Vorladung beim Bundestag: Deutsche-Bank-Chef Jain schickt Kollegen ins Kreuzverhör

Es geht um die Manipulation von Zinssätzen und um die Rolle der Deutschen Bank in der Affäre. Ende November sollte Co-Chef Anshu Jain deshalb vor den Finanzausschuss des Bundestags treten. Doch nun übernimmt ein anderer Vorstand die Aufgabe.

Deutsche-Bank-Manager Jain: Zur Großansicht
manager magazin

Deutsche-Bank-Manager Jain:

Frankfurt am Main - Eigentlich sollte Anshu Jain dem Parlament Rede und Antwort stehen. Doch nun schickt der vom Bundestag vorgeladene Co-Chef der Deutschen Bank seinen Vorstandskollegen Stephan Leithner ins Kreuzverhör zum Skandal um Zinsmanipulationen der Branche. Leithner werde als für Rechtsfragen zuständiger Vorstand dem Finanzausschuss in Berlin am 28. November Rede und Antwort stehen, sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch. Er bestätigte damit Vorabmeldungen der "Süddeutschen Zeitung" und der "Financial Times Deutschland".

Im Skandal um Manipulationen von Referenzzinssätzen ermitteln Behörden seit Monaten weltweit gegen Großbanken, darunter die Deutsche Bank, deren neuer Co-Chef Jain eigentlich selbst vor die Abgeordneten treten sollte. Den Geldhäusern wird vorgeworfen, zwischen 2005 und 2009 Zinssätze wie Libor und Euribor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen (siehe Fotostrecke unten). Allein auf dem Libor beruhen Finanztransaktionen im Volumen von schätzungsweise 500 Billionen Euro.

Im Falle der Deutschen Bank läuft schon länger eine Sonderprüfung der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Sie untersucht, ob das Institut strukturell genug getan hat, um Manipulationen im Hause zu verhindern. Die Libor-Vorwürfe betreffen das Investmentbanking - also jenen Bereich, den Jain jahrelang selbst führte.

Fotostrecke

5  Bilder
Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation
Die Deutsche Bank Chart zeigen verneinte bislang eine Mitverantwortung der Führungsspitze und hält die Manipulationen für das Werk einzelner Mitarbeiter, von denen einige Insider-Kreisen zufolge bereits suspendiert sind. Die britische Bank Barclays hat als erstes Institut eine Beteiligung an den Manipulationen eingeräumt und dafür fast eine halbe Milliarde Dollar Strafe gezahlt. Das Top-Management musste gehen.

suc/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Vielleicht
kahabe 21.11.2012
hat Sahib Jain keinen Termin frei, weil er sich zeitgleich vor der US-Staatsanwaltschaft zu den Machenschaften der Deutschen Bank im US-Hypothekengeschäft äußern muss.
2. Feiner Zwirn und kalter Stahl
max_sarrelibre 22.11.2012
Nur kurz nach meiner Banklehre, in der ich anfänglich voller Stolz das Logo der DB AG u.a. auf einer Krawatte trug, habe ich vor vielen Jahren dem ehrenwerten Bankhaus den Rücken gekehrt. Es war Scham angesichts der Geschäftsgebahren der DB in Zeiten des kalten Krieges und speziell dem Engagement in der sogenannten Dritten Welt, die mich zu diesem Schritt bewegten. Insofern wundert es mich nicht, dass heutzutage ein paar arme Hunde "hausintern" geopfert werden, um vermeintlichen Glanz und Gloria zu wahren. Denn die nach aussenhin propagierten hohen moralischen Werte wischt sich ein ehrenwerter Vorstandsvorsitzender der DB offenbar schon traditionell morgens mit dem hängengeblieben Cafecreama vom imaginären Bart oder spätestens auf der Morgentoilette ab. Es lebe die freie Bankenwirtschaft !
3. das ist zwar ein Kollege - aber das ist auch der fachlich Zuständige für diesen Job
labudaw 22.11.2012
Zitat von sysopmanager magazinEs geht um die Manipulation von Zinssätzen und um die Rolle der Deutschen Bank in der Affäre. Ende November sollte Co-Chef Anshu Jain deshalb vor den Finanzausschuss des Bundestags treten. Doch nun übernimmt ein Vorstandskollege den Job. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-chef-jain-schickt-leithner-zum-verhoer-beim-bundestag-a-868592.html
Er ist für die Untersuchungen zuständig (Compliance) und wenn nicht er, wer dann ?
4. hoffnungslos
lukas g 22.11.2012
Das alle Großbanken unzählige Tricks kennen und anwenden ihre Bilanzen zu verschönern ist klar. Wer so viel macht hat sogar zinssätze zu seinen Gunsten zu manipulieren der wendet diese auch an. Das ist zwar moralisch nicht korrekt, aber was ist das schon. Wenn jetzt wieder ein paar Leute abgesägt werden als Sündenböcke sind wieder alle glücklich und es geht genauso weiter...
5.
Jochen Binikowski 22.11.2012
Da für Banker und andere "systemrelevante Leistungsträger" offenbar die Gesetze nicht gelten bin ich mal gespannt ob im Falle einer Anklage Jain dann auch einen Hiwi zum Gericht und Haftantritt schicken darf.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Deutsche Bank
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare