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Deutsche Bank: Der verpatzte Abgang des Josef Ackermann 

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Der Gewinn schrumpft, die Polizei durchsucht das Büro - und nun folgt der Rückzieher vom angepeilten Aufsichtsratsposten. Wenige Monate vor seinem Karriereende geht es für Josef Ackermann steil bergab. Dabei hatte der Chef der Deutschen Bank doch alles ganz anders geplant. 

Josef Ackermann: Schwere Wochen für den Deutsche-Bank-Chef Zur Großansicht
REUTERS

Josef Ackermann: Schwere Wochen für den Deutsche-Bank-Chef

Hamburg - Er hatte es sich so schön gedacht: Im Februar würde Josef Ackermann zum letzten Mal das Jahresergebnis der Deutschen Bank verkünden - einen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro vor Steuern. Drei Monate später, im Mai, würde er sich dann bei der Hauptversammlung unter dem Jubel der Aktionäre in den Aufsichtsrat verabschieden. Er würde sich rühmen, die Bank sicher durch die Finanzkrise gesteuert und das stabile Privatkundengeschäft mit dem Zukauf der Postbank Chart zeigen gestärkt zu haben. Ein strahlender, ein makelloser Abgang sollte es werden.

Daraus wird nun nichts. Das Gewinnziel ist längst gekippt. Und am Montagabend teilte die Deutsche Bank Chart zeigen mit, dass Ackermann nicht wie geplant in den Aufsichtsrat einziehen werde. Stattdessen soll der bisherige Allianz-Vorstand Paul Achleitner den Posten des Chefaufsehers übernehmen.

Es ist das Ende eines Machtkampfs zwischen Ackermann und dem bisherigen Aufsichtsratschef Clemens Börsig - und der vorläufige Tiefpunkt in der Karriere des Schweizer Bankers.

Eigentlich hatten sich Ackermann und Börsig im Sommer auf einen Kompromiss geeinigt: Börsig setzte seine Wunschkandidaten für die Konzernspitze gegen den Widerstand Ackermanns durch: Das Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen soll ab Mai kommenden Jahres die Geschicke der Bank leiten. Ackermann sollte im Gegenzug den Posten des Aufsichtsratschefs von Börsig übernehmen - und damit die Möglichkeit, den ungeliebten Vorstandschefs auf die Finger zu schauen.

Dieser Deal wurde nun gekippt. Offiziell lässt Ackermann mitteilen, die schwierige Situation auf den Finanzmärkten verlange "meine volle Aufmerksamkeit als Vorsitzender des Vorstands der Bank" und lasse "keinen Raum für die zur Realisierung des Vorhabens erforderlichen vielen Einzelgespräche mit Aktionären".

In der Tat hätte Ackermann um die Stimmen der Großaktionäre werben müssen, um den rechtlich komplizierten Wechsel von der Vorstands- an die Aufsichtsratsspitze zu regeln. Dazu hätte er 25 Prozent der Aktionärsstimmen gebraucht - was als schwierig galt.

Doch hinter seinem Verzicht könnte noch mehr stecken als nur juristische Bedenken oder schwieriges Zeitmanagement. In jüngster Zeit hatten sich Berichte über angeblichen Unmut innerhalb der Führungsspitze gehäuft. Schon länger hieß es, man plane Szenarien ganz ohne Ackermann. Entsprechend nervös hatten sich Vertraute des Bankchefs in den vergangenen Wochen gezeigt.

Die Razzia war der jüngste Kratzer im Image

Ackermanns öffentliches Bild hatte zuletzt gehörige Kratzer bekommen. Der jüngste war erst wenige Stunden vor seinem offiziellen Rückzug bekannt geworden: Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Ackermann. Die Ermittler werfen ihm vor, als Zeuge im Prozess gegen seinen Vorgänger Rolf Breuer die Unwahrheit gesagt zu haben. Vergangene Woche wurde deshalb sogar sein Büro in Frankfurt durchsucht. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe als haltlos zurück.

Breuer wird von den Anwälten des inzwischen verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch beschuldigt, im Februar 2002 in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit bezweifelt und so den Zusammenbruch seines Medienimperiums mitverursacht zu haben. Ackermann war in diesem Prozess bisher nur als Zeuge geladen. Doch nun steht er selbst im Visier der Ermittler.

Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft ist sicher nichts, womit ein scheidender Deutsche-Bank-Chef seine persönliche Bilanz schmücken könnte. Doch alleine hätte dies wohl kaum ausgereicht, um Ackermanns Ambitionen auf den Aufsichtsratsposten zu Fall zu bringen.

In den vergangenen Wochen waren so viele Dinge zusammengekommen, dass der Druck am Ende offenbar zu groß wurde.

Neben dem Machtkampf mit Börsig und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war es vor allem sein Rückzieher bei den Geschäftszahlen, der Ackermanns Stellung geschwächt hat. Einen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro vor Steuern hatte er den Aktionären angekündigt - und auch dann noch verbissen an diesem Ziel festgehalten, als die erneute Verschärfung der Finanzkrise die Zahl schon längst unrealistisch erschienen ließ. Erst Anfang Oktober räumte Ackermann ein, dass die zehn Milliarden nicht mehr zu erreichen seien. Die Anleger reagierten schockiert, die Aktie brach ein. Nun muss das Unternehmen sogar Stellen streichen.

Es könnte sogar noch schlimmer kommen. Ungemach droht vor allem aus den USA, wo die Deutsche Bank mit zahlreichen Schadensersatzklagen zu kämpfen hat. Die größte kommt von der amerikanischen Regierung: Sie wirft dem Institut und seiner Immobilientochter MortgageIT vor, zu Unrecht staatliche Zuschüsse für windige Hypothekengeschäfte kassiert zu haben. Es geht um eine Milliarde Dollar. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe als nicht stichhaltig zurück. Eine Verurteilung hätte dennoch das Potential, den Abgang des Deutsche-Bank-Chefs noch mehr zu vermiesen.

