Deutsche Bank Börsianer misstrauen Ackermanns Traumzahlen

Die Deutsche Bank verbucht ein rekordverdächtiges Quartalsergebnis - doch die Aktie schmiert ab. Zeitweise lag das Finanzpapier am Dienstagmorgen am Dax-Ende. Anleger fürchten, dass die Party bald beendet ist.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Börse verrückt
ddp

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Börse verrückt


Frankfurt am Main - Die Euphorie über einen hohen Quartalsgewinn der Deutschen Bank hat nicht lange gehalten. Die Aktien des Instituts gaben ihre frühen Kursgewinne schnell wieder ab und lagen am Vormittag zeitweise fast drei Prozent im Minus. Einige Zeitlang notierten sie gar am Dax-Ende. Generell notiert der deutsche Leitindex Chart zeigen deutlich im Minus.

Dabei kann die Deutsche Bank im ersten Quartal ein riesiges Plus vorweisen. Unter dem Strich verdiente der größte Geldkonzern der Bundesrepublik rund 1,8 Milliarden Euro - nach 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Vor Steuern belief sich der Gewinn auf 2,8 Milliarden Euro; im Vorjahr waren es noch 1,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis übertrifft die Erwartungen der Analysten deutlich. Experten hatten im Schnitt mit einem Nettogewinn von 1,38 Milliarden Euro gerechnet.

"Entscheidend für das gute Ergebnis war unser Geschäft im Investmentbanking", teilte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Zwischenbericht des Instituts mit. Die Sparte habe mit einem Vorsteuergewinn von 2,7 Milliarden Euro so viel wie noch nie in einem Quartal verdient. "Die Deutsche Bank hat deutlich Risiken abgebaut und jetzt das zweitbeste Quartalsergebnis vor Steuern in ihrer Geschichte erzielt", hieß es weiter.

Die Börse ist dennoch nicht zufrieden. An den Zahlen sei nichts auszusetzen, sagten mehrere Händler übereinstimmend. Es gebe aber Zweifel an der Nachhaltigkeit. "Nach der Party heute morgen konzentrieren sich die Anleger auf die kurzfristigen Aussichten und fragen sich, ob das Unternehmen das noch einmal schaffen kann", sagte einer. Zudem gab sich Finanzvorstand Stefan Krause zurückhaltend und wollte die Entwicklung im ersten Quartal nicht auf das Gesamtjahr übertragen. "Das ist nicht gerade der bestmögliche Ausblick, den man geben kann", betonte ein anderer Händler.

Verunsicherung über wachsende Staatsschulden

Dabei gibt sich Konzernchef Josef Ackermann für die kommenden Quartale vorsichtig optimistisch. Bis 2011 soll die Deutsche Bank nach seinen Plänen einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro erwirtschaften.

Die Weltwirtschaft habe sich im ersten Quartal 2010 stabilisiert, teilt Ackermann im Zwischenbericht mit. Die Lage bleibe allerdings angespannt. Einem kräftigen Wirtschaftswachstum in Asien stehe eine deutlich moderatere Normalisierung in den Industrieländern gegenüber. "Während sich die USA schneller als erwartet von der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise erholen, hält sich die wirtschaftliche Dynamik in Europa in Grenzen", heißt es im Bericht.

Auf den internationalen Finanzmärkten habe sich die Situation entspannt: Die Notenbanken sorgten für unverändert großzügige Liquidität, Werteschwankungen reduzierten sich. Nach einem zunächst verhaltenen Jahresauftakt tendierten die Aktienkurse an den meisten Börsen wieder klar aufwärts. Belastend wirke allerdings die Verunsicherung über die Verschuldungsprobleme einiger europäischer Länder. Außerdem rücke der Ausstieg aus der aktuell sehr expansiven Geld- und Zinspolitik sowie anderen staatlichen Stützungsprogrammen immer näher.

Gestärktes Privatkundengeschäft

Das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank zeigte sich gestärkt und erreichte mit 198 Millionen Euro das beste Quartalsergebnis im operativen Geschäft seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die im Herbst 2008 die Finanzwelt erschütterte. Die Zahl der Privat- und Geschäftskunden verringerte sich im Verlauf des ersten Quartals 2010 allerdings um etwa 82.000 auf 14,5 Millionen.

Insgesamt verbuchte die Bank Erträge von neun Milliarden Euro. Das ehrgeizige Ziel einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent wurde mit 30 Prozent sogar übertroffen.

Wenig Freude macht der Deutschen Bank bisher ihr jüngster Zukauf: die edle Privatbank Sal. Oppenheim, die im ersten Quartal erstmals einbezogen wurde. Zusätzliche Erträge von 79 Millionen Euro wurden hierbei von 134 Millionen Euro Kosten mehr als aufgezehrt.

