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Deutsche-Bank-Chef: Ackermann warnt vor neuer Finanzkrise

Börsen in Aufruhr, Banken in Schwierigkeiten: Angesichts der Lage an den Finanzmärkten fühlt sich Deutsche-Bank-Chef Ackermann an die Zeit vor der Lehman-Pleite erinnert. Für das eigene Institut schließt er ein Sparprogramm nicht aus. Harsche Kritik übt Ackermann an IWF-Chefin Lagarde.

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dapd

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Die sollen uns beweisen, dass da Betrug im Spiel ist"

Frankfurt am Main - Der Jahrestag des Lehman-Brother-Desasters steht bevor: Am 15. September 2008 markierte die Insolvenz der US-Investmentbank den Höhepunkt der Finanzkrise. Und wie im Vorfeld dieser Pleite kommt es derzeit zu heftigen Kursstürzen bei Banken und Finanzwerten - was auch Josef Ackermann alarmiert. "All dies erinnert an den Herbst 2008", sagte der Deutsche-Bank-Chef auf einer Tagung des "Handelsblatts" in Frankfurt am Main.

Ackermann schränkte ein: Der europäische Bankensektor sei heute "deutlich besser kapitalisiert und weniger von kurzfristiger Liquidität abhängig". Außerdem hätten die Banken weniger Giftpapiere in ihren Bilanzen, und das Risikomanagement habe sich verbessert. Die Aussichten für Europas Banken beurteilte Ackermann dennoch als nicht gerade rosig. "Seit Jahresbeginn haben manche europäische Banken sogar ein Drittel und mehr ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt."

Für Nervosität auf den Finanzmärkten sprechen auch neue Zahlen zu den Einlagen der Geschäftsbanken, welche die Europäische Zentralbank ( EZB) am Montag veröffentlichte. Demnach parkten die Banken am Freitag insgesamt 151 Milliarden Euro für 24 Stunden bei der Zentralbank der Euro-Zone. Erst am 8. August hatten die Einlagen mit 145,2 Milliarden Euro einen Rekordwert erreicht, waren seitdem aber wieder leicht zurückgegangen.

Die Höhe der Bankeneinlagen bei der EZB ist ein Indikator für den Interbankenverkehr und damit für das Vertrauen der Finanzkonzerne untereinander: Die Institute deponieren ihr überschüssiges Geld lieber bei der Zentralbank, statt es zu besseren Zinssätzen untereinander zu verleihen. Nach der Pleite von Lehman Brothers war der Interbankenverkehr nahezu zum Erliegen gekommen. Damals lagen zeitweise 200 Milliarden Euro im EZB-Depot.

Auch der deutsche Aktienmarkt zeigte sich am Montag erneut verunsichert. Der Dax Chart zeigen sank zeitweise auf ein Zweijahrestief. Zu den größten Verlierern gehörten Aktien der Deutschen Bank Chart zeigen, die bis zum Mittag 7,5 Prozent verloren.

Ackermann kritisiert IWF

Deutliche Kritik übte Ackermann an Christine Lagarde. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds ( IWF) hatte eine Zwangskapitalisierung europäischer Geldhäuser gefordert. Das sei wenig hilfreich und auch nicht gerechtfertigt gewesen, sagte der Schweizer. "Es ist offenkundig, um nicht zu sagen eine Binsenweisheit, dass es zahlreiche europäische Banken nicht verkraften würden, müssten sie die im Bankbuch gehaltenen Staatsanleihen auf Marktwerte abschreiben."

Die Glaubwürdigkeit der staatlichen Stützungsmaßnahmen würde mit solch drastischen Schritten wie einer Zwangkapitalisierung untergraben, sagte Ackermann. Es bestehe die Gefahr, dass sich dadurch die Schuldenlage einzelner Länder weiter verschärfe. Angesichts einer drohenden Verwässerung würden private Investments in Banken noch weniger wahrscheinlich.

Die Deutsche Bank ist zwar laut Ackermann "sehr gut vorbereitet auf schwierige Zeiten". Dennoch schloss er ein Sparprogramm beim deutschen Branchenprimus nicht aus, falls die Turbulenzen auf den Finanzmärkten anhalten sollten. "Wenn es ganz negativ weitergeht wie im August, werden wir solche Maßnahmen ins Auge fassen müssen." Derzeit sehe er aber keine Notwendigkeit für Kostensenkungen und Stellenabbau.

