Finanzmärkte Chinesen erhöhen Einfluss bei der Deutschen Bank

Das chinesische Konglomerat HNA steigt zum größten Aktionär des bedeutendsten deutschen Geldhauses auf. Der Anteil liegt jetzt bei knapp zehn Prozent.

Deutsche Bank in Frankfurt
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Deutsche Bank in Frankfurt

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Wenige Wochen nach dem Einstieg bei der Deutschen Bank baut die chinesische HNA-Gruppe ihre Beteiligung an dem Finanzkonzern aus. Im Februar hatte der Investor seinen Einstieg öffentlich gemacht und zunächst etwas mehr als drei Prozent der Anteile erworben. Als Vehikel für den Einstieg diente der Wiener Vermögensverwalter C-Quadrat. Dessen Gründer Alexander Schütz soll bei der Hauptversammlung am 18. Mai in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewählt werden.

Schon im März war durchgesickert, dass es dabei nicht bleiben soll, wenig später erhöhte HNA über C-Quadrat auf rund 4,8 Prozent. Nun haben die Chinesen offenbar den nächsten Schritt gemacht und halten nahezu ein Zehntel der Aktien. C-Quadrat wollte sich dazu nicht äußern, ebenso wie die Deutsche Bank.

Damit hat HNA den bislang zweitgrößten Deutsche-Bank-Aktionär Blackrock überholt, der amerikanische Fondsgigant ist mit rund sechs Prozent beteiligt. So einflussreich wie HNA ist nur noch der katarische Scheich Hamad bin Jassim bin Jaber al-Thani, der gemeinsam mit seinem Cousin ebenfalls auf knapp zehn Prozent der Anteile kommt.

Im vergangenen Jahr hatten Investoren zeitweise auf einen Zusammenbruch der Deutschen Bank spekuliert, weil in den USA eine Strafe von bis zu 14 Milliarden Dollar für fragwürdige Geschäfte am US-Immobilienmarkt drohte. Tatsächlich fiel die Strafe dann nur etwa halb so hoch aus. HNA nutzte den niedrigen Aktienkurs zum Einstieg. Seitdem hat sich der Aktienkurs erholt, und die Bank sich mit einer Kapitalerhöhung stabilisiert.

Die HNA-Gruppe ging Anfang des Jahrtausends aus einer chinesischen Fluggesellschaft hervor, ist aber mittlerweile zu einem der größten Finanzkonglomerate des Landes aufgestiegen. In Deutschland soll HNA auch an der HSH Nordbank interessiert sein, die EU-Kommission hatte die Privatisierung der Landesbank angeordnet, nachdem Hamburg und Schleswig-Holstein das Institut mit Staatshilfen vor dem Zusammenbruch bewahrt hatten.



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