Keine Klageandrohung von US-Aufsicht

Auch zu den Ermittlungen gegen die US-Großbank Goldman Sachs äußerte sich die Deutsche Bank: Nach eigener Einschätzung steht dem deutschen Finanzhaus keine ähnliche Klage der US-Börsenaufsicht SEC bevor. "Wir haben keine Wells Notice erhalten", sagte Finanzvorstand Stefan Krause. Mit einer solchen Notiz kündigen die US-Behörden Ermittlungen an, um den betroffenen Firmen die Chance zu geben, darauf zu reagieren. In den seit Monaten laufenden Anfragen und Vorladungen von Aufsichts- und Regierungsbehörden gegen die Deutsche Bank gehe es nicht um die aktuellen Themen. "Wir haben unsere Geschäfte intern durchleuchtet. Wir glauben nicht, dass wir eine ähnliche Situation haben wie die jetzt diskutierte", sagte Krause in Anspielung auf Goldman Sachs.

Die US-Investmentbank sieht sich mit einer Klage der SEC konfrontiert, weil sie strukturierte Kreditprodukte auf den US-Häusermarkt aufgelegt hatte und den Hedgefonds-Milliardär John Paulson daran aktiv hatte mitwirken lassen, der zugleich erfolgreich auf den Zusammenbruch dieses Marktes gewettet hatte.

Analysten und Medien hatten Parallelen zu ähnlichen Produkten der Deutschen Bank gezogen, in die Paulson ebenfalls involviert war. Bei den Vorladungen und Anfragen an die Deutsche Bank geht es um deren Geschäfte mit strukturierten forderungsbesicherten Papieren (ABS), Kreditversicherungen (CDS) und mit verbrieften Hypothekenkredit-Papieren (CDO).

Zugleich ist Deutschlands größtes Bankhaus in den USA mit Klagen wegen hypothekenbesicherter Wertpapiere konfrontiert. Eine neue Klage sei im ersten Quartal von der Federal Home Loan Bank of San Francisco eingereicht worden, die solche Produkte gekauft hatte, teilte die Bank mit. Eine weitere Sammelklage sei in New York anhängig. Dem Antrag der Bank, sie abzuweisen, habe das Gericht nur zum Teil stattgegeben. Alle Zivilklagen seien in einem frühen Stadium.

ssu/yes/AFP/dpa/Reuters



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
inci 27.04.2010
1. oooo
Zitat von sysopDie Deutsche Bank verbucht ein rekordverdächtiges Quartalsergebnis - doch die Aktie schmiert ab. Zeitweise lag das Finanzpapier am Dienstagmorgen am Dax-Ende. Anleger fürchten, dass die Party bald beendet ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,691471,00.html
rekordgewinne in Q1? vermutlich kräftig gegen griechenland gewettet. asymetrische gewinne sollten von den behörden mal genau unter die lupe genommen werden. es ist schon merkwürdig, daß die deutsche bank immer gewinnt, auch wenn ringsum die mitbewerber aus dem letzten loch pfeifen oder in die abwicklung geschickt wurden....
unente, 27.04.2010
2. Ende mit der Jubelei
Lüge und Betrug - "institutionelle Anleger" wissen ganz genau, wenn der Braten vergiftet ist. Wann begreifen endlich alle, dass Bankengewinne schädlich für die Wirtschaft sind? Diese Gewinne sind die Verluste anderer!
Websingularität 27.04.2010
3. vermute ich auch
Zitat von sysopDie Deutsche Bank verbucht ein rekordverdächtiges Quartalsergebnis - doch die Aktie schmiert ab. Zeitweise lag das Finanzpapier am Dienstagmorgen am Dax-Ende. Anleger fürchten, dass die Party bald beendet ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,691471,00.html
Vermute auch, dass die Party nicht lange weitergeht. Mit den Traumzahlen, geht Herr Ackermann nochmal richtig Geld einsammeln. Die Geprellten wären am Ende wieder Anleger oder Aktionäre. Ich wäre da auch misstrauisch. Sicherheit geht vor Gier.
matrix23 27.04.2010
4. System der Selbstzerstörung
Das Finanz-System ist längst in der Phase der Selbstzerstörung. Es ist doch nur eine Frage der Zeit. Ein System, wo Spekulanten Gewinne machen, dadurch das Staaten oder Firmen immer mehr Schulden anhäufen ist absurd. Einem Gegner der bereits am Boden liegt, stehen Spekulanten gegenüber, die jetzt erst recht brutal auf ihn ein treten. Von blinder Gier angepeitscht, von der Sucht nach immer mehr, sägt sich das System die eigenen Arme ab. Da kann man nur hoffen, das es möglichst schnell vorbei ist und die Weltwirtschaft zusammenbricht, damit wieder Platz ist für Menschen auf dieser Welt!
priesternix, 27.04.2010
5. Sittenwidrig
Zitat von sysopDie Deutsche Bank verbucht ein rekordverdächtiges Quartalsergebnis - doch die Aktie schmiert ab. Zeitweise lag das Finanzpapier am Dienstagmorgen am Dax-Ende. Anleger fürchten, dass die Party bald beendet ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,691471,00.html
Das Verhalten von Banken ist schlicht und ergreifend sittenwidrig. Im normalen Sprachgebrauch würde man Gewinne auf Kosten Anderer als Betrug bezeichnen. Vor allem dann wenn Kapital sozusagen aus dem Nichts ensteht. Herr Ackermann, Sie leiten ein Betrugsinstitut - darüber sollten Sie mal nachdenken.
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