Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Der Auftritt verfehlte seine Wirkung nicht: Analysten und Wissenschaftler meldeten sich zu Wort, auch das Kanzleramt und das Bundesfinanzministerium gaben ein Statement ab. Schuld an der Aufregung war Josef Ackermann. Der Deutsche-Bank-Chef hatte in der Sendung "Maybrit Illner" Zweifel angemeldet, dass Griechenland seine Schulden jemals ganz zurückzahlen kann. "Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln."
Völlig überraschen wird die Einschätzung wohl niemanden, schließlich geht es um viele Milliarden Euro. Dass der Chef von Deutschlands größtem Geldhaus allerdings derart unverblümt im Fernsehen über diese Frage sinniert, ist in einer politisch heiklen Situation wie der aktuellen ein Aufreger. Die Anleger sind nervös, die Steuerzahler ebenso. Während also Analysten ihrer Verwunderung Ausdruck gaben, so mancher Experte den Deutsche-Bank-Chef für seine Ehrlichkeit lobte, erklärte das Haus von Wolfgang Schäuble (CDU) eilig, es gebe keinen Grund, am Sparwillen der Griechen zu zweifeln. Immerhin hätten die ein rigides Programm zur Ausgabenkürzung vorgelegt. Die stellvertretende Regierungssprecherin von Angela Merkel (CDU), Sabine Heimbach, sagte nur spitz, sie sehe "keinen Anlass und Nutzen", über Ackermanns Äußerungen zu spekulieren.
War der flotte Spruch ein Ausrutscher, bei dem sich Ackermanns Pressesprecher in Illners Studio innerlich krümmten? War er kalkuliert, um Aufmerksamkeit zu erregen? Oder um zu zeigen, dass auch der Beitrag der Banken - das Offenhalten von Kreditlinien für Griechenland - schmerzhaft ist?
Fest steht, der Auftritt war echt Ackermann. Kaum ein Banker in Deutschland kann das Land mit einem einzigen Satz derart in Aufregung versetzen wie der 62-Jährige.
Dabei spielt Ackermann immer mal wieder eine andere Rolle: Er ist das wohl meistbeachtete Orakel für die Finanzbranche im Land, er tritt als Berater auf, der bei der Rettung von Krisenbanken wie der Hypo Real Estate zwischen Politik und Bankenwirtschaft vermittelt. Und er muss beständig als Buhmann für die gesamte Branche herhalten. Das Foto vom Mannesmann-Prozess, bei dem er den Fotografen mit breitem Grinsen ein Victory-Zeichen entgegenstreckte, hat sich den Deutschen ins Gehirn gefressen. Sein Millionengehalt tut ein Übriges.
Doch wer ist Josef Ackermann, wenn man die Klischees beiseiteschiebt? Wie steht die Deutsche Bank im achten Jahr seiner Herrschaft da - als Zockerhaus oder solides Institut? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.
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