Deutsche Bank in der Image-Krise: Hochmut und Fall der Hybris-Banker

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Kirch-Prozess, Umsatzsteuerbetrug, Zinsmanipulationen: Die Fehler der Vergangenheit holen die Deutsche Bank ein. Über Jahre hat sie eine Kultur der Überheblichkeit geduldet, wenn nicht befördert. Die neuen Chefs müssen mehr tun, um einen echten Wandel zu schaffen.

Vorstandschef Fitschen (l.) und Jain: Kampf für den Kulturwandel Zur Großansicht
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Vorstandschef Fitschen (l.) und Jain: Kampf für den Kulturwandel

Hamburg - Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert, will das Sprichwort weismachen. Manchmal lebt es sich dann aber auch ziemlich unbequem. Auf die Deutsche Bank trifft derzeit die letztere Variante zu.

Die gesamte Finanzbranche hat über Jahre hinweg eine Kultur der Hybris gepflegt. Viele Geldmanager glaubten, sie seien die Größten, Reichsten und Cleversten. Gesetze und Moral galten ihnen wenig bis nichts, und selbst die eigenen Kunden wurden getäuscht und belächelt. Auch die Deutsche Bank hat diese zweifelhafte Kultur zumindest geduldet, wenn nicht gar gefördert - und sie bekommt nun die Rechnung dafür serviert.

Die deutsche Justiz geht in diesen Tagen hart gegen das größte Geldhaus des Landes vor. Am Mittwoch schickte die Frankfurter Staatsanwaltschaft 500 Steuerfahnder die Konzernzentrale und ließ fünf Mitarbeiter festnehmen. Es geht um Betrügereien im Handel mit Emissionsrechten. Die Bank musste einräumen, dass auch gegen Fitschen persönlich ermittelt wird, weil er 2010 eine fehlerhafte Umsatzsteuererklärung des Konzerns unterschrieben hatte.

Am diesem Freitag nun der nächste Schlag: Das Oberlandesgericht München verurteilte die Bank im sogenannten Kirch-Prozess zur Zahlung von Schadensersatz. Die Höhe wurde noch nicht festgelegt. Ein paar hundert Millionen Euro dürften es aber schon werden.

International laufen weitere Klagen und Ermittlungen. So sollen Händler der Bank in den Skandal um manipulierte Referenzzinssätze verwickelt gewesen sein. In den USA soll das Institut zudem beim Handel mit Ramschhypotheken falsche Angaben gemacht haben.

Auf den ersten Blick haben all diese Fälle nichts miteinander zu tun - außer, dass ihre Ursprünge mehrere Jahre zurückliegen. Die Causa Kirch ist die älteste, sie datiert aus dem Jahr 2002. Der damalige Bankchef Rolf Breuer hatte in einem Fernsehinterview öffentlich die Kreditwürdigkeit eines Kunden angezweifelt, des inzwischen verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch. Dieser machte die Bank deshalb für den Untergang seines Konzerns verantwortlich.

Doch in Wahrheit gibt es eine Verbindung zwischen all diesen Fällen. Die Hybris, mit der Breuer vor laufender Kamera über seinen Kunden herzog, entspringt dem gleichen Ungeist, mit dem sich Deutsche-Bank-Mitarbeiter an der Manipulation des Libor-Zinssatzes beteiligten.

Im Investmentbanking sitzen immer noch die alten Kader

Egal, ob nun alle Anschuldigungen zutreffen, die öffentliche und private Kläger gegen die Bank erheben: Auffällig ist, wie heftig gerade die Justiz derzeit gegen das Institut vorgeht. Es ist die Summe der Skandale, die die Deutsche Bank belastet. Sie hat sich über Jahre hinweg den Ruf erarbeitet, dass man ihr alles zutrauen kann. Nun muss sie mit den Folgen dieses Imagedebakels kämpfen.

Die neue Führung hat das zumindest erkannt. Kurz nach ihrer Amtsübernahme im Juni riefen die beiden Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain einen Kulturwandel aus. Nicht jedes Geschäft das gesetzlich erlaubt sei, sei auch moralisch richtig, heißt es nun. Man strebe eine größere "gesellschaftliche Akzeptanz" an.

Der Vorsatz klingt ehrenwert, doch er muss auch glaubwürdig umgesetzt werden. Ein paar Änderungen am Bonussystem werden dafür nicht ausreichen. Die neue Führung muss vielmehr im ganzen Konzern klarmachen, dass sie mit der Überheblichkeitskultur der Vergangenheit brechen will.

Ob das so schnell gelingt, ist fraglich. Schließlich sitzen gerade im Investmentbanking in London, New York und Frankfurt zum Großteil immer noch die Leute, denen die alte Kultur jahrelang eingeimpft wurde. Da ist es auch nicht gerade hilfreich, wenn die Bank bei jedem neuen Skandal nur von "einigen, wenigen Händlern" spricht, die sich falsch verhalten hätten, und dem Rest die Absolution erteilt. Ein bisschen mehr Mut zur persönlichen Verantwortung wäre wünschenswert.

