Deutsche Bank Ackermanns Intimfeind Börsig kehrt zurück

Comeback für einen Ausgestoßenen: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig die Leitung der Deutsche Bank Stiftung übernehmen. Im Konzern sorgt das für Unruhe. Börsig galt als Feind des früheren Konzernlenkers Ackermann - und als Freund des neuen Chefs Anshu Jain.

Ex-Aufsichtsratschef Börsig (l.), Ackermann: Beide gingen, einer kommt zurück
REUTERS

Ex-Aufsichtsratschef Börsig (l.), Ackermann: Beide gingen, einer kommt zurück

Von


Hamburg - Als Josef Ackermann auf seinen Nachfolger Anshu Jain angesprochen wurde, wollte er eigentlich gar nichts sagen. Am Ende sagte er natürlich doch etwas: Jemand, der "in Teilbereichen Erfahrungen" gemacht habe, sei "vielleicht auch hervorragend geeignet", einen Kulturwandel mitzumachen. Viel schwächer kann die Unterstützung für den amtierenden Deutsche-Bank-Chef kaum ausfallen.

Solch kleine Gemeinheiten wie bei der von SPIEGEL und Körber-Stiftung veranstalteten Gesprächsreihe "Der Montag an der Spitze" leistet sich Ackermann immer mal wieder. Es sind Zeichen dafür, dass die Wunden, die der Machtkampf des vergangenen Jahres gerissen hat, bei dem Schweizer längst noch nicht wieder verheilt sind.

In der Bank selbst drohen diese Wunden gerade sogar wieder aufzureißen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE will der neue Vorstand um Jain und seinen Co-Chef Jürgen Fitschen ausgerechnet Ackermanns Intimfeind Clemens Börsig zum Vorstandschef der Deutsche Bank Stiftung machen, in der die karitativen Projekte und die Kulturförderung der Bank gebündelt sind. Vorstand und Aufsichtsrat seien sich einig, dass Börsig den Posten zum 1. Januar vom bisherigen Stiftungschef Tessen von Heydebreck übernehmen soll, sagten Insider.

Ein Konzernsprecher wollte die Personalie auf Anfrage nicht bestätigen. Vorsitzender der Stiftung sei von Heydebreck, sagte er. Schon im April hatte der SPIEGEL berichtet, Börsig werbe im Vorstand darum, die Stiftung leiten zu dürfen.

Börsigs Nominierung ist nicht nur ein Affront gegen Ackermann, sondern auch gegen alle anderen Mitarbeiter, mit denen es sich der frühere Aufsichtsratschef verscherzt hat - und das sind ziemlich viele.

Börsig hat in den vergangenen Jahren viele Fehler gemacht. 2009, als die Bank erstmals nach einem Nachfolger für den damaligen Vorstandschef Ackermann suchte, schlug Börsig sich kurzerhand selbst vor. Nur um das zu verhindern, willigte Ackermann ein, doch noch ein bisschen länger Chef zu bleiben.

2011 eskalierte der Machtkampf mit Ackermann: Nachdem der Aufsichtsratschef Ackermanns Wunschkandidaten für den Chefposten, den ehemaligen Bundesbankpräsidenten Axel Weber, so lange hingehalten hatte, bis dieser woanders unterschrieb, setzte Börsig seine Kandidaten Jain und Fitschen durch - gegen den Widerstand von Ackermann. Am Ende des Kampfes mussten sowohl Ackermann als auch Börsig gehen. Auf der letzten Hauptversammlung Ende Mai stellten viele Investoren Börsig ein schlechtes Abschlusszeugnis aus. Sie wollten dem Aufsichtsrat sogar die Entlastung verweigern.

Nun sieht es zumindest so aus, als dankten Jain und Fitschen ihrem Förderer Börsig die Hilfe von damals mit dem Posten an der Stiftungsspitze. Damit bringen sie nicht nur die verbliebenen Ackermann-Getreuen im Konzern gegen sich auf, sondern nähren auch die Zweifel an der Ausgewogenheit in der Doppelspitze.

Schon die ersten Personalentscheidungen der beiden neuen Chefs hatten den Eindruck erweckt, dass im Konzern künftig vor allem die Investmentbanker um Anshu Jain das Sagen haben. Fitschen dagegen brachte nur wenige Vertraute mit in den obersten Führungszirkel der Bank. Mit Börsig soll nun ein weiterer Mann aus dem Jain-Lager an eine wichtige Position rücken. Auch die zweite gesellschaftspolitische Institution der Bank, die Alfred Herrhausen Gesellschaft, wird ab Januar von einem Jain-Vertrauten geleitet: dem ehemaligen deutschen Botschafter in London, Thomas Matussek.



insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
adam68161 30.10.2012
1. Ackermann und Börsig -
beide geben sich nichts in ihrer völligen Unfähigkeit, eine Bank zu führen. Beide haben der Bank und ihren Eigentümern schwer geschadet. Es ist unverständlich, weshalb spon die unverschämte Bemerkung Ackermanns nochmals zitiert, aber auch Börsigs egomane Pirouetten sind doch kein Wort der Erwähnung wert: beide waren und sind schlicht ichverliebte Nullen!
MiniDragon 30.10.2012
2. Sinneswandel ?
Nanu? Ist man man beim Spiegel dabei allmählich sei Urteil über Ackermann etwas revidieren ? Mir jedenfalls wäre wesentlich wohler, wenn dieser Mensch irgendwo in Berlin oder Brüssel etwas mitbestimmen könnte. In Bochum sollte er mal im Stadttheater einen Vortrag halten. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagt Vortrag im Bochumer Schauspielhaus ab (http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=5944&catid=126&Itemid=62) Auf das, was der Josef vorzutragen gehabt hätte, wäre ich viel neugieriger gewesen als auf das was der Peer so zu sagen pflegt. Ackermann hat es auch nie nötig, noch was dazuzuverdienen :-)
perlhuhn. 30.10.2012
3.
Clemens Börsig scheint mir weniger der Sozius eines Gesetzten zu sein, als ein intimer Kenner der Deutschen Industrie und ihrer "Myzelien", die ihm bei der bevorstehenden Aufgabe, von hohem Nutzen sein können.
thomas.b 30.10.2012
4.
Herrlich. Machtkämpfe und Ego-Spiele unter älteren Herren. Alles im Lot also...
Luna-lucia 30.10.2012
5. ohh, dann gibt's
Zitat von perlhuhn.Clemens Börsig scheint mir weniger der Sozius eines Gesetzten zu sein, als ein intimer Kenner der Deutschen Industrie und ihrer "Myzelien", die ihm bei der bevorstehenden Aufgabe, von hohem Nutzen sein können.
sicher wieder frische Knete für das Streubomben-Forschungsteam. Jaja, Deutsche Bank - Leistung aus Leidenschaft - aber ziemlich oft in die falsche Richtung
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.