Ärger auf der Hauptversammlung Aktionäre meutern gegen Boni-Pläne der Deutschen Bank

Zu viele Skandale, zu niedrige Gewinne, zu hohe Gehälter: Bei ihren Aktionären haben die Chefs der Deutschen Bank einen schweren Stand. Besonders wütend macht viele Anteilseigner der Plan von Jain und Fitschen, die Boni-Grenzen zu verdoppeln.

Manager-Riege der Deutschen Bank: Wütende Anleger
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Manager-Riege der Deutschen Bank: Wütende Anleger

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Anshu Jain gibt sich wirklich Mühe: Tapfer kämpft sich der gebürtige Inder auf deutsch durch seinen sechsseitigen Redetext und wirbt für eine "historische Neuaufstellung" der Deutschen Bank. Immer wieder legt er Kunstpausen ein, hebt den Kopf erwartungsvoll in Richtung Publikum. Doch es hilft alles nichts. Erst kurz vor Schluss ringen sich einige der versammelten Aktionäre ein zaghaftes Klatschen ab. Begeisterungsstürme sehen anders aus.

Die Zurückhaltung hat einen Grund: Viele Eigentümer sind unzufrieden mit der Bank - vor allem mit dem Führungsduo aus Jain und Jürgen Fitschen. Die beiden Kochefs waren vor zwei Jahren mit dem Versprechen angetreten, dem größten Geldhaus des Landes einen Kulturwandel zu verpassen. Mit den Exzessen der Vergangenheit wollten sie aufräumen.

Doch das ist offenbar schwieriger als gedacht. Ob es um Umsatzsteuerbetrug geht oder um Manipulationen im Zins- und im Devisengeschäft - irgendwie ist die Deutsche Bank in fast jeden Skandal verwickelt. Die hohen Kosten für die Altlasten fressen einen Großteil des jährlichen Gewinns auf.

Entsprechend geladen wirken viele Aktionäre, die am Donnerstag zur Hauptversammlung in die Frankfurter Festhalle gekommen sind. Der Konzern sei heute "eine gigantische Rechtsabteilung mit angeschlossenem Bankgeschäft", ätzt Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW. Ein Vergleich, der angesichts der Zahlen nur geringfügig übertrieben scheint: Nach eigenen Angaben ist die Deutsche Bank in rund 1000 Rechtsstreitigkeiten mit einem Streitwert ab 100.000 Euro verwickelt. Allein 350 Millionen Euro hat das Institut im vergangenen Jahr für die Rechtsberatung ausgegeben.

"Lassen Sie sie ziehen, Herr Jain"

In einer solchen Situation ist es besonders heikel, die Aktionäre um eine Anhebung der Boni-Grenzen zu bitten. Seit 2014 dürfen Banken in der EU ihren Mitarbeitern keine Zuschläge mehr zahlen, die über das Fixgehalt hinausgehen. Nur mit Zustimmung der Hauptversammlung sind doppelt so hohe Boni-Grenzen erlaubt. Genau das schlägt die Bank ihren Eigentümern vor. Zusätzlich will sie auch die Festgehälter der Vorstände und sonstigen Topverdiener erhöhen, um deren Gesamtvergütung so hoch zu halten wie bisher. Dies sei nötig, um im Wettbewerb um die besten Talente mithalten zu können, argumentiert die Bank.

Bei vielen Aktionsvertretern kommen die Pläne schlecht an. Man habe "kein Verständnis" für die Anhebung der Vergütung, sagt auch DSW-Mann Nieding. Wenn es Mitarbeiter gebe, die "den Hals immer noch nicht voll bekommen", sollten diese die Bank eben verlassen. "Lassen Sie sie ziehen, Herr Jain", ruft Nieding unter dem Applaus und Gejohle der mehreren Tausend Aktionäre.

In der Tat gibt die Deutsche Bank jedes Jahr einen großen Teil ihres Geldes für die Bezahlung ihrer Topverdiener aus. 4,5 Milliarden Euro waren es im vergangenen Jahr alleine im Investmentbanking. Der Gewinn der Bank lag bei gerade einmal 681 Millionen Euro.

"Vollkommen überzogen" sei das, sagt Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Noch deutlicher wird Hans-Martin Buhlmann von der Aktionärsvereinigung VIP: "Müssen Sie wirklich so viel Geld bezahlen, damit die Menschen, die uns schädigen, bei uns bleiben?" fragt er.

Die Antwort der Bank dürfte ihn kaum beruhigen. Man werde die Mitarbeiter "so bezahlen, wie es im Markt notwendig ist, um sie an uns zu binden", sagt Kochef Fitschen. Manchmal müsse man aber auch Leute ziehen lassen.

"Wir wollen eine anständige Bank sein"

Um die formelle Zustimmung für ihre Pläne müssen sich die Bankchefs keine Sorgen machen. Sie haben sich bereits im Vorfeld der Versammlung den Rückhalt der großen Anteilseigner gesichert. Die versammelten Kleinaktionäre und deren Vertreter können da nichts mehr ausrichten.

