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Deutsche-Bank-Chef in der Kritik: Alle gegen Ackermann

Es ist die ganz große Koalition gegen Deutschlands berühmtesten Geldmanager: Im SPIEGEL rügen Politiker von Union, SPD und Grünen Josef Ackermanns Kritik an den Bankenrettungsplänen der EU. Vom Deutsche-Bank-Chef verlangen sie unter anderem "etwas Demut".

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Rüge aus der deutschen Politik Zur Großansicht
dapd

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Rüge aus der deutschen Politik

Hamburg - Die Kritik von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an den Bankenrettungsplänen der EU hat Empörung quer durch alle politischen Lager ausgelöst. Als Vertreter einer wichtigen deutschen Bank trage Ackermann "große wirtschaftliche, aber auch gesellschaftliche Verantwortung", sagte die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, dem SPIEGEL. "Das schließt den Blick auf die Interessen der Allgemeinheit mit ein."

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt nimmt die Banken ins Visier und wettert gegen diejenigen Institute, die "immer noch Erträge vorwiegend in Boni und Dividenden stecken". Ähnlich argumentieren die Grünen. "Ich frage mich, ob Herr Ackermann überhaupt an einer dauerhaften Lösung der Krise interessiert ist. Denn eine solche Lösung bestünde aus meiner Sicht auch darin, dass es gar keine systemrelevanten Banken mehr gibt", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir dem SPIEGEL.

Es dürfe "nicht sein, dass Banken massive Risiken eingehen können, sich selbst über beide Ohren verschulden und die Steuerzahler dann dafür geradestehen müssen", so der Grünen-Politiker. Heftige Kritik an Ackermann und der Deutschen Bank übte auch der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider. "Auch wenn sie in der letzten Finanzkrise keine unmittelbare Hilfe erhalten hat, hat sie davon profitiert, dass die Politik einen Kollaps des Finanzmarkts verhindert hat. Etwas Demut stünde Herrn Ackermann gut zu Gesicht."

Zweifel an der Politik

Hintergrund des Schlagabtauschs zwischen Politik und dem Top-Banker sind Pläne, die Eigenkapitalausstattung der Banken deutlich zu erhöhen - notfalls durch Zwang. Ackermann hatte einer entsprechenden Forderung von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach einer Banken-Rekapitalisierung jüngst widersprochen. Der Markt werde die Mittel dafür nicht bereitstellen, hatte er am Donnerstag auf einer Konferenz der Deutschen Bank in Berlin erklärt. Kapitalspritzen gingen an den aktuellen Problemen vorbei. Die Finanzierung der Banken sei nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass Staatsanleihen nicht mehr risikolos seien.

Ackermann hatte sich dann die Politik vorgeknöpft und die Regierungen aufgefordert, das Vertrauen in die Stabilität der Staatsfinanzen wieder herzustellen. Bei den Akteuren auf den Finanzmärkten stiegen die Zweifel, ob die Politik überhaupt in der Lage sei, die Krise dauerhaft zu lösen. "Die Marktteilnehmer fragen sich in diesem Zusammenhang nicht nur, ob die Verantwortlichen den nötigen politischen Willen aufbringen, um die Krise zu bewältigen, sondern zunehmend auch, ob ihnen dazu überhaupt noch genug Zeit bleibt und ob sie über die dafür notwendigen Mittel verfügen."

Eine Zwangsgeldspritze für die Deutsche Bank Chart zeigen will Ackermann vermeiden. Sein Institut verfüge über genügend eigene Mittel, um eine heraufziehende Krise zu meistern, hatte er gesagt. "Die Deutsche Bank wird alles tun, dass sie auch diesmal kein Staatsgeld braucht."

Bankenaufseher haben jedoch offenbar Zweifel, ob die Deutsche Bank das schaffen kann. Die Agentur Reuters hatte unter Berufung auf Insider gemeldet, das größte deutsche Geldhaus würde den derzeit diskutierten Blitz-Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA nicht bestehen. Um eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent unter verschärften Krisenbedingungen zu erreichen, bräuchte das Institut rund neun Milliarden Euro, zitierte die Agentur mehrere mit den Zahlen vertraute Personen. Unter hartem Kernkapital versteht man Geld, das jederzeit zur Verfügung steht. Bei einer Schwelle von sieben Prozent käme die Deutsche Bank durch den Test - dann hätte sie ausreichend Kapital, sagten mehrere Insider. Das Institut kommentierte dies nicht.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer haben sich unterdessen hinter Vorschläge für einen Extra-Kapitalzuschlag für große, grenzüberschreitende und systemrelevante Banken gestellt. Diese Vorschläge von internationalen Experten sehen vor, dass diesen Instituten auf mittlere Sicht zusätzliche Kapitalzuschläge von bis zu 2,5 Prozent abgefordert werden, je nach dem Risikogehalt ihres Geschäfts.

