Geldwäsche-Razzia Die Krankheit der Deutschen Bank

Eigentlich wollte die Deutsche Bank sauberer werden, doch ihr Skandal-Image verfestigt sich. Jüngster Anlass ist eine Razzia wegen des Verdachts der Geldwäsche, bei dem auch die neue Bankführung keine gute Figur macht.

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Eine Analyse von


Es gibt diese Szene im Filmklassiker der Pate, Teil 3, als Familienoberhaupt Michael Corleone, der endlich die Geschäfte des Clans legalisieren will, den Satz sagt: "Gerade als ich dachte, ich bin raus, ziehen Sie mich wieder rein!"

Der Satz erinnert stark an die Deutsche Bank. Das Geldhaus wird seit geraumer Zeit von den amerikanischen Behörden wie eine kriminelle Vereinigung behandelt. Und wie Don Corleone versucht der Finanzkonzern seit Jahren, seine skandalöse Vergangenheit abzuschütteln, sein Renommee zu verbessern und wieder ordentlich Geld zu verdienen.

Aber jedes Mal, wenn es ein bisschen Hoffnung gibt, folgt der nächste Rückschlag, der die Öffentlichkeit daran erinnert, in welchem Sumpf die Deutsche Bank eigentlich steckt. Der aktuellste Vorfall ist die spektakuläre Razzia in der Frankfurter Konzernzentrale am Donnerstagmorgen, bei der die Staatsanwaltschaft mithilfe von 170 Polizisten Unterlagen sicherstellte. Der Vorwurf: Mitarbeiter des Konzerns sollen Kunden dabei geholfen haben, sogenannte Off-Shore-Gesellschaften in Steuerparadiesen zu gründen und Gelder aus Straftaten zu waschen.

Die Deutsche Bank teilte mit, man sei der Ansicht gewesen, "den Behörden alle relevanten Informationen" zu den sogenannten "Panama Papers" bereitgestellt zu haben, werde aber selbstverständlich weiter eng mit der Staatsanwaltschaft kooperieren.

Niedrige Gewinnmargen, hohe Geldsummen

Das eigentliche Verblüffende ist nicht, dass die Deutsche Bank ein Geldwäscheproblem hat; das ist seit Langem bekannt (mehr dazu lesen Sie hier). Sondern dass es sich um einen Fall handelt, der sich laut Staatsanwaltschaft bis ins Jahr 2018 zieht.

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf, allen voran:

  • Wieso hält sich das Thema Geldwäsche bei der Deutschen Bank so hartnäckig?
  • Und warum gelingt es der Deutschen Bank nicht, aus den Schlagzeilen zu kommen?

Die erste Frage ist relativ leicht zu beantworten. Die Deutsche Bank gehört zu den weltgrößten Zahlungsverkehrsabwicklern. Zusammen mit der britischen HSBC und einigen amerikanischen Wettbewerbern bietet sie ihren Kunden einen weltweiten Service an, Zahlungsströme möglichst geräuschlos und effizient abzuwickeln.

Das Geschäft ist ein Massengeschäft, das heißt: Die Gewinnspannen sind gering, umso mehr zählt, dass eine Bank möglichst viele Zahlungen über ihre Systeme abwickeln kann. Ihr sogenanntes Global Transaction Banking ist die einzig verbliebene Sparte, mit der die Deutsche Bank noch zur Weltspitze gehört.

Deutsche-Bank-Gebäude in Frankfurt
REUTERS

Deutsche-Bank-Gebäude in Frankfurt

Dieses Geschäft boomt, weil die Weltwirtschaft boomt und immer enger verflochten ist.

Aber es bietet auch ein Einfallstor für Betrüger und Geldwäscher.

