Frankfurt am Main - Von linken Politikern oder der Occupy-Bewegung ist man die Forderung ja gewohnt: Macht das Investmentbanking dicht! Doch nun kommt der Satz von einem anerkannten Bankenanalysten, der dabei weniger das Wohl der Gesellschaft als das der Aktionäre im Blick hat.
"Investmentbank schließen und reich werden" heißt die Studie, die Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch am Montag veröffentlicht hat. Die Expansion der Deutschen Bank
ins globale Investmentbanking habe "bei weitem nicht die Gewinne und Wertsteigerungen für die Aktionäre gebracht, die das Management versprochen hat", heißt es darin. Heins Fazit: "Es scheint einfach keine Zukunft für die Investmentbanking-Sparte zu geben."
Die Analyse ist überraschend: Das Investmentbanking galt bisher als besonders profitabler Bereich der Bank und erwirtschaftete in guten Jahren bis zu 80 Prozent des Unternehmensgewinns. Auch deshalb konnte der Inder Anshu Jain, der die Sparte bis Mai 2012 leitete, zum neuen Co-Chef der Deutschen Bank neben Jürgen Fitschen aufsteigen.
Hein hat für die Studie die Renditen der Investmenbanking-Sparten von Deutscher Bank, UBS
und Credit Suisse
im vergangenen Jahrzehnt untersucht. Bei allen dreien kam er zu einem klaren Ergebnis: Im Verhältnis zum eingesetzten Kapital verdienten die Institute im klassischen Privatkunden- und Vermögensverwaltungsgeschäft deutlich mehr als im Investmentbanking.
Ein Grund dafür: Für das Kapitalmarktgeschäft benötigen die Banken deutlich mehr Eigenkapital als für andere, weniger riskante Bereiche - ein Effekt, der sich durch die Reform der Eigenkapitalvorschriften in den kommenden Jahren noch einmal deutlich verstärken wird. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Gewinne in der Regel als Boni an die Investmentbanker ausgeschüttet wird.
Nach den Berechnungen von Fairesearch erzielte das Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank von 1998 bis 2011 eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von 11,1 Prozent pro Jahr, während die Bank im klassischen Geschäft 21,5 Prozent verdiente.
Die Deutsche Bank gibt allerdings andere Zahlen an. Grund ist die unterschiedliche Zuordnung des Eigenkapitals innerhalb des Konzerns. Analyst Hein geht davon aus, dass das Investmentbanking mehr Kapital absorbiert als die Bank offiziell ausweist.
Ein Sprecher der Bank sagte, man ordne das Eigenkapital transparent zu. Von einer Abwicklung des Investmentbankings will der Konzern ohnehin nichts wissen. "Wir stehen mit voller Überzeugung hinter dem Konzept der Universalbank, weil wir glauben, dass dies den Kunden am besten gerecht wird", sagte der Sprecher.
Analyst Hein sieht das anders. Er empfiehlt allen drei untersuchten Instituten, das Kapitalmarktgeschäft weitgehend abzuwickeln. Zumindest die UBS scheint in die Richtung gehen zu wollen. Nach Informationen des SPIEGEL plant sie einen einen radikalen Umbau, bei dem bis zu 10.000 Jobs wegfallen könnten. Große Teile des Investmentbankings sollen abgespalten und abgewickelt werden.
Auch Credit Suisse und die Deutsche Bank sparen im Investmentbanking und streichen Stellen. Allerdings planen sie dort bislang keinen größeren Rückzug aus Geschäftsbereichen.
stk/Reuters
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