Hauptversammlung Deutsche Bank will Geld von Ex-Vorständen behalten

Die ehemaligen Vorstände der Deutschen Bank sind mitverantwortlich für die Skandale und Affären der vergangenen Jahre. Deshalb will das Geldhaus sie zur Kasse bitten.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner
REUTERS

Deutsche-Bank-Chef John Cryan (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner


Die Deutsche Bank will frühere Top-Manager an den Milliardenkosten ihrer Affären beteiligen. Der Aufsichtsrat setze sich "seit längerer Zeit (...) sehr detailliert und umfassend mit der Frage auseinander, ob den seinerzeit amtierenden Vorstandsmitgliedern eine persönliche oder kollektive Verantwortung für Fehler der Vergangenheit zukommt", sagte der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Paul Achleitner, laut Redetext bei der Hauptversammlung des Dax-Konzerns.

"Ich kann Ihnen heute berichten, dass sich der Aufsichtsrat hierzu mit den betroffenen Vorstandsmitgliedern in fortgeschrittenen Gesprächen befindet. Nach Erwartung des Aufsichtsrats wird es in den nächsten Monaten hierzu eine Regelung geben, die einen wesentlichen finanziellen Beitrag der Betroffenen sicherstellt", sagte Achleitner.

Bereits fest steht, dass einige Boni in Millionenhöhe nicht ausgezahlt werden. Im Geschäftsbericht für das Jahr 2015 hatte die Bank darauf hingewiesen, dass Boni-Zahlungen für etliche damals noch amtierende und ehemalige Top-Manager einbehalten werden sollen. Betroffen sind demnach elf inzwischen ausgeschiedene Vorstände, darunter die Ex-Chefs Josef Ackermann, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Die Führungsriege ist inzwischen nahezu komplett ausgetauscht worden.

Des Weiteren sieht das Institut bei der Aufarbeitung der skandalträchtigen Vergangenheit keinen Anhaltspunkt für Fehler von Achleitner. Umfangreiche interne wie externe Untersuchungen etwa zur Libor-Affäre um Zinsmanipulationen hätten ergeben, dass Achleitner seine Pflichten als Chefkontrolleur nicht verletzt habe, bekräftigte Rechtsvorstand Karl von Rohr bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt.

Einzelne Aktionäre fordern eine erneute externe Sonderprüfung zu Achleitners Rolle. Vorstand und Aufsichtsrat halten das für unnötig. Die Führung der Bank sei überzeugt, das die bisherigen Prüfungen alles ans Licht gebracht hätten, sagte von Rohr. Achleitner selbst nannte es "unerträglich, mit welcher Leichtfertigkeit in der Öffentlichkeit Dinge behauptet werden und meine persönliche Integrität in Frage gestellt wird".

hej/bam/dpa-AFX



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MatthiasPetersbach 18.05.2017
1. Tja, was soll man da sagen...
...irgendwie wirds eben auch mal Zeit, daß diese Personen mal das erfahren, was "in real life" jeder Fliesenleger erfährt - daß man haftbar ist für das, was man tut. Wahrscheinlich eine neue Erfahrung - aber man lernt nie aus.
bernteone 18.05.2017
2. Das wäre mal eine Maßnahme
Eigentlich gehören Ackermann und Anhang vor Gerichte , aber wenn es denn Saubermännern ans Geld geht trifft Sie das wahrscheinlich noch härter . Vor Gericht haben diese Herren ja auch nichts zu befürchten , siehe Ackermann und seine Schauprozesse vor deutschen Gerichten ,
wibo2 18.05.2017
3. Die Chinesischen Shareholder werden besonders streng sein und Ordnung schaffen.
"Hauptversammlung. Deutsche Bank fordert Geld von Ex-Vorständen. Die ehemaligen Vorstände der Deutschen Bank sind mitverantwortlich für die Skandale und Affären der vergangenen Jahre. Deshalb will das Geldhaus sie zur Kasse bitten. " (SPON) Für den Vorstand einer Aktiengesellschaft ist die Haftung in § 93 Abs. 2 Satz 1 Aktiengesetz (AktG) festgelegt. Demnach hat das Unternehmen Anspruch auf Ersatz desjenigen Schadens, den der Manager schuldhaft verursacht hat, indem er die ihm obliegenden Pflichten verletzt, d. h. bei seiner Geschäftsführung nicht die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes angewandt hat. Besonders folgenreich ist für den Manager die in § 93 Abs. 2 Satz 2 niedergelegte Beweislastverteilung. Entgegen den allgemeinen Beweisregeln ist es demgemäß für das Unternehmen ausreichend, darzulegen, daß eine objektive Pflichtverletzung des Vorstandes vorliegt, aus der ein Schaden entstanden ist. Im Fall der Skandale bei der Deutschen Bank dürfte eine Beweisführung nicht allzu schwer fallen. Wegen der Rücksichtslosigkeit des Vorgehens. Gewinner sind die Juristen, die können sich über viel Neugeschäft freuen. Dem gemeinen Bankkunden bleibt nur die Genugtuung, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wurde. Fehlverhalten darf sich nicht lohnen. Deshalb jetzt Manager zur Kasse! Die Chinesischen Shareholder werden besonders streng sein und Ordnung schaffen. Weil sie den ihnen zustehenden ordentlichen Shareholdervalue auch realisieren wollen. Das Deutsche Bank Management muss nun besser arbeiten bei weniger Entlohnung.
derschnaufer 18.05.2017
4.
Mit dem Victory Ackermann und seiner Agenda von 25% Rendite wurde doch diese völlig verblendete Gier erst losgetreten und brachte alles dahin wo es heute ist.
dweik01 18.05.2017
5. Gesetzesverschärgung halte ich üblicherweise
für populistischen Quatsch, vor allem wenn man die bestehenden Gesetze nicht anwendet oder Gerichte die Belangten sofort wieder freisprechen. Aber bei der Haftung von Aufsichtsräten und Vorständen besteht in der Tat eine Lücke, die dringend geschlossen werden sollte! Ein Vorstand müsste silberne Löffel klauen und dabei erwischt werden, um wirklich zu haften. Bislang sind AGs leider eher zum Selbstbedienungsladen der besser bezahlten mutiert. Da besteht Handlungsbedarf. Haftung für Fehlleistungen zumindest in Höhe aller von der Gesellschaft mittelbar erhaltenen Zuwendungen, die über ein reines angemessenes Grundgehalt hinaus gehen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.