Die verschärften Kapitalanforderungen sollen ab 2016 sukzessive eingeführt werden. Eine stärkere Absicherung gegen Risiken für die globale Finanzstabilität, die von den hochvernetzten Finanzriesen ausgehen, ist eine der großen Ziele bei der Regulierung der Finanzmärkte, die sich die G20 2008 gesetzt hatte. Als erstes wurde nun eine Regelung für die großen Banken ins Auge gefasst, die auf dem G-20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Anfang November formell beschlossen werden soll. Ähnliches soll bald für die großen Versicherer folgen, erklärte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble nach dem Treffen der G-20-Finanzminister und Notenbankchefs.

suc/Reuters/dapd

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insgesamt 497 Beiträge
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1. Danke,
rene_w 16.10.2011
"Ich frage mich, ob Herr Ackermann überhaupt an einer dauerhaften Lösung der Krise interessiert ist. Denn eine solche Lösung bestünde aus meiner Sicht auch darin, dass es gar keine systemrelevanten Banken mehr gibt", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir [...]. So sollte es werden! Systemrelevant sollte primär der Mensch bzw. die sozial und humanistisch orientierte Gesellschaft werden und nicht der Kapitalismus!
2. "Wer zu spät kommt..."
mulhollanddriver 16.10.2011
---Zitat--- Die verschärften Kapitalanforderungen sollen ab 2016 sukzessive eingeführt werden. ---Zitatende--- Dann ist es zu spät.
3. Besser nicht
ratxi 16.10.2011
Zitat von sysopEs ist die ganz große Koalition gegen Deutschlands berühmtesten Geldmanager: Im SPIEGEL rügen Politiker von Union, SPD und Grünen Josef Ackermanns Kritik an den Bankenrettungsplänen der EU. Vom Deutsche-Bank-Chef verlangen sie unter anderem "etwas Demut". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,792024,00.html
Demut ist ein Wort, dass die Politiker zur Zeit besser nicht in den Mund nehmen sollten...
4. xxxx
Dramidoc 16.10.2011
Zitat von sysopEs ist die ganz große Koalition gegen Deutschlands berühmtesten Geldmanager: Im SPIEGEL rügen Politiker von Union, SPD und Grünen Josef Ackermanns Kritik an den Bankenrettungsplänen der EU. Vom Deutsche-Bank-Chef verlangen sie unter anderem "etwas Demut". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,792024,00.html
Eine Bitte habe ich an die drei oder vier Parteien (CDUCSUSPDGrüne). Hört auf einen auf Kapitalismuskritiker zu machen. Das nimmt euch eh niemand ab. Was ihr nicht alles macht, um Wählerstimmen zu bekommen, leider ist der Zug abgefahren. Ackermann ist einer von vielen maßlosen Spitzenbankiers, der eben von diesen Politikern umwanzt wurde (Merkel und Geburtstag, Steinbrücks Geschenke (HRE) an Ackermann, etc.). Einfach mal die Klappe halten, mehr verlange ich nicht.
5. guten Morgen...
yyz 16.10.2011
Das Schöne ist : es wird euch allen heute mehr Spaß machen die Forenbeiträge zu lesen, als den Artikel selbst...
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Kapitalbedarf deutscher Banken
Deutsche Bank
Der Branchenprimus läge unter den verschärften Bedingungen Finanzkreisen zufolge noch leicht über der Marke von sieben Prozent. Die Bank hat ihr Engagement in den Krisenstaaten in diesem Jahr deutlich reduziert: Ende Juni waren es 3,7 Milliarden Euro, Ende 2010 noch 12,1 Milliarden. Vor allem das umfangreiche Italien-Geschäft wurde abgesichert. Im dritten Quartal hat die Deutsche Bank auf Griechenland noch einmal 250 Millionen Euro abgeschrieben. Aber die Bank kann auf Basis der Stresstest-Daten auf mehr als 30 Milliarden Euro Grundkapital und Gewinnrücklagen bauen, die das harte Kernkapital ausmachen.
