Radikaler Antrag zur Hauptversammlung Aktionär will Deutsche Bank aufspalten lassen

Ein Aktionär der krisengeplagten Deutsche Bank will einen radikalen Plan durchsetzen: Das Geldhaus soll weite Teile seines Geschäfts abspalten. Die Konzernführung dürfte wenig begeistert sein.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt
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Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

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Dass die nächste Hauptversammlung der Deutschen Bank turbulent wird, ist angesichts schlechter Geschäftszahlen und des erneuten Chefwechsels absehbar. Womöglich aber wird das Treffen am 24. Mai in der Frankfurter Festhalle sogar historisch: nämlich dann, wenn sich der Aktionär Riebeck-Brauerei mit einem Ergänzungsantrag für die Tagesordnung durchsetzt - und die Anteilseigner über den radikalen Umbau des wichtigsten deutschen Geldhauses abstimmen können.

Die Riebeck-Brauerei von 1862 aus Köln hält nach eigenen Angaben 200.000 Aktien der Deutschen Bank. Bekannter indes ist der Mann, der als Allein-Vorstand hinter der Brauerei und dem Antrag steht: Karl-Walter Freitag, der an vielen Firmen beteiligt ist und der Deutschen Bank seit Jahren das Leben schwer macht. Für Kritiker ist Freitag ein Quälgeist, für andere leuchtendes Vorbild als Berufsaktionär, der seine Rechte wahrnimmt - notfalls auch durch robustes Auftreten.

In seinem 55-seitigen Antrag, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, fordert Freitag die leidgeprüften Aktionäre zur Revolution auf. Sie sollen Abspaltung und Verkauf des defizitären Investmentbankings in den USA, der Fondstochter DWS sowie des margenarmen Privat- und Firmenkundengeschäfts mit Mittelständlern (PBC) beschließen - also drei wesentliche Geschäftsparten des Konzerns.

Käufer seien vorrangig im Ausland zu suchen. Eine Fusion mit der Commerzbank - die die Deutsche Bank schon einmal angedacht hatte - werde wegen der schieren Größe des neuen Instituts wahrscheinlich an Einwänden der Finanzaufsicht scheitern. Zudem sei ein Verkauf günstiger für die Aktionäre als die möglichen, aber aufwändig zu hebenden Synergien eines Zusammenschlusses.

Wachstumsmöglichkeiten vor allem in Nahost und Asien

Übrig blieben nur noch die Investmentbanking-Sparte CIB in Deutschland, Europa und Asien, der Zahlungsverkehrsbereich GTB sowie das Geschäft mit reichen Privatanlegern (Wealth Management), ebenfalls fokussiert auf Europa und Asien. Diese drei Sparten sollen den Kern der neuen Deutschen Bank bilden und möglichst mit einer anderen auf Europa und Asien fokussierten Wealth-Management-Bank fusionieren. Freitag liefert auch gleich einen Vorschlag für einen Fusionspartner mit: Julius Bär, drittgrößte Bank der Schweiz nach UBS und Crédit Suisse.

Wachstumsmöglichkeiten hätte das derart runderneuerte Geldhaus außer in Europa vor allem in Nahost und Asien. Dort hätten Ruf und Marktposition der Deutschen Bank noch nicht so stark gelitten wie in den USA. Überschrieben ist die Strategie denn auch folgerichtig mit "Eurasia IB/Wealth Management Restrukturierung".

Der Antrag ist radikal. Doch auch wenn die mächtigen Großaktionäre der Deutschen Bank wenig Gefallen an ihm finden dürften, könnte er auf der Hauptversammlung zumindest das Interesse vieler kleinerer Anleger wecken. Schließlich müssen die Aktionäre der Deutschen Bank seit Jahren miterleben, wie ihr Investment immer stärker an Wert verliert, weil die Strategie des Konzerns keine Erfolge zeigt. Aktuell notiert die Aktie mit rund 11,60 Euro in der Nähe ihres historischen Tiefstands vom September 2016. Damals war eine Deutsche-Bank-Aktie gerade mal noch 9,90 Euro wert. In den relevanten Kapitalmarkt-Ranglisten firmiert die Deutsche Bank allenfalls noch im Mittelfeld. Zudem belasten die immer noch hohen Kosten regelmäßig das Ergebnis.

Zu allem Überfluss wurde jetzt auch noch bekannt, dass die Europäische Zentralbank den Konzern aufgefordert hat, die Abwicklung seines gewaltigen Wertpapierhandelsgeschäfts durchzurechnen. Das gibt jenen Kritikern Rückenwind, die seit Jahren fordern, dass der Konzern dieses kapitalintensive und riskante Geschäft auf einen profitablen Kern zurückschneidet. So hat der in der Szene äußerst angesehene britische Analyst Stuart Graham von Autonomous Research ausgerechnet, dass die Abwicklung oder der Verkauf des Handelsbereichs zwar rund 26 Milliarden Euro kosten würde, aber durchaus verkraftbar wäre. Auch der Verkauf der gesamten Investmentbanking-Sparte CIB (ohne Zahlungsverkehrsbereich GTB) etwa an einen chinesischen Investor seien machbar.

"Die landläufige Definition von Wahnsinn"

Auch personell gibt der Konzern ein desaströses Bild ab. Erst vergangene Woche hatte Christian Sewing, bisher Vorstand für das Privat- und Firmenkundengeschäft PBC, den Briten John Cryan als Vorstandschef abgelöst. Sewing ist damit der fünfte Vorstandsvorsitzende binnen sechs Jahren. Neben Cryan wird auch Investmentbankchef Marcus Schenck das Unternehmen verlassen.

