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Wechsel an Konzernspitze: Deutsche Bank bestätigt Rücktritte von Fitschen und Jain

Jürgen Fitschen und Anshu Jain, die beiden Chefs der Deutschen Bank, haben überraschend ihren Rücktritt angekündigt. Nachfolger wird der Brite John Cryan - der 54-Jährige war bisher Mitglied des Aufsichtsrates.

Der Wechsel an der Spitze der Deutschen Bank ist bestätigt: Die Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain haben ihre Rücktritte angekündigt. Jain wird zum 30. Juni 2015 zurücktreten, Fitschen zum Abschluss der Hauptversammlung im Mai 2016, wie die Deutsche Bank Chart zeigen in Frankfurt mitteilte.

Dies habe der Aufsichtsrat am Sonntag in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen. Den Angaben zufolge entschieden sich Jain und Fitschen selbst zum Rückzug. Ihre Verträge wären eigentlich noch bis Ende März 2017 gelaufen.

Der Aufsichtsrat habe Jain gebeten, bis Januar 2016 der Bank als Berater zur Verfügung zu stehen. Der längere Verbleib von Fitschen an der Vorstandsspitze soll nach Angaben des Unternehmens "einen geregelten Übergang" sicherstellen.

Fitschen und Jain (Archiv): Ende der Doppelspitze Zur Großansicht
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Fitschen und Jain (Archiv): Ende der Doppelspitze

Aufsichtsratschef Paul Achleitner dankte Jain und Fitschen. "Ihre Entscheidung, ihr Amt früher als geplant niederzulegen, zeigt auf eine beeindruckende Weise ihre Einstellung, die Interessen der Bank vor ihre eigenen zu stellen".

Jain erklärte, nach der Aufstellung der neuen Strategie, die vor allem eine Schrumpfkur im Privatkundengeschäft sowie eine Trennung von der Postbank vorsieht, "ist es zu diesem Zeitpunkt die richtige Entscheidung für die Bank und für mich, eine neue Führung zu etablieren".

Nachfolger des Führungsduos wird John Cryan. Der 54-jährige Brite wurde zunächst vom 1. Juli 2015 an zum Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank ernannt. Nach dem Ausscheiden von Fitschen wird Cryan das Institut allein führen.

John Cryan wird von Mai 2016 an die Deutsche Bank allein führen Zur Großansicht
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John Cryan wird von Mai 2016 an die Deutsche Bank allein führen

Cryan ist seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank und hat die Funktion des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses inne. Er ist zudem Mitglied des Risikoausschusses. Mit Amtsantritt als Co-Vorstandsvorsitzender wird er sein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrats der Bank niederlegen.

Von 2008 bis 2011 war Cryan Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS. Nach dem Studium an der Universität Cambridge startete er seine Karriere 1982 bei den Wirtschaftsprüfern von Arthur Andersen in London, seit 1987 hatte er verschiedene Funktionen im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne.

Cryan sagte: "Unsere Zukunft hängt davon ab, wie gut wir unsere Strategie umsetzen, unsere Kunden überzeugen und die Komplexität reduzieren."

Milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten, eine unrühmliche Vergangenheit und eine maue Aktienkursentwicklung: Das Duo Jain/Fitschen steht seit Jahren in der Kritik.Im Mai straften die Aktionäre die Vorstandschefs bei der Hauptversammlung ab: Nur jeweils rund 61 Prozent stimmten für die Entlastung der Manager. Üblich sind bei Hauptversammlungen in Deutschland Zustimmungsraten von 95 Prozent und mehr. Für eine Entlastung der Aufsichtsratsmitglieder sprachen sich hingegen rund 91 Prozent der Wertpapierbesitzer aus.

Nach diesem heftigen Denkzettel der Aktionäre legte auch der Betriebsrat nach. In einem Flugblatt mit dem Titel "Wind of Change? Wind of Jain?" forderten die Arbeitnehmervertreter Jains Rücktritt, wie das "Handelsblatt" berichtete. Es war der erste offene Angriff auf den Manager.

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8  Bilder
Anshu Jain: Bilder einer kurzen Karriere

otr/lgr/dpa/AFP/Reuters

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1. Oh je
Ontologix II 07.06.2015
Jetzt übernehmen Goldman Sachs und BlackRock vermutlich auch noch den Rest der Deutschebank.
2. Gut zu Wissen
spon-facebook-10000125527 07.06.2015
Cryan war von 2008 bis 2011 Finanzchef der UBS.
3. Interessant
KJB 07.06.2015
Ob sich jetzt etwas zum guten bessert darf bezweifelt werden. Cryan wird wie Jain der Deutschen Bank angelsächsische Gepflogenheiten der Finanzindustrie überstülpen. Um als Global Player weiterhin eine Rolle zu spielen wird das Investmentbanking der DBK wieder gnadenlos ausgebaut werden den nur im Investmentbanking gibts Renditen im zweistelligen % Bereich.
4. Der Name der Bank ...
winki 07.06.2015
ist "Deutsche Bank". Warum ist es nicht möglich einen Deutschen als Chef zu finden. Offenbar sind deutsche Bänker nicht fähig dazu. Ausgerechnet ein Brite, bei denen nicht sicher ist ob sie in der EU bleiben und den Euro sind sie auch nicht beigetreten. In Frankreich wäre es unmöglich, wenn ein Deutscher deren größte Bank führt.
5. Aha...
nichtsalsverdrus 07.06.2015
...der bisherige Vorsitzende des Prüfungsausschusses und Mitglied des Risikoausschusses, der in der Vergangenheit die Unregelmäßigkeiten und Risiken offensichtlich nicht erkannt hat, soll jetzt die alleinige Spitze darstellen. Noch dazu ein Brite aus dem Stammland der Zocker und ehemaliger Chef der UBS, bei der es nicht anders lief als bei der DB. Bei den "Kompetenzen" weiß man ja jetzt schon, wie es weitergeht.
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