Commerzbank
Noch im Juni hatte die Bank 3,3 Milliarden Euro Kapital an den Staat zurückgegeben, das sie nach Ansicht der Aufseher nicht mehr brauchte. Als größter Kreditgeber für den deutschen Mittelstand ist sie auf jeden Fall im Blickfeld der Politiker. Doch der Stresstest hatte gezeigt, wie anfällig die Commerzbank für Krisen ist: Auch ohne einen "Haircut" auf Staatsanleihen wäre sie in dem Szenario 2012 - auf Basis der Daten von Ende 2010 - von 10,0 auf 6,4 Prozent hartes Kernkapital abgerutscht. Ende Juni standen Staatsanleihen aus den Schuldenstaaten mit fast 15 Milliarden Euro in ihren Büchern - nach Abschreibungen von 760 Millionen Euro auf die griechischen Papiere. Der Wert ihrer griechischen Staatsanleihen lag bei 2,2 Milliarden Euro. Bei den Aktionären noch einmal Kapital einzusammeln, wäre für sie schon technisch schwer: Der Commerzbank-Kurs liegt mit 1,80 Euro nicht mehr weit entfernt vom Nennwert von einem Euro, unter dem neuen Aktien nicht ausgegeben werden dürfen. Vom SoFFin hatte die Bank bereits zweimal Kapital erhalten.
DZ Bank
Das genossenschaftliche Spitzeninstitut gehört mit sieben Milliarden Euro Krediten und Anleihen für die öffentliche Hand in Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien (Stand Ende Juni) zu den am meisten in den Schuldenstaaten engagierten Banken in Deutschland. Auf Griechenland wurden in der ersten Jahreshälfte 243 Millionen abgeschrieben, 793 Millionen Euro sind noch übrig. Schon im leichten Stress-Szenario des Tests im Sommer blieben weniger als sieben Prozent hartes Kernkapital übrig. Doch die Genossen würden erneut versuchen, bei ihren Mitgliedern - den Volks- und Raiffeisenbanken - das notwendige Kapital einzusammeln, hieß es im Verbund. Sie hatten in der Finanzkrise schon mehr als eine Milliarde Euro nachgeschossen. Staatshilfe hat die DZ Bank noch nie gebraucht.
LBBW
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) arbeitet eifrig am Abbau ihrer Risiken in den Euro-Peripheriestaaten. Ende Juni waren aber noch 8,3 Milliarden Euro übrig. Auf Staatsanleihen aus Griechenland hatten die Stuttgarter bereits im Juni die Hälfte abgeschrieben, mehr als die meisten anderen Institute - bleiben noch 700 Millionen Euro. Das war allerdings im Stresstest noch nicht berücksichtigt. Da war die LBBW selbst unter Stress noch auf 7,1 Prozent hartes Kernkapital gekommen.
BayernLB
Die Münchener Landesbank hatte im Stresstest ebenfalls noch 7,1 Prozent erreicht. In den fünf Euro-Schuldenstaaten sind die Bayern jedoch nur noch mit gut 600 Millionen Euro engagiert. Die griechischen Staatsanleihen - 100 Millionen Euro - stehen zu Marktwerten in der Bilanz.
Helaba
Die Landesbank Hessen-Thüringen wäre im Stresstest selbst unter Berücksichtigung der Stillen Einlage des Landes Hessen - die die EBA nicht anerkannt hatte - unter der Marke von sieben Prozent hartem Kernkapital geblieben. Aus dem Geschäft mit den Schuldenstaaten hat sich die Helaba aber längst weitgehend zurückgezogen: knapp 900 Millionen Euro sind noch übrig, davon 53 Millionen griechische Staatsanleihen.
NordLB
Sie hatte als erste Landesbank griechische Staatsanleihen auf die Hälfte abgeschrieben, hatte allerdings schon vorher nur noch gut 100 Millionen Euro davon in den Büchern. In den fünf Schuldenstaaten zusammen lag ihr Engagement gegenüber Staaten und Kommunen Ende Juni noch bei 3,5 Milliarden Euro. Mit 5,6 Prozent hartem Kernkapital war sie zusammen mit der HSH Nordbank im Stresstest die schwächste deutsche Bank. Als einem der größten Schiffsfinanzierer kommt der NordLB auch eine gewisse Systemrelevanz zu.
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