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Deutsche Bank: Bezugsrechtehandel drückt Aktienkurs

Tiefes Rot an der Frankfurter Börse: Nachdem die Deutsche Bank vor einem Verlust warnen musste, fiel die Aktie am Mittwochmorgen um bis zu acht Prozent in die Tiefe. Experten haben dafür jedoch eine einfache Erklärung.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Probleme im Investmentbanking Zur Großansicht
dapd

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Probleme im Investmentbanking

Frankfurt am Main - Aktien der Deutschen Bank sind am Mittwoch nach einer Verlustwarnung vom Vortag massiv abgestürzt. Der Konzern rechnet für das dritte Quartal mit einem negativen Ergebnis. Diese Nachricht gab das größte deutsche Geldhaus bereits am Dienstag bekannt - woraufhin der Aktienkurs um rund fünf Prozent fiel. Doch auch am Mittwochmorgen ist noch keine Erholung in Sicht. Im Gegenteil: Die Papiere notierten am Vormittag zeitweise mit rund acht Prozent noch kräftiger im Minus.

Die Deutsche Bank hatte am Dienstag mitgeteilt, dass sie für den Zeitraum von Juli bis September mit einem Verlust rechnet. Hintergrund ist die geplante mehrheitliche Übernahme der Postbank. Die Ausgaben für den Zukauf dürften das Ergebnis negativ beeinflussen.

Bisher hält die Deutsche Bank Chart zeigen an der Postbank Chart zeigen 30 Prozent. Die Deutsche Post Chart zeigen besitzt noch knapp 40 Prozent, tritt diese aber in den kommenden Jahren im Rahmen mehrerer Transaktionen an die Deutsche Bank ab. Die Übernahme kommt die Frankfurter teuer zu stehen. Zum einem muss die Deutsche Bank die Bilanz der Postbank kräftig aufpolieren, um sie an den eigenen Standard heranzuführen. Zum anderen fällt auf die Anteile an der Postbank, die sie bereits hält, eine Abschreibung von rund 2,3 Milliarden Euro an. Insgesamt verschlingt die Postbank-Übernahme geschätzte acht Milliarden Euro.

Experten nennen Bezugsrecht-Handel als Grund

Der Absturz der Deutschen-Bank-Aktie ist umso bemerkenswerter, als sich der Gesamtmarkt positiv entwickelt. Der Dax Chart zeigenkletterte am Mittwochmorgen 0,3 Prozent nach oben und näherte sich damit erneut der 6300-Punkte-Marke.

Börsenexperten haben dafür jedoch eine Erklärung: Denn seit diesem Mittwoch können die Bezugsrechte für die geplante Kapitalerhöhung der Deutschen Bank gehandelt werden. Für zwei Deutsche-Bank-Aktien hatten die Anleger ein Bezugsrecht erhalten. Bis Dienstag war der Wert dieser Bezugsrechte in den Aktienkurs eingepreist. Da die Rechte nun jedoch frei gehandelt werden können, hat sich ein eigener Preis gebildet, und zwar bei rund 4,20 Euro. "Diesen Betrag müsste man eigentlich vom Aktienkurs des Vortages abziehen", erklärt ein Bankenkenner in Frankfurt. Unter dieser Maßgabe notiert die Deutsche-Bank-Aktie am Mittwoch sogar leicht im Plus.

Vor einer Woche hatte die Deutsche Bank ihre Kapitalerhöhung angekündigt. Am Montag dieser Woche präzisierte das Institut dann seine Angaben. Statt der in Aussicht gestellten 9,8 Milliarden sollen der Bank nun 10,2 Milliarden Euro zufließen. Dabei werden 308,6 Millionen neue Aktien angeboten, der Preis je Aktie wurde auf 33 Euro festgelegt. Am 6. Oktober sollen die neuen Aktien an den Börsen in Deutschland gehandelt werden. Kapitalerhöhungen haben in der Regel eine negative Wirkung auf den Aktienkurs, weil die Ausgabe neuer Anteilsscheine den Wert jedes einzelnen Papiers verwässert.

