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Deutsche-Bank-Chef Jain: "Ich übernehme die Verantwortung"

Von , Frankfurt am Main

Deutsche-Bank-Chefs Fitschen (l.), Jain: Die Bankführung ist in die Defensive geraten Zur Großansicht
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Deutsche-Bank-Chefs Fitschen (l.), Jain: Die Bankführung ist in die Defensive geraten

Die Deutsche Bank steckt in der Defensive, mit viel Geld muss sie Fehler der Vergangenheit ausbügeln. Doch wer trägt die Verantwortung für den Schlamassel? Co-Chef Anshu Jain beantwortet die Frage ungewöhnlich klar.

Es muss ein schwerer Auftritt sein für Anshu Jain. Dutzende Fotografen haben sich vor ihm und seinem Co-Chef Jürgen Fitschen aufgebaut. Die Blitzlichter zucken aus allen Richtungen. Jain hat seine Hände tief in den Hosentaschen vergraben. Die Lippen sind zu einem schmalen Strich zusammengepresst. Immer wieder zieht ihn Fitschen näher an sich heran. Jetzt gilt es, Zusammenhalt zu demonstrieren.

So düster wie derzeit sah es bei der Deutschen Bank schon lange nicht mehr aus. Die Skandale der Vergangenheit haben das Image ruiniert - und nun sind auch noch die Zahlen miserabel. Im abgelaufenen Jahr 2013 hat die Bank gerade mal eine Milliarde Euro verdient, im letzten Quartal fiel sogar ein fast ebenso hoher Verlust an. Das ist weit weg von dem, was Jain und Fitschen sich bei ihrem Amtsantritt Mitte 2012 vorgenommen hatten. Nun sitzen die beiden Chefs auf einer Bühne in der Frankfurter Bankzentrale und erklären, warum alles trotzdem noch im Plan sei.

Die Bankführung ist arg in die Defensive geraten. Sie versucht, mit der Vergangenheit abzuschließen, und klammert sich an die Ziele, die sie sich für das Jahr 2015 gesetzt hat. Dann sollen die Skandale beigelegt sein und die Gewinne wieder sprudeln. "Die Strategie 2015+ ist auf Kurs", sagt Fitschen fast trotzig.

Tatsächlich laufen einige Dinge gar nicht so schlecht. Die Kosten etwa wurden deutlich gesenkt, die Risiken in der Bilanz abgebaut, das Eigenkapital gestärkt. All das könnten Erfolgsmeldungen sein - doch sie gehen derzeit unter in einem Strudel von Affären, die Deutschlands vielleicht wichtigstes Unternehmen seit Monaten immer wieder erschüttern.

Spätfolgen der Gewinnmaximierung

Ob windige Hypotheken-Deals in den USA, mutmaßliche Manipulationen von Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor oder illegale Tricks im Devisenhandel - jeder Skandal der Finanzbranche ist auch ein Skandal der Deutschen Bank. Sie war überall dabei, wo große Geschäfte gemacht wurden. Nun muss sie dafür zahlen. 2,5 Milliarden Euro waren es allein im vergangenen Jahr - dieses Jahr dürften weitere Milliarden folgen. "Das tut uns sehr weh", sagt Fitschen.

Hinzu kommt der ganz spezielle Streit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch. Hier droht neben einer Strafe für die Bank auch noch eine Anklage wegen Falschaussage gegen Co-Chef Fitschen - auch wenn der beteuert: "Ich habe weder gelogen noch betrogen." Was passiert, falls er trotzdem angeklagt wird, hat Fitschen bisher offengelassen.

Noch mehr als Fitschen steht aber Jain unter Druck. Fast alle Skandale kommen aus dem Investmentbanking, das der Manager jahrelang geleitet hat. Während andere Großbanken wie die britische Barclays oder die Schweizer UBS ihr Führungspersonal nach der Krise austauschten, um die Vergangenheit leichter aufarbeiten zu können, machte die Deutsche Bank ausgerechnet ihren obersten Investmentbanker zum Konzernchef - ein Schachzug, den die Bank seitdem immer wieder erklären muss.