Die Logik ist simpel: Wenn täglich Geldströme im dreistelligen Milliardenbereich abgewickelt werden, fällt vielleicht gar nicht auf, dass im Millionenbereich geschummelt wird - etwa, wenn Briefkastenfirmen Diktatoren-Geld waschen und dafür Konten der Deutschen Bank oder der mit ihr lange geschäftlich verbundenen Danske Bank nutzen. Auch in den Reihen der Bank gab es in der Vergangenheit immer wieder kriminelle Energie, die dafür sorgte, dass Betrüger ihr Handwerk erledigen konnten. Solange jedenfalls, bis alles aufflog.

Schwieriger wird es bei der Antwort auf die zweite Frage. Sechs Jahre ist es her, dass Josef Ackermann die Deutsche Bank verlassen hat. Seither haben vier Vorstandsvorsitzende versucht, mit den Altlasten aus der Ära des Schweizers Über-Chefs aufzuräumen und die Bank wieder salonfähig zu machen. Ende 2018 lässt sich feststellen: Sie alle sind gescheitert.

Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen
DPA

Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen

Jürgen Fitschen und Anshu Jain haben offenbar selbst nicht an den von Ihnen ausgerufenen Kulturwandel geglaubt, mit dem sie die Bank reinigen wollten. Jain war einer der Hauptverantwortlichen für die Skandale der Bank.

Ihr Nachfolger John Cryan war ein Zahlenschubser, der lieber Excel-Tabellen studierte statt dem Haus eine Zukunftsvision zu verpassen und die richtigen Leute an die entscheidenden Stellen zu setzen.

John Cryan (l.), mit Aufsichtsratschef Achleitner
DPA

John Cryan (l.), mit Aufsichtsratschef Achleitner

Seit gut einem halben Jahr nun führt Christian Sewing den Vorstandsvorsitz. Das Eigengewächs vermittelt den Eindruck, an allen Fronten wie ein Löwe zu kämpfen und der Bank ihr Selbstbewusstsein zurückzugeben. Zum Start in den neuen Job rief er aus, die Banker müssten ihre "Jägermentalität" wieder entdecken. Intern wie extern kam das nicht besonders gut an, erinnerte es doch an die unglückselige Vergangenheit, in der der Bank jedes Mittel recht war, um hohe Gewinne und Boni zu erwirtschaften.

Christian Sewing
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Christian Sewing

Hinzu kommt, dass auch Sewing in der Vergangenheit beileibe nicht alles dafür getan hat, Missstände abzustellen. Als Leiter der Konzernrevision ging ihm der Geldwäschefall in der Moskauer Niederlassung durch die Lappen, wo die Deutsche Bank rund zehn Milliarden Dollar für Betrüger abwickelte; die Kooperation mit der Danske Bank, über deren estnische Filiale sogar mehr als 200 Milliarden Dollar gewaschen wurden, wurde erst 2015 eingestellt - obwohl es bereits ab Frühjahr 2013 und damit noch in Sewings Amtszeit als Revisionschef deutliche Signale dafür gab, dass etwas nicht stimmte.

Noch später, nämlich zwischen 2013 und 2018, trug sich offenbar der Fall zu, der Anlass für die aktuelle Razzia war. Sewing war ab 2015 zunächst Rechtsvorstand, dann Privatkundenchef und schließlich Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Sein Nachfolger als Rechtsvorstand ab Mitte 2015 hieß Karl von Rohr - mittlerweile Sewings Vize als Vorstandschef.

Dennoch hielt es die deutsche Finanzaufsicht BaFin vor wenigen Wochen für angebracht, einen Geldwäschebeauftragten in die Deutsche Bank zu entsenden, erstmals in ihrer Geschichte. Anders ausgedrückt: Die Behörde ist mit den Bemühungen des Konzerns, ihre Systeme zur Abwehr von Geldwäsche und Terrorfinanzierung in Ordnung zu bringen, nicht einverstanden. Und dafür verantwortlich waren und sind Sewing, von Rohr sowie Compliance-Vorständin Sylvie Matherat, die