Einer drohenden Klagewelle in den Vereinigten Staaten und Großbritannien sieht Ackermann nach eigener Aussage gelassen entgegen. "Die sollen uns beweisen, dass da Betrug im Spiel ist. Ich bin sicher, das ist nicht ganz einfach", sagte er. Die jüngste Klage der US-Aufsichtsbehörde FHFA gegen die Deutsche Bank und eine Reihe weiterer Großbanken bezeichnete Ackermann als eine Art "letzten Strohhalm", um die Folgen der eigenen Fehler der Finanzkrise zu verringern.

In den USA laufen wegen umstrittener Hypothekengeschäfte bereits mehrere Verfahren gegen die Deutsche Bank. Am Montag wurde bekannt, dass auch die britische Aufsicht Ermittlungen gegen das Institut erwägt.

dab/dpa/dpa-AFX/Reuters

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1. Schöne Aussichten
Izmir.Übül 05.09.2011
Zitat von sysopBörsen in Aufruhr, Banken in Schwierigkeiten: Angesichts der Lage an den Finanzmärkten fühlt sich Deutsche-Bank-Chef Ackermann an die Zeit vor der Lehman-Pleite erinnert. Für das eigene Institut schließt er ein Sparprogramm nicht aus. Harsche Kritik übt Ackermann an IWF-Chefin Lagarde. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,784414,00.html
Hier kann man schon mal nachlesen, wie es weitergehen könnte: http://www.handelsblatt.com/politik/international/der-euro-steuert-auf-den-eisberg-zu/v_detail_tab_print,4569202.html
2. Wenn die ersten paper-pusher...
mainzelmännchen 1 05.09.2011
...mit ihrem Anshu-Karton in der Taunusanlage stehen, gehe ich zwei Äppelwoi trinken in Sachsenhausen: Einen auf Lehmann, einen auf Ackermann.
3.
Imognimmer, 05.09.2011
[zitat]Die sollen uns beweisen, dass da Betrug im Spiel ist. Ich bin sicher, das ist nicht ganz einfach", sagte Ackermann[/zitat] kannman sowas bereits als Schuldeingeständniss werten....?
4. ..
Maya2003 05.09.2011
Zitat von sysopBörsen in Aufruhr, Banken in Schwierigkeiten: Angesichts der Lage an den Finanzmärkten fühlt sich Deutsche-Bank-Chef Ackermann an die Zeit vor der Lehman-Pleite erinnert. Für das eigene Institut schließt er ein Sparprogramm nicht aus. Harsche Kritik übt Ackermann an IWF-Chefin Lagarde. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,784414,00.html
Das Volk wird vorbereitet. Runde 2.
5. Joseph kehrt heim
balduinbandwurm 05.09.2011
USA verklagen die Deutsche Bank wegen Betruges. Die Briten klagen gegen die Deutche Bank und Joseph warnt vor neuen Krise. Bestimmt alles nur ein zufall... Für mich sieht das so aus, als ob der Joseph, nach ein paar wilden Nächten völlig pleite bei Mutti anklingelt, um klar zu machen, dass er bald wieder ettliche Steuermilliarden braucht um wieder losziehen zu können...
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Zur Person
dpa
Josef Ackermann, Jahrgang 1948, kam als Sohn eines Schweizer Arztes zur Welt und wuchs in dem kleinen Städtchen Mels auf. Sein Studium absolvierte er an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen, 1977 promovierte er zum Dr. oec. Nach beruflichen Stationen bei der Schweizer Kreditanstalt und der Credit Suisse kam Ackermann 1996 zur Deutschen Bank, zunächst als Vorstand für den Geschäftsbereich Kreditrisiken.
Im Mai 2002 übernahm Ackermann die Führung des angeschlagenen Finanzinstituts, das er mit einem harten Sanierungskurs wieder in die Spitzengruppe der globalen Geldhäuser brachte. Ackermann ist einer der umstrittensten Manager des Landes - unter anderem, weil er auch in der Finanzkrise stur am Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent festhielt.

Kritiker werfen ihm vor, dabei zu sehr auf das Investmentbanking zu setzen und den Heimatmarkt zu vernachlässigen. Ackermanns Lebensmittelpunkt ist in Zürich. Der Opernfan ist verheiratet und hat eine Tochter.


Zahlen und Fakten
Die Deutsche Bank ist das größte Geldinstitut Deutschlands und beschreibt sich selbst als "eine führende globale Investmentbank" mit starkem Privatkundengeschäft. Mehr als 80.000 Mitarbeiter gehören weltweit zu dem Konzern, der in 72 Ländern tätig ist. Die Bank, an deren Spitze Josef Ackermann steht, verdiente im Jahr 2010 nach Steuern 2,3 Milliarden Euro. Der bisherige Rekord lag im Geschäftsjahr 2007, als am Ende 6,5 Milliarden Euro unterm Strich standen.


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