Deutsche Bank Aktionärsberater fordert Diskussion über Achleitner-Ablösung

Zwei Tage vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank macht der einflussreiche Aktionärsberater Hermes Druck auf Aufsichtsratschef Paul Achleitner - und fordert eine Diskussion über dessen Nachfolge.

Paul Achleitner
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Paul Achleitner


Der einflussreiche Aktionärsberater Hermes EOS hat den Aufsichtsrat der Deutschen Bank aufgefordert, über einen neuen Chef für das Aufsichtsgremium nachzudenken. "Der Nominierungsausschuss sollte auch Pläne für die Nachfolge von Paul Achleitner in Betracht ziehen", schreibt Hermes-Chef Hans-Christoph Hirt in einem Blog-Eintrag.

Achleitner sei mitverantwortlich dafür, dass das größte deutsche Geldhaus bislang nicht wieder auf Kurs gekommen sei, schreibt Hirt. Mit Achleitner an der Spitze des Aufsichtsrats war es zu zahlreichen Wechseln im Top-Management der Deutschen Bank gekommen. Erst kürzlich musste Vorstandschef John Cryan gehen. Achleitner habe dabei nicht immer eine glückliche Hand bewiesen, schreibt Hirt. "Unseres Erachtens ist er damit letztlich verantwortlich für die begrenzten Fortschritte, die die Deutsche Bank bei der Suche nach einer wertschaffenden Strategie erreicht hat. Paul Achleitner wird zeigen müssen, dass er an der Spitze des Aufsichtsrats effektiver führt."

Achleitner ist seit sechs Jahren Chef des Kontrollgremiums der Bank und für vier weitere Jahre im Amt bestätigt. Ein anderer Aktionärsberater, ISS, hatte ihm zuletzt etwas den Rücken gestärkt. Ein Wechsel an der Spitze des Kontrollgremiums sei so kurz nach der Auswechslung des Vorstandschefs nicht sinnvoll, hatte ISS argumentiert. Die Empfehlungen der Aktionärsberater sind nicht bindend, allerdings hören viele institutionelle Investoren vor allem in den USA und Großbritannien auf sie.

Chefvolkswirt setzt große Hoffnungen auf den neuen Boss

Auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, analysierte die Gründe für den Niedergang des Instituts. Er macht den früheren Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für die heutigen Probleme verantwortlich. Er stand von 2002 bis 2012 an der Spitze der Bank und forcierte das Wachstum in der Investmentbank. "Ackermann war dabei auf das magische Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern fixiert. Dieses war damals aber nur unter Inkaufnahme großer finanzieller und ethischer Risiken zu erreichen", sagte Folkerts-Landau dem "Handelsblatt". Ackermann habe es zudem versäumt, nach der Finanzkrise die Strategie zu ändern.

"Die harte Wahrheit ist, dass fundamentale, strategische Entscheidungen des Managements und des Aufsichtsrates in der Zeit von Mitte der Neunzigerjahre bis 2012 die Bank in diese Lage gebracht haben", sagte der Ökonom, der sich erstmals öffentlich dazu äußerte.

Die damaligen Vorstandschefs hätten eine ungezügelte und unkontrollierte Expansion im Kapitalmarktgeschäft eingeleitet, unter deren Folgen die Bank bis heute leide. "Die Führung der Bank überließ seit Mitte der Neunzigerjahre die operative und strategische Kontrolle des Kapitalmarktgeschäfts den Händlern", sagte der Chefökonom.

Die Ernennung von Christian Sewing zum Vorstandschef des Instituts lobte Folkerts-Landau als einen "epochalen Wandel". "Nach 16 Jahren ist wieder ein Deutscher Chef der Deutschen Bank", sagte der Chef-Ökonom. "Er kann den Mitarbeitern, ob in Eschborn oder in New York, die Zuversicht in die Zukunft ihrer Bank zurückgeben - und das tut er bereits." Sewing steht seit Anfang April an der Spitze der Bank.

mmq/Reuters



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