Sorge um das Investmentbanking

Experten rechnen auch bei anderen Banken mit einer Welle von Kapitalerhöhungen in den kommenden Monaten und Jahren. Grund sind die neuen Eigenkapitalregeln für Banken ("Basel III"). Diese schreiben vor, dass die Institute mehr Eigenkapital hinterlegen müssen als bisher.

Neben der Postbank-Übernahme belastet allerdings auch das schwache Geschäft im Investmentbanking das Deutsche-Bank-Ergebnis. In diesem Kernbereich der Bank ist der Gewinn im dritten Quartal deutlich gesunken. Man erwarte daher im dritten Quartal einen Verlust nach Steuern, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Mitteilung hervorgeht.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes hieß es, Anleger hätten massiv gegen die Deutsche Bank gewettet. Dies ist nicht richtig. Der Kurssturz vom Mittwoch erklärt sich durch den Bezugsrechtehandel, der an diesem Tag begonnen hat. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

wal/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
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1. na und?
unente, 22.09.2010
Wo ist das Problem für die Bank? Wie sollen sonst Einstiegskurse entstehen, wenn es nicht auch Rückschläge gibt? Irgendwann will ein Anleger auch mal "Gewinne realisieren" und das ist noch lange kein "Abstrafen" des Unternehmens.
2. Anleger strafen Deutsche Bank ab
Majikat, 22.09.2010
Mein Gott, Spiegel! Ihr seid gerade dabei, Euren guten Ruf zu ruinieren. Heute wird die Deutsche Bank Aktie ex Bezugsrechte gehandelt. Die sind rund 3,90 € wert, daraus erklärt sich der heutige "Kurssturz". Ich würde gerne wieder mehr Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Seriösität Eurer Beiträge haben. Nach den fragwürdigen Aussagen über den Flughafen Peking vor ein paar Tagen stellt das Eure Glaubwürdigkeit weiter in Frage. Schade.
3. Im Gegenteil, tatsaechlich steigt die Deutsche Bank Aktie (11:27 Uhr, 22. Sep)
tejey 22.09.2010
So weit ich weiss, wurde vom Wert der Aktie gestern der Wert der Bezugsrechte (ca. 3,30 Euro) abgezogen. Diese Bezugsrechte werden separat gehandelt (bis zum Abschluss der Kapitalerhoehung). Um den Wert der Aktie von heute mit dem von gestern zu vergleichen, muss man beide Preise addieren. Zumindest tagesschau.de kommt dann zum Ergebnis, dass die Aktie um 0,6% steigt. Schon erstaunlich, oder?
4. Kaufen
endbenutzer 22.09.2010
Zitat von sysopAn der Frankfurter Börse spekulieren die Anleger massiv gegen die Deutsche Bank: Nachdem das Institut vor einem Verlust warnen musste, fiel die Aktie am Mittwochmorgen um bis zu acht Prozent in die Tiefe. Bereits am Vortag war der Kurs abgestürzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,718857,00.html
Also wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, Aktien der Deutschen Bank zu kaufen. Der Kurs wird nämlich auch wieder steigen...
5. ex Bezugsrecht
dylan_xiv 22.09.2010
... wurde eigentlich schon erwaehnt, dass der Aktienkurs heute inkl. Bezugsrecht berechnet werden muss? Aehmmm, ja. Schnell korrigeren, lieber Spiegel. Bereinigt steht die Aktie naemlich sogar leicht im Plus ...
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Zahlen und Fakten
Die Deutsche Bank ist das größte Geldinstitut Deutschlands und beschreibt sich selbst als "eine führende globale Investmentbank" mit starkem Privatkundengeschäft. Mehr als 80.000 Mitarbeiter gehören weltweit zu dem Konzern, der in 72 Ländern tätig ist. Die Bank, an deren Spitze Josef Ackermann steht, verdiente im Jahr 2010 nach Steuern 2,3 Milliarden Euro. Der bisherige Rekord lag im Geschäftsjahr 2007, als am Ende 6,5 Milliarden Euro unterm Strich standen.
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