Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Mein Geld, meine Bank, meine Krise

Von , Frankfurt am Main

Er ist der mächtigste Manager Deutschlands: Wenn sich Josef Ackermann zu Euro-Krise und Griechen-Krediten äußert, lauscht das ganze Land - und die Regierung bangt. Doch wofür steht der Deutsche-Bank-Chef wirklich? Was für Geschäfte macht sein Haus? SPIEGEL ONLINE stellt ihn und sein Institut vor.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands Zur Großansicht
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Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands

Der Auftritt verfehlte seine Wirkung nicht: Analysten und Wissenschaftler meldeten sich zu Wort, auch das Kanzleramt und das Bundesfinanzministerium gaben ein Statement ab. Schuld an der Aufregung war Josef Ackermann. Der Deutsche-Bank-Chef hatte in der Sendung "Maybrit Illner" Zweifel angemeldet, dass Griechenland seine Schulden jemals ganz zurückzahlen kann. "Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln."

Völlig überraschen wird die Einschätzung wohl niemanden, schließlich geht es um viele Milliarden Euro. Dass der Chef von Deutschlands größtem Geldhaus allerdings derart unverblümt im Fernsehen über diese Frage sinniert, ist in einer politisch heiklen Situation wie der aktuellen ein Aufreger. Die Anleger sind nervös, die Steuerzahler ebenso. Während also Analysten ihrer Verwunderung Ausdruck gaben, so mancher Experte den Deutsche-Bank-Chef für seine Ehrlichkeit lobte, erklärte das Haus von Wolfgang Schäuble (CDU) eilig, es gebe keinen Grund, am Sparwillen der Griechen zu zweifeln. Immerhin hätten die ein rigides Programm zur Ausgabenkürzung vorgelegt. Die stellvertretende Regierungssprecherin von Angela Merkel (CDU), Sabine Heimbach, sagte nur spitz, sie sehe "keinen Anlass und Nutzen", über Ackermanns Äußerungen zu spekulieren.

War der flotte Spruch ein Ausrutscher, bei dem sich Ackermanns Pressesprecher in Illners Studio innerlich krümmten? War er kalkuliert, um Aufmerksamkeit zu erregen? Oder um zu zeigen, dass auch der Beitrag der Banken - das Offenhalten von Kreditlinien für Griechenland - schmerzhaft ist?

Fest steht, der Auftritt war echt Ackermann. Kaum ein Banker in Deutschland kann das Land mit einem einzigen Satz derart in Aufregung versetzen wie der 62-Jährige.

Dabei spielt Ackermann immer mal wieder eine andere Rolle: Er ist das wohl meistbeachtete Orakel für die Finanzbranche im Land, er tritt als Berater auf, der bei der Rettung von Krisenbanken wie der Hypo Real Estate zwischen Politik und Bankenwirtschaft vermittelt. Und er muss beständig als Buhmann für die gesamte Branche herhalten. Das Foto vom Mannesmann-Prozess, bei dem er den Fotografen mit breitem Grinsen ein Victory-Zeichen entgegenstreckte, hat sich den Deutschen ins Gehirn gefressen. Sein Millionengehalt tut ein Übriges.

Doch wer ist Josef Ackermann, wenn man die Klischees beiseiteschiebt? Wie steht die Deutsche Bank im achten Jahr seiner Herrschaft da - als Zockerhaus oder solides Institut? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.

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insgesamt 73 Beiträge
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1. Josef Ackermann ist nicht der liebe Gott
heinrichp 14.05.2010
Zitat von sysopEr ist der mächtigste Manager Deutschlands: Wenn sich Josef Ackermann zu Euro-Krise und Griechen-Krediten äußert, lauscht das ganze Land - und die Regierung bangt. Doch wofür steht der Deutsche-Bank-Chef wirklich? Was für Geschäfte macht sein Haus? SPIEGEL ONLINE stellt ihn und sein Institut vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694801,00.html
Josef Ackermann ist nicht der liebe Gott. Politiker sollten auf ihr eigenes Gewissen hören und all den Bänker und Lobbyisten den Kampf ansagen: http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/article-finanzkrise-in-griechenland-49361554.html
2. Misstrauensvotum
hirn_einschalten 14.05.2010
Man sollte einem Banker nicht weiter trauen, als man ihn werfen kann. Banker sind entweder gierige Verbrecher (z.B. Middelhoff) oder gierige Versager (z.B. Funke).
3. Wolf im Schafspelz
zarathustra-4 14.05.2010
Zitat von sysopEr ist der mächtigste Manager Deutschlands: Wenn sich Josef Ackermann zu Euro-Krise und Griechen-Krediten äußert, lauscht das ganze Land - und die Regierung bangt. Doch wofür steht der Deutsche-Bank-Chef wirklich? Was für Geschäfte macht sein Haus? SPIEGEL ONLINE stellt ihn und sein Institut vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694801,00.html
Das war er schon immer: Ein Wolf im Schafspelz. Das wird er auch bleiben. Was erwartet die Öffentlichkeit von einem Banker wie Ackermann? Das Lachen bleibt mir im Halse stecken. Das Kopfschütteln habe ich mir abgewöhnt - wegen der Gefahr von Gehirnerschütterungen.
4. ...
Neurovore 14.05.2010
Zitat von sysopEr ist der mächtigste Manager Deutschlands: Wenn sich Josef Ackermann zu Euro-Krise und Griechen-Krediten äußert, lauscht das ganze Land - und die Regierung bangt. Doch wofür steht der Deutsche-Bank-Chef wirklich? Was für Geschäfte macht sein Haus? SPIEGEL ONLINE stellt ihn und sein Institut vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694801,00.html
Ich nicht! Wenn ich seine Visage sehe, schalte ich sofort Fernseher oder Hirn ab. Schlimm genug, daß ich mit meinen GEZ-Gebühren noch die willfährigen Schleimer und Ganzkörper-Proktologen finanzieren muß, die in regelmäßigen Abständen (2007 war der schonmal bei Illner) des Meisters Lehre verkünden und ihm Stichwort liefern, um seine kranken Thesen unwidersprochen in die Welt zu lügen.... Also bitte: im normalen Arbeitsleben, z.B. in einem Handwerksbetrieb oder am Band, würde der doch keine drei Wochen überstehen, da muß man den Mann auch nicht allzu ernst nehmen....
5. niemand?
jstm 14.05.2010
Zitat von sysopEr ist der mächtigste Manager Deutschlands: Wenn sich Josef Ackermann zu Euro-Krise und Griechen-Krediten äußert, lauscht das ganze Land - und die Regierung bangt. Doch wofür steht der Deutsche-Bank-Chef wirklich? Was für Geschäfte macht sein Haus? SPIEGEL ONLINE stellt ihn und sein Institut vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694801,00.html
Ackermann: "Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln." A.Seith: "Völlig überraschen wird die Einschätzung wohl niemanden, schließlich geht es um viele Milliarden Euro." Also Frau Seith, da sollten Sie mal bei Ihrem Kollegen Sven Böll nachhaken, denn der wollte uns noch vor wenigen Tagen weismachen, dass das deutsche Geld in Athen gut angelegt ist (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,688091,00.html). Von "niemand" kann also keine Rede sein, wenn oder wollen Sie Ihren Kollegen zur "Unperson" stempeln?
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