Erklärungsbedürftige Personalie

Warum Jain glaube, dass gerade er der Richtige sei, um den versprochenen Kulturwandel einzuleiten, will ein Reporter bei der Jahrespressekonferenz wissen. "Einfach, weil ich daran glaube", antwortet Jain. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass ich geeignet bin - weder bei uns noch bei unseren Kunden." Er sei "sehr stolz darauf, die Investmentbank in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten mit aufgebaut zu haben", sagt Jain. Leider habe man aber auch Fehler gemacht, vor allem in den Jahren 2004 bis 2008: "Ich übernehme die volle Verantwortung dafür." So deutlich hat man das von Jain selten gehört.

"Der Kulturwandel fegt durch unsere Bank", sagt Jain - und er komme auch dorthin, wo er am meisten benötigt werde: in die Handelssäle in New York und London. Dort, wo Jain einst das Zepter führte und seine Leute mit immensen Bonuszahlungen zu immer neuen Gewinnrekorden trieb.

Mittlerweile habe man das Gehaltssystem radikal umgestellt, beteuert der Geläuterte. Die Top-Manager erhielten den Großteil ihrer Bezüge auf fünf Jahre gestreckt. Wenn in dieser Zeit etwas schieflaufe, könne die Bank das Geld einbehalten. Das sei ein Top-Standard, meint Jain, "auch im Vergleich zu anderen Branchen". Die Konsequenzen der unattraktiveren Bezahlung sei man bereit zu tragen. "Wenn wir dabei Leute verlieren, die nur hier sind, um ihr Geld zu maximieren, dann ist das so", sagt Jain. "Dann bin ich mehr als froh darum."

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Wie ich diese Floskel hasse
kabian 29.01.2014
"Ich übernehme die volle Verantwortung dafür." Entscheidend ist nicht formal die Verantwortung zu übernehmen sondern dafür persöhnliche Konsequenzen zu ziehen. Wird der feine Herr jetzt auf sein Gehalt verzichten?
2. Toll! Ein Mangager nimmt die volle Verantwortung
fred2013 29.01.2014
auf sich! Ein seltener Zug von diesen Herrschaften. Hat er auch gesagt, wie die Übernahme der Verantwortung aussieht? Verzichtet er auf Tantiemen oder Boni? Verzichtet er auf sein Amt? Wär doch auch mal ganz schön!
3. optional
hkm 29.01.2014
Lustig. daß Herr Jain die volle Verantwortung übernimmt. Wie macht er das? Oder ist das das übliche Gerede ohne Konsequenzen? Was ist die Verantwortung wert, wenn sie mit einem Spruch abgetan werden kann?
4.
mitchomitch 29.01.2014
Zitat von sysopREUTERSDie Deutsche Bank steckt in der Defensive, mit viel Geld muss sie Fehler der Vergangenheit ausbügeln. Doch wer trägt die Verantwortung für den Schlamassel? Co-Chef Anshu Jain beantwortet die Frage ungewöhnlich klar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-bilanz-pk-mit-jain-und-fitschen-a-946230.html
Es ist doch immer wieder ein probates Mittel, um alle Kritiker ruhig zu stellen, wenn man für irgendetwas einfach mal "die volle Verantwortung" übernimmt. Das ist leicht dahin gesagt, tut nicht weh und ernsthafte Konsequenzen muss man auch nicht fürchten, weil die Verantwortung ja lediglich "übernommen" wird, was natürlich etwas ganz Anderes ist als wirklich "verantwortlich" zu sein. Ts, ts, ts, diese Bankster...
5. Hervorragende Show !
ihawk 29.01.2014
Herr Anshu Jain hat überhaupt keine Verantwortung für das was ihm Josef Ackermann ins Nest gelegt hat. Man muss sich allerdings fragen, was bekommt Anshu Jain dafür, dass er für Josef Ackermann den Kopf hinhält ... und was bekommt er dafür, dass er nicht Ross und Reiter nennt. Wie wäre es denn mal mit der Wahrheit, Herr Anshu Jain? Nun, die Wahrheit kann Anshu Jain nicht einmal andeuten, ansonsten wäre er morgen tot ... so einfach ist das in der Welt der Hochfinanz.
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