Das gilt vor allem für Anshu Jain. Mehr denn je stellt sich die Frage, wie er den Wandel vermitteln will. Jain selbst war als Chef des Investmentbankings jahrelang der Fixpunkt des alten Systems. In seinen Verantwortungsbereich fällt ein Großteil der nun diskutierten Skandale - auch wenn ihm nie eine direkte Beteiligung nachgewiesen wurde.

Mag sein, dass der Co-Chef der Bank es ernst meint mit dem Wandel. Doch er trägt eine gewaltige Last aus der Vergangenheit mit sich herum. Um sie abzuwerfen, wird es mehr brauchen als nette Worte und gute Juristen.

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1.
XXYYZZ 14.12.2012
Warum wird der Herr, der unserer Wendehals-Kanzlerin als sogenannter Berater ins Ohr flüsterte und sie sein GEBURTSTAGSESSEN IM KANZLERAMT ausrichtete, hier nicht genannt? Es ist der "ehrenwerte" Herr Ackermann, dem Angie an den Lippen hing. Ein Schelm, wer sich was dabei denkt, daß Merkel noch immer fleißig die Verluste von Banken mit Steuergeld auffängt!
2.
eigutewie 14.12.2012
tja die arroganten Typen braucht kein Mensch. Wie wäre es mal mit einem Model in dem es gar keine Banken gibt, bzw. macht doch alles unter dem Oberbegriff EZB. dann können wir endlich mit Billionen rechnen die leben alles davon Geld ö
3.
wst001 14.12.2012
Zitat von sysopdapdKirch-Prozess, Umsatzsteuerbetrug, Zinsmanipulationen: Die Fehler der Vergangenheit holen die Deutsche Bank ein. Über Jahre hat sie eine Kultur der Überheblichkeit geduldet, wenn nicht befördert. Die neuen Chefs müssen mehr tun, um einen echten Kulturwandel zu schaffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-der-kirch-prozess-und-die-lasten-der-vergangenheit-a-873027.html
Was heißt hier Fehler der Vergangenheit ?? die aus der "vergangenheit" sitzen heute im vorstand...... über was reden sie denn da ..... ich versteh nix mehr -- jeder weiß, dass wer mit anderen leuten geld spielt und zockt kein anrecht darauf hat banker bezeichnet zu werden --- wie immer stinkt der fisch vom kopf ..... ekelhaft in seidenanzug
4. Nachwuchsförderung
Zaphod 14.12.2012
Nun gilt es, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Nur neue, junge, hochqualifizierte Mitarbeiter können einen Wechsel einleiten. Dazu ist es jedoch erforderlich, dass die Universitäten entsprechende Bildung (nicht Ausbildung!) vermitteln. Die Studenten müssen wieder lernen, NEIN! zu sagen. Sie müssen lernen, selbst zu denken und zu erkennen, ob etwas gut oder schlecht ist. Sie müssen den Mut haben, gegen ihre Vorgesetzten ihre Ideale zu verteidigen. Vor allen Dingen müssen ihnen Ideale begebracht werden. Das gängige BWL-Studium sieht als einziges Ideal die Gewinnmaximierung. Dies ist zu eng gedacht. Coroporate Responsibility ist keine weitere Methode, um die Gewinne zu erhöhen, sondern ein wert-haltiges Verhalten, das die Gesellschaft von ihren "High Potentials" erwarten kann. Seid Sand - nicht Öl - im Getriebe der Welt. Das müssen die Professoren ihren Studenten mit auf den Weg geben, damit wir eine neue selbstbewusste Generation von Arbeitnehmern haben, die nicht mehr alles mitmachen, sondern das Gemeinwohl über den Eigennutz, den Verzicht über die Akkumulation und die Ernsthaftigkeit über den Zynismus stellt und so wärmender Sand wird anstatt alles verpestendes Öl!
5. Wer wie ich
leon01hard 14.12.2012
30 Jahre Kunde dieser "Deutschen" Bank war, alle Immobilien über die DB finanzierte, fast jeden Kredit frühzeitig abgelöst hat.... und dann mit 60 Jahren eine Refinanzierung braucht, der lernt diese Brüder richtig kennen! Von wegen "Deutsche" Bank. Ihr seid keinen Deut besser als jede andere miese Universalbank - egal von welchem Kontinent. Schön, dass es noch VOLKSBANKEN gibt. Die haben den ganzen toxischen Mist nicht mitgemacht und verstehen noch was vom KUNDEN. Mein Geschäft, das meiner Familie, meiner Kinder und das meiner Freunde seid ihr jedenfalls los - und zwar für immer. Bei Euerer allabendlichen Werbung wird mir jedenfalls schlecht.. Wenn ich die Artikel lese, dann denke ich: Der Herr ist gerecht...
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