohl ein Schlag ins Wasser. Bestes Beispiel dafür ist das unsägliche Rumgeeiere mit der Postbank. Die wurde von den früheren Desaster-Managern erst für teueres Geld gekauft, sollte dann in die Deutsche Bank integriert werden, wurde dann aber doch als eigenständige Einheit geführt, sollte dann von Cryan notgedrungen verkauft werden, was nicht geklappt hat und soll jetzt also im zweiten Versuch irgendwie in das marode Privatkunden-Geschäft der Deutschen Bank integriert werden. Überlegte Strategie und gutes Management sieht irgendwie anders aus. Gute Nacht, Deutsche Bank !
Kanalysiert 06.03.2017
5.
Was man sät, das erntet man. Hausgemacht. Widerliche Unternehmensführung gegen die normalen Kunden, statt Dienstleister zu sein.
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