Die größte Schuld an dem Niedergang geben viele Aktionäre dem Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner, dessen Abwahl Aktionär Freitag ebenfalls beantragt. "Der Strategiewechsel, den wir vorschlagen, entspricht in weiten Teilen dem, was der Vorstand selbst schon geprüft hat oder prüft; er ist nur wegen der Strategieschwäche und der rückwärtsgewandten Hoffnung des Aufsichtsratsvorsitzenden auf eine Wiederauferstehung des globalen Investmentbanking nie mit der Konsequenz angegangen worden", begründet Freitag seinen Vorstoß. Unter dem Österreicher Achleitner habe die Bank mehrfach binnen weniger Jahre die Strategie und das Personal gewechselt, ohne jeden erkennbaren Erfolg.

"Er scheint die einzige Person weltweit zu sein, die es für betriebswirtschaftlich sinnvoll hält, ein US-Investmentbanking aufrechtzuerhalten, in dem nach Analystenschätzungen jeder eingenommene Euro 1,25 Euro kostet," so Freitag weiter. "Das ist die landläufige Definition von Wahnsinn: Immer wieder dasselbe zu versuchen und unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten."

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
giostamm11 17.04.2018
1. Julius Bär
ist natürlich nicht die drittgrösste Bank der Schweiz. Die drittgrösste heisst Reiffeisen
giostamm11 17.04.2018
2. Natürlich wird sie aufgespalten
wer einen Chefwechsel in einer Nacht und Nebelaktion durchführen muss, von der EZB das Abwickeln durchrechnen muss, nach Marktwert hinter Platz 56 zurückgeworfen wurde, im Stresstest in der absolut schlechtesten Kategorie abschloss hat wenig Daseinsberechtigung in alter Manier. Eine Fusion mit der noch unbedeutenderen verstaatlichten Commerzbank macht eh keinen Sinn. Das wärs dann liebe Nachbarn. Das ist das Ende Deutscher Grossbanken. Erstaunlich dass die 4. grösste Wirtschaftsmacht es fertig bringt keine einzige erfolgreiche Weltbank zu haben. Daher bitte keine Finanzlektionen mehr aus der Finanzentwicklungsrepublik. Keiner machts schlechter
merlin 2 17.04.2018
3. Wo er Recht hat, hat er Recht.
"Er (Edit: Hr. Achleitner) scheint die einzige Person weltweit zu sein, die es für betriebswirtschaftlich sinnvoll hält, ein US-Investmentbanking aufrechtzuerhalten, in dem nach Analystenschätzungen jeder eingenommene Euro 1,25 Euro kostet," so Freitag weiter. "Das ist die landläufige Definition von Wahnsinn:..." Ja, genau so würde ich es auch sehen!
raimund_heid 17.04.2018
4. Julius Bär ist die drittgröße Schweizer Bank ...
wenn man das verwaltete Vermögen als Maßstab nimmt. Darum ging es ja in der betreffenden Passage. Die Raiffeisen-Banken der Schweiz spielen diesbezüglich in einer niedrigeren Liga.
carinanavis 17.04.2018
5. hier giftet wieder der itaolschweizer
Zitat von giostamm11wer einen Chefwechsel in einer Nacht und Nebelaktion durchführen muss, von der EZB das Abwickeln durchrechnen muss, nach Marktwert hinter Platz 56 zurückgeworfen wurde, im Stresstest in der absolut schlechtesten Kategorie abschloss hat wenig Daseinsberechtigung in alter Manier. Eine Fusion mit der noch unbedeutenderen verstaatlichten Commerzbank macht eh keinen Sinn. Das wärs dann liebe Nachbarn. Das ist das Ende Deutscher Grossbanken. Erstaunlich dass die 4. grösste Wirtschaftsmacht es fertig bringt keine einzige erfolgreiche Weltbank zu haben. Daher bitte keine Finanzlektionen mehr aus der Finanzentwicklungsrepublik. Keiner machts schlechter
ohne jedes Wissen aus purem Deutschlandhass. Die Probleme der DBank wurden einzig und allein von Josef Ackermann geschaffen, nachweislich einem der schlechtesten Bankmanager, den die Welt je gesehen hat. Und natürlich Schweizer. Alles was Sie sonst anführen ist kompletter Blödsinn. Die "Weltbanken" der Schweiz haben ihre Gewinne nur durch jahrzehntelange kriminelle Machenschaften einfahren können, wie der von der Schweiz als Geschäftsmodell staatlich geförderter Steuerhinterziehung im EURO-Billionenbereich. Nur haben die deutsche Steuerbehörden diesen weltweiten Betrug zum Glück aufgedeckt, genauso wie die USA, die das Bankgeheimnis de facto abgeschafft haben. Von der profitablen Weltkriegszeit wollen wir gar nicht reden. Nun versucht man es mit anderem Wirtschaftsbetrug, wie den Zollfreilagern, doch all das wird nicht weiterhelfen. Die Nation Schweiz ist auf Kriminalität und Lügen gebaut und die haben bekanntlich kurze Beine. Langsam geht auch der Schweizer Franken in die Knie und wird das realistische Verhältnis von 1 Euro = 2 Franken binnen der nächsten Jahre erreichen. Dann ist es aus mit der Schweizer Selbherrlichkeit und Arroganz.
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