USA Deutsche Bank besteht erste Runde im Stresstest

Die Deutsche Bank hat den ersten Teil des US-Stresstests für große Geldhäuser bestanden. Als die größere Hürde gilt aber der zweite Teil der Prüfung.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main
AFP

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main


Simuliert wurde ein extremer Wirtschaftsabschwung mit einer hohen Arbeitslosenquote: Die US-Notenbank Fed hat die Belastungsfähigkeit großer Banken überprüft und der Deutschen Bank in der ersten Runde ein gutes Abschneiden attestiert. Wie die Fed mitteilte, erfüllte die Bank mit ihrer Tochter DB USA die Vorgaben deutlich.

Das größte deutsche Geldhaus teilte mit, dass selbst in einem sehr negativen Szenario die harte Kernkapitalquote (CET1) nicht unter 12,2 Prozent fallen und damit den Mindestwert von 4,5 Prozent deutlich übertreffen würde. Auch für alle anderen Kapitalquoten seien die Mindestwerte übertroffen worden.

Die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse bestanden den US-Stresstest ebenfalls deutlich. Aus Fed-Kreisen verlautete, man sei allgemein mit dem Abschneiden der ausländischen Banken zufrieden. Diese hatten für die Vorbereitung weniger Zeit als ihre US-Konkurrenten.

Den zweiten Teil der Belastungsprobe will die Fed kommende Woche veröffentlichen. Er gilt als die größere Hürde.

Bei dem Test wurde simuliert, wie sich ein starker Einbruch der Wirtschaft mit einer Arbeitslosenquote von zehn Prozent auf die Kapitalpolster der Banken auswirken würde. Solche Simulationen werden seit der Finanzkrise 2008/09 regelmäßig von den Aufsehern in vielen Ländern durchgespielt - in Deutschland und Europa von der Europäischen Zentralbank.

Die Deutsche Bank gehört zur Gruppe von Instituten, die von den Aufsehern wegen ihrer Größe, ihrer Vernetzung innerhalb des Finanzsystems und wegen ihrer Geschäfte besonders kritisch geprüft werden. Erst kürzlich hatten Berichte für Aufsehen gesorgt, wonach eine wichtige amerikanische Aufsichtsbehörde die US-Sparte der Bank auf ihre Liste der "Problem-Banken" gesetzt habe. Vor einigen Jahren bezeichnete der Internationale Währungsfonds das Frankfurter Geldhaus sinngemäß als riskanteste Bank der Welt. Vor allem ihr Derivatebestand im sogenannten Handelsbuch gilt vielen Experten als sehr riskant.

Der seit April amtierende Vorstandschef Christian Sewing will das Institut wieder auf Kurs bringen. Er will sich künftig stärker auf Geschäfte in Deutschland und Europa konzentrieren und hat insbesondere in den USA und am Standort London zahlreiche Stellen im zuletzt schwächelnden Investmentbanking gestrichen.

mmq/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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giostamm11 22.06.2018
1. Wohlwollend geschrieben
die DeBa ist wohl DIE Skandalbank dieses Kontinents. Sie hat mehr als 70% des Marktwerts verloren. Letztes Jahr musste sie ZEITGLEICH mit der Unicredit eine Kapitalerhöhung durchführen, die allerdings Unicredit erfolgreich und frühzeitig erreichte. Im letzten europäischen Stresstest hat sie miserabel abgeschnitten in der schlechtesten Kstegorie als 2. schlechteste Bank. Es ist nett geschrieben hier. Würde man den Namen mit einer italienischen Bank austauschen, die Wortwahl wäre dramatisch anders. Aus einer Kapitalerhöhung wird dann gleich eine verzweifelter Rettungsversuch. Es vergehen keine 2 Wochen das die DeBa nicht wegen negativen Meldungen im Fokus ist. Sie wird völlig überschätzt im selbstgefälligen Deutschland so wie ihre Brisanz total unterschätzt wird
ykerniz? 22.06.2018
2. Regulator (FED) vs. Hedge-Fonds
Die Deutsche Bank hat 63 Mrd. Eigenkapital und kostet aktuell 20 Mrd. Der Kauf der Bank und das verkaufen der Geschäfte würde einem Investor folglich 43 Mrd. in die Kasse spülen, wenn der Jahresabschluss stimmt. Da die Bank seit Jahren unterhalb des Eigenkapitals bewertet wird, wissen potentielle Investoren um Probleme in der Bank. Was hat der Regulator nicht gesehen, was die Hedge-Fonds bereits kennen? Wie konnte die Bank den Stresstest bestehen?
eckawol 22.06.2018
3. Der zweite Teil der Prüfung
ist in der Tat der wichtigste. Die Ablauforganisation (Risikomanagement, Kontroll- und Berichtswesen) waren Gegenstand von Rügen seitens der Aufsicht ( war zu lesen in allg . zugänglichen Veröffentlichungen) und führte zu zahlreichen Personaleinstellungen für das "Back-Office".
kaltmamsell 29.06.2018
4. Kundensegmentierung war das Wort des Hauses
als die Deutsche Bank 2010 die Aktienmehrheit an der Deutschen Postbank übernahm: die feinen Leute zur DB, der Kundenrest zur Postbank. Ja, es gibt nicht nur Wurstfingerfehler, wenn man Zahlentasten drückt. Auch bei Buchstaben von Unternehmensverlautbarungen können die Dinge gewaltig daneben gehen. Ich sehe da zumindest schon auch einen unterschätzten Nucleolus der unheilvollen Entwicklung dieses Hauses. Mit einer solchen Attitüde zieht man hauptsächlich die Felix Krulls dieses Planeten an, in allen Kategorien. Dass man dann die Defizite der Erfolgserwartungen mit überstrapaziertem Investmentbanking in unterschiedlichsten Facetten "auffangen" wollte, hat den Status des Instituts noch mehr ramponiert.
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