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Millionenstreit um US-Hypotheken: Deutsche Bank büßt für Tricksereien

Der Vergleich kostet mehr als 200 Millionen Dollar: Die Deutsche Bank muss für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA geradestehen. Die Mitarbeiter der Immobilienfirma MortgageIt hatten jahrelang Kredite geschönt. 

Bankchef Ackermann (Archivbild): "Der größte Fehler meiner Amtszeit" Zur Großansicht
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Bankchef Ackermann (Archivbild): "Der größte Fehler meiner Amtszeit"

New York - Die Deutsche Bank hat ihren wichtigsten Hypothekenstreit in den Vereinigten Staaten beigelegt. Das Frankfurter Geldhaus einigte sich am Donnerstag mit der US-Regierung im Verfahren um dubiose Hypothekenpraktiken ihrer Tochterfirma MortgageIT auf einen Vergleich. Um eine anhängige Klage aus der Welt zu schaffen, zahlt die Deutsche Bank 202 Millionen US-Dollar (rund 156 Millionen Euro). Mit dem Vergleich wird der Fall nun zu den Akten gelegt.

Wie die US-Justiz am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP zufolge mitteilte, räumte MortgageIT ein, sich mit falschen Angaben zu faulen Krediten Bürgschaften aus einem Regierungsprogramm erschlichen zu haben.

Mit dem Vergleich setzt der scheidende Konzernchef Josef Ackermann seine Aufräumaktion fort, um das Haus im kommenden Monat besenrein an seine Nachfolger übergeben zu können. Ackermann nannte den Kauf der Tochter laut "Financial Times Deutschland" einmal im kleinen Rahmen den "größten Fehler meiner Amtszeit".

Der konkrete Vorwurf gegen MortgageIT lautet, dass Mitarbeiter jahrelang die Angaben zu Krediten für Eigenheim-Besitzer geschönt haben sollen, damit der amerikanische Staat die Finanzierungen absichert. Als viele Kreditnehmer dann in der Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, musste der Staat einspringen. Die Regierung habe großen finanziellen Schaden erlitten, erklärte der Bundesstaatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara, am Donnerstag.

Der Deutschen Bank drohte eine Strafe von mehr als einer Milliarde Dollar

Die Staatsanwaltschaft hatte im Mai vergangenen Jahres Klage eingereicht. Im August 2011 hatten die USA der Deutschen Bank in der Causa MortgageIT vorgeworfen, bereits vor der Übernahme der Immobilientochter von deren windigen Hypothekengeschäften gewusst zu haben. Das Frankfurter Geldhaus hatte zunächst argumentiert, dass es nicht für die Praxis in der Zeit vor der Übernahme zur Verantwortung gezogen werden könne. Die US-Regierung hielt dagegen, die Bank habe die strittigen Fälle bereits bei der Prüfung der Bücher von MortgageIT gesehen.

Schlimmstenfalls hätte der Deutschen Bank eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als einer Milliarde Dollar gedroht. Die Bank räumte in einigen Punkten ein Fehlverhalten ein. "Wir sind zufrieden, dass wir diesen Vergleich erreicht haben", erklärte eine Banksprecherin in New York. Die Deutsche Bank habe bereits in voller Höhe vorgesorgt.

Die Deutsche Bank Chart zeigen hatte MortgageIT Anfang 2007 für 430 Millionen Dollar übernommen und sich dadurch einen Einstieg in das damals boomende Geschäft mit Hypothekenkrediten in den USA verschafft - ausgerechnet kurz vor Beginn der Finanzkrise: Kurz darauf platzte die Immobilienblase. Die meisten beanstandeten Fälle spielten sich vor der Übernahme ab.

Die Citigroup Chart zeigen hatte wegen ähnlicher Vorwürfe bereits 158 Millionen Dollar gezahlt, die Bank of America Chart zeigen als einer der größten Haus-Finanzierer in den Vereinigten Staaten sogar eine Milliarde Dollar.