Auch in Berlin, wo Ackermann sich zwischenzeitlich einen guten Ruf erarbeitet hatte, war der Rückhalt für Deutschlands obersten Banker zuletzt geschwunden. Seit sich die Finanzkrise wieder verschärft hat, versuchen Politiker aller Parteien sich mit harten Angriffen gegen die Bankenbranche zu profilieren - und an deren Spitze steht nun einmal Ackermann, wenn auch nur noch für sechs Monate.

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insgesamt 71 Beiträge
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1. Ehrlichkeit
Pepito_Sbazzagutti 14.11.2011
Ein ehrlicher Chef eines Unternehmens muss sich über einen verpatzten Abgang keine Sorge machen :-)
2. Bauernweisheit
weltbetrachter 14.11.2011
Hochmut kommt vor dem Fall. ---- Mehr ist hierzu nicht zu sagen !
3. 1²³
cp³, 14.11.2011
Hauptsache seine Chefsekretärin, Frau Merkel, bleibt ihm treu. Ein sicheres Plätzchen für die Geburtstagsparty ist ihm immer sicher bei ihr.
4. jetzt nur noch Lobby-Arbeit ???
weltbetrachter 14.11.2011
Hartz-IV wird Herr Ackermann wohl trotzdem nicht beantragen müssen. Er hat ja auch noch den einen oder anderen Posten beim Bankenverband usw. usw. usw. Leztlich können solche Leute auch noch mit schwungvollen Reden und Vorträgen jede Menge Kohle absahnen.
5. Als Aktionär der Deutschen Bank
WILHHERDE 14.11.2011
werde ich ihn vermissen. Selbst wenn die DBk nach Steuern nur 5 Milliarden Euro Nettogewinn einfährt statt 10 Milliarden vor Steuern und Zinsen (EBIT) werde ich ihn in guter Erinnerung behalten.
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Zur Person
Josef Ackermann, Jahrgang 1948, kam als Sohn eines Schweizer Arztes zur Welt und wuchs in dem kleinen Städtchen Mels auf. Sein Studium absolvierte er an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen, 1977 promovierte er zum Dr. oec. Nach beruflichen Stationen bei der Schweizer Kreditanstalt und der Credit Suisse kam Ackermann 1996 zur Deutschen Bank, zunächst als Vorstand für den Geschäftsbereich Kreditrisiken.
Im Mai 2002 übernahm Ackermann die Führung des angeschlagenen Finanzinstituts, das er mit einem harten Sanierungskurs wieder in die Spitzengruppe der globalen Geldhäuser brachte. Ackermann ist einer der umstrittensten Manager des Landes - unter anderem, weil er auch in der Finanzkrise stur am Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent festhielt.

Kritiker werfen ihm vor, dabei zu sehr auf das Investmentbanking zu setzen und den Heimatmarkt zu vernachlässigen. Ackermanns Lebensmittelpunkt ist in Zürich. Der Opernfan ist verheiratet und hat eine Tochter.


Zahlen und Fakten
Die Deutsche Bank ist das größte Geldinstitut Deutschlands und beschreibt sich selbst als "eine führende globale Investmentbank" mit starkem Privatkundengeschäft. Mehr als 80.000 Mitarbeiter gehören weltweit zu dem Konzern, der in 72 Ländern tätig ist. Die Bank, an deren Spitze Josef Ackermann steht, verdiente im Jahr 2010 nach Steuern 2,3 Milliarden Euro. Der bisherige Rekord lag im Geschäftsjahr 2007, als am Ende 6,5 Milliarden Euro unterm Strich standen.

Aufstieg und Niedergang des Kirch-Imperiums
Der Aufbau des Kirch-Imperiums
Mit geliehenem Geld kaufte der Student Leo Kirch 1956 die Rechte für Federico Fellinis Film "La Strada". In den folgenden Jahren baute er eines der größten Medienimperien in Europa auf.

1956: Kirch eröffnet ein Filmhandelsgeschäft. Für ARD und ZDF wird er zum wichtigen Filmlieferanten.

1985: Kirch gründet mit mehreren Verlagen den ersten Privatsender Sat.1.

1997: Kirchs Sender ProSieben geht an die Börse.

1999: Silvio Berlusconi stiegt beim Film- und Sportrechtehandel KirchMedia ein.

2000: Rupert Murdoch steigt bei Kirchs defizitärem Abosender Premiere ein. ProSiebenSat.1 geht an die Börse.

Sommer 2001: Kirch kauft die Formel-1-Rechte.

Der Niedergang des Kirch-Imperiums
Verluste beim Pay-TV trieben den Konzern 2002 in die Pleite.

Dezember 2001: Spekulationen über akute Geldnöte Kirchs; Murdoch bestreitet Pläne für eine feindliche Übernahme.

Januar 2002: Die Dresdner Bank fordert einen 460-Millionen-Euro-Kredit zurück. Springer will ProSiebenSat.1-Anteile für 770 Millionen Euro zurückgeben. Der Kirch-Konzern beziffert seine Schulden auf 6,1 Milliarden Euro.

Februar 2002: Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer bezweifelt Kirchs Kreditwürdigkeit. ProSiebenSat.1 meldet einen Gewinneinbruch. Murdoch kündigt seinen Ausstieg bei Premiere an und fordert 1,6 Milliarden Euro zurück.

8. April 2002: KirchMedia meldet Insolvenz an.

(Quelle: dapd)


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