Libor-Affäre Finanzwächter werfen Deutscher Bank unkooperatives Verhalten vor

Mitarbeiter der Deutschen Bank sollen zentrale Zinssätze für den globalen Finanzmarkt manipuliert haben. Nach SPIEGEL-Informationen wirft die britische Finanzaufsicht dem Institut nun mangelnde Kooperation bei der Aufarbeitung des Skandals vor.

Deutsche-Bank-Manager Jain: Umgang inakzeptabel
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Deutsche-Bank-Manager Jain: Umgang inakzeptabel


Der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, muss sich neuen Vorwürfen in der Libor-Affäre stellen. Die britische Finanzaufsicht FCA wirft der Führung der Bank unkooperatives Verhalten bei der Aufarbeitung des Skandals um manipulierte Zinssätze vor. Das berichtet der SPIEGEL. In einem Brief der FCA, der im Vorstand der Deutschen Bank erörtert wurde, heißt es, der Umgang des Instituts mit dem Thema sei inakzeptabel. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Die neue Ausgabe finden Sie hier.)

Noch im April wird ein Vergleich der Deutschen Bank mit der FCA und mehreren amerikanischen Behörden in der Libor-Affäre erwartet, er soll den Konzern 1,4 Milliarden Euro kosten. Die Bank soll bislang nur für etwa zwei Drittel des Betrages Rückstellungen gebildet haben.

Der Referenzzins Libor ist ein von Banken angegebener Durchschnittswert, zu dem die Institute sich gegenseitig Geld leihen. An dem Richtwert hängen Finanzgeschäfte von Hunderten Billionen Dollar. Händler einiger Großbanken - unter anderem der Deutschen Bank - sollen den Zinssatz jahrelang zum eigenen Vorteil manipuliert haben.

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Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation
Angesichts des harten Vorgehens der angelsächsischen Behörden wird auch in der deutschen Finanzaufsicht BaFin der Ruf nach einer strengen Sanktionierung laut. "Es kann nicht sein, dass die Manipulation wichtiger Referenzzinsen allein in Deutschland ohne Folgen bleibt", heißt es in Aufsichtskreisen. Sie fordern nun vor allem personelle Konsequenzen bis hin zum Vorstand. Jain hatte in der Zeit, in der die Manipulationen erfolgten, das Investmentbanking der Deutschen Bank geleitet.

In einem Zwischenbericht zu ihren Libor-Untersuchungen hatte die BaFin bereits 2013 schwere organisatorische Mängel in der Bank ausgemacht und, wie jetzt die FCA, die schleppende Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Die BaFin-Spitze soll jedoch gegen personelle Konsequenzen auf der höchsten Führungsebene der Bank sein. Der Abschlussbericht der BaFin wird frühestens Ende Mai erwartet. Die BaFin äußert sich dazu nicht.

Vertreter des Aufsichtsrats beklagen, es sei den Aktionären kaum zu vermitteln, dass Milliardenstrafen an die Behörden gezahlt würden, ohne dass es zu personellen Konsequenzen komme. Aufsichtsratschef Paul Achleitner soll sich jedoch auch nach dem FCA-Schreiben hinter Jain gestellt haben.

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insgesamt 7 Beiträge
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raber 18.04.2015
1. Betrügereien ohne personelle Konsequenzen
Nicht nur den Aktionären ist es nicht zu vermitteln, dass Milliardenstrafen an die Behörden gezahlt werden und keine Aufsichtsrats beklagen, es sei den Aktionären kaum zu vermitteln, dass Milliardenstrafen an die Behörden gezahlt würden, ohne dass es zu personellen Konsequenzen erfolgen. Auch das allgemeine Publikum wundert sich verärgert über diese Tatsache. Diese Konsequenzen hätten nicht schon längst seitens der Bank auf allerhöchsten Ebenen geschehen sollen, sondern auch seitens der Behörden. Allerdings sind die Banken so eng mit den Behörden und Bundestag verknüpft, dass diese betrügerischen Aktivitäten wohl noch viele Jahre überhaupt nicht vom Gesetz bestraft werden. Das ist eine echte Schweinerei. Von "neuer Kultur" ist bei dieser Bank (und den anderen) nichts zu erkennen. Ist alles nur Bla bla bla.
luenesir 18.04.2015
2.
Und wieder mal oder immer noch die Deutsche Bank. Wie so oft schon. Irgendwas ist in diesem Laden doch von Grund an faul und stinkt. Ach nee. Fisch stinkt ja bekanntlich vom Kopf an.
wibo2 18.04.2015
3. Deutsche Bank verdiente mit Libor halbe Milliarde allein im Jahr 2008 .
"Mitarbeiter der Deutschen Bank sollen zentrale Zinssätze für den globalen Finanzmarkt manipuliert haben. Nach SPIEGEL-Informationen wirft die britische Finanzaufsicht dem Institut nun mangelnde Kooperation bei der Aufarbeitung des Skandals vor." (SPON) Die Deutsche Bank sei nur deshalb bereit gewesen, solche Risiken bei Zinsgeschäften einzugehen, weil sie davon ausging, die Entwicklung der fraglichen Referenzzinsen selbst beeinflussen zu können. Das ist schlau, das muss man zugeben. Jetzt gibt es aber eine Milliardenstrafe, das ist bitter für die Bank.
Kunerich 18.04.2015
4.
"Es kann nicht sein, dass die Manipulation wichtiger Referenzzinsen allein in Deutschland ohne Folgen bleibt" Dummerweise wird aber genau dieses erwartet. Da sind einfach zu viele Aufsichtsrats-Posten für Politiker und gutbezahlte Vorträge von Politikern gefährdet. Als Bürger macht man sich nach den Gegebenheiten der letzten Jahre in dieser Beziehung nichts mehr vor...
slartibartfas42 18.04.2015
5. Banken
im Rückblick auf solche Vorgänge, sollte auch nochmal untersucht werden ob die Banken , die beim crash 2008 Steuergelder erhalten haben, über haupt gerettet werden mussten, die hatten solche summen auf ihren Offshore Konten, und taten alle so als ob sie mittellos wären, das ist genauso kriminelles handeln, vortäuschen von Armut als Bank, und sich selber nicht mal auf boni Zahlungen verzichten, wir brauchen neue Bank Gesetze!!!!
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