Die US-Justiz hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Verfehlungen aus der Finanzkrise zu ahnden. Bundesstaatsanwalt Bharara ist einer der Vorkämpfer - in sein Revier fällt die Wall Street. Auch die Börsenaufsicht SEC kämpft an vorderster Front. Zudem laufen zahllose Schadensersatz-Klagen innerhalb der Branche, weil sich eine Finanzfirma von einer anderen betrogen fühlt.

Zahlreiche Großbanken aus dem In- und Ausland mussten bereits millionenschwere Strafen und Wiedergutmachung zahlen. Der prominenteste Fall war bislang Goldman Sachs Chart zeigen. Die SEC hatte der Investmentbank im Jahr 2010 vorgeworfen, ihre Kunden beim Geschäft mit Hypothekenpapieren übers Ohr gehauen zu haben. Am Ende zahlte Goldman Sachs in einem Vergleich 550 Millionen Dollar.

bos/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Was solls
check1 11.05.2012
ist ja schon alles in den aktienkursen abgeschlagen, wenn man die aktienkurven einiger bankaktien betrachtet. Ist aber auch kein wunder, bei soviel fehlgeschlagenen kredit und investgeschäften auf die schauze gefallen ist und noch werden. Wo soll das geld momentan auch herkommen, es wird ja eh immer weniger.
2. HAHA, ich lach mich schlapp, warum ? weil
Torfkopp 11.05.2012
Zitat von sysopREUTERSDer Vergleich kostet mehr als 200 Millionen Dollar: Die Deutsche Bank muss für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA geradestehen. Die Mitarbeiter der Immobilienfirma MortgageIt hatten jahrelang Kredite geschönt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,832551,00.html
guckt man Hier ! (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/jp-morgan-meldet-2-milliarden-dollar-einbusse-durch-riskante-finanzwetten-a-832556.html) Die "Morgans" sind maßgeblicher Mitbegründer der FED, googelt mal "Jekyll Island FED" oder , falls des Englischen mächtig, gleich hier (http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=jekyll%20island%20federal%20reserve%20act&source=web&cd=10&ved=0CJEBEBYwCQ&url=http%3A%2F%2Fwww.whale.to%2Fb%2Fm_ch_1.html&ei=QEysT5z-OYfDswb0_5TdAg&usg=AFQjCNHo3dCZurm6JgVv0N7lBa4tZemhVQ&cad=rja) lesen. Und jetzt kann der kleine Bürger weiterhin über ackernde Männer lästern, sich über ausschweifende Gammel-Griechen das Maul zerreißen..... Wann will, WELTWEIT, der normale Mensch sich einmal hinsetzen und : - anfangen, zu überlegen was ihn genetisch vom Kohlkopf trennt - wenn er glaubt das erkannt zu haben, diesen Unterschied BENUTZEN Ansonsten bleibt halt nur : "Die wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, daß aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, daß das System ihren Interessen feindlich ist."
3. Trixereien
lighter 11.05.2012
Den Staat um ueber eine Milliarde betruegen und dann nur ein paar Millionen bezahlen in einem sogenannten Vergleich. Was sind das fuer faule Trix Man sollte doch annehmen, dass man im Gegenteil mehr bezahlen muss als Strafe!
4. Blöd gelaufen
Steve Holmes 11.05.2012
aber schuldhaftes Verhalten kann man der Deutschen Bank zumindest nicht vorwerfen wenn die Fälle vor der Übernahme geschehen sind.
5. optional
rocky3110 11.05.2012
das waren noch zeiten als die banken fuer das herkoemmliche darlehensgeschaeft zustaendig waren...jetzt zaehlt nur noch das schnelle geld ...warum gehen die manager nicht bingo spielen...kein unterschied...ausser verbrechermethoden der banken..die schulden dirigieren die welt und nicht die guthaben..leider die staaten sind ohne kraft und abhaengig von den privatbanken...
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