Dennoch versucht Fitschen ihnen zu vermitteln, wie ernst es die Bankführung mit dem Kulturwandel meine. "Wir wollen nicht nur als anständige Bank wahrgenommen werden, sondern wir wollen auch eine anständige Bank sein." Wenigstens dafür gibt es ein wenig Applaus.

In einer Organisation mit fast 100.000 Mitarbeitern könne man nie ausschließen, dass Einzelne sich fehlerhaft verhielten, sagt Fitschen. Man werde solches Verhalten künftig aber erschweren und im Ernstfall entschlossen reagieren.

Ob das auch den Vorstand betrifft, sagt Fitschen nicht. Die Anteilseigner aber beschäftigt die Frage, wer denn nun für die ganzen Fehler der Vergangenheit verantwortlich sei. Waren es wirklich immer nur einzelne Mitarbeiter, wie die Bank stets behauptet?

Aktionärsvertreter Buhlmann hat bei dieser Frage vor allem Anshu Jain ins Visier genommen, der in der Bank jahrelang für das Kapitalmarktgeschäft verantwortlich war: "Wenn in der Investmentbank so viel passiert und Sie haben es wirklich nicht gewusst: Warum haben Sie dann Vorstandsbezüge für die Investmentbank bezogen?", fragt er in Richtung Jains. "Irgendwo muss Verantwortung doch mal aufschlagen." Eine Antwort auf diese Frage wird es nicht geben.



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Seite 1
genugistgenug 22.05.2014
1. Entlarvt!
---Zitat--- Aktionärsvertreter Buhlmann hat bei dieser Frage vor allem Anshu Jain ins Visier genommen, der in der Bank jahrelang für das Kapitalmarktgeschäft verantwortlich war: "Wenn in der Investmentbank so viel passiert und Sie haben es wirklich nicht gewusst: ...... ---Zitatende--- Gute Frage - entlarvende Antwort! PS. vermutlich nur damit die Vorstandsbezüge einen Platz finden und nicht herrenlos durch die Bank geistern ;-)
e33h372 22.05.2014
2. was für ein verkommenes geldhaus
nicht ein einziger skandal der letzten jahre in der die DB nicht beteiligt war oder gar federführend gewesen ist.wie bei allen solchen fällen einfach weg von den DB gangstern.die postbank wird bald den gleichen status bekommen.abzocke um jeden preis.jämmerliche und dämliche bankster
rentner2012 22.05.2014
3. die größten Bankräuber
sitzen immer in der Bank ganz oben
spon-facebook-10000790846 22.05.2014
4. Anleger sind schon komische Menschen
sie sollten froh sein noch Geld zu haben was sie anlegen können. Für viele Mittbürger in unserem Land reicht das geld nicht einmal zum Leben. Als die Banken auf Kosten der Steuerzahler sanniert wurden, haben diese Menschen nicht gemeutert, weil die Bonzen alle um Ihr zum Teil ehrlich verdientes Geld gezittet haben. Die Politiker, Bonzen von Brüssel , IMF und sogenannten Euro-Retter haben die Bürger in Armut gestürtzt, damit ihr angelegtes Geld nicht weniger wird, und ich muß sagen, schapo, es ist ihnen gelungen. Und das Wort Versprechen in Politik und bei den Bänkern, bedeutet das sie sich versprochen haben. Wir müßen ein Fonds ins leben rufen, damit die Anleger = Aktionäre gratis Taschtücher bekommen können.
cmann 22.05.2014
5. wer legt diesen Geiern endlich das Handwerk?
Zitat von sysopREUTERSZu viele Skandale, zu niedrige Gewinne, zu hohe Gehälter: Bei ihren Aktionären haben die Chefs der Deutschen Bank einen schweren Stand. Besonders wütend macht viele Anteilseigner der Plan von Jain und Fitschen, die Bonigrenzen zu verdoppeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-aktionaere-meutern-auf-der-hauptversammlung-a-971124.html
Die Politik kann es offensichtlich nicht und die Aktionäre die sich wirklich wehren sind "Kleinaktionäre"! Trotz Strafen in Milliardenhöhe die insbesondere Herr Jain mit seinem Finanzgebahren in London zu verantworten hat haben beide nichts dazu gelernt und versuchen in ihrer Gier so weiter zu machen wie bisher. Wenn es ein Negativbeispiel für Top Manager gibt, dann diese beiden Figuren. in dieser Situation fühlt man sich als "Otto Normalverbraucher" ziemlich hilflos und weiß mit seiner Empörung eigentlich gar nicht wohin. Da waren ja Breuer, Ackermann und Kopper, weil offensichtlich nicht so "verschlagen" ja regelrechte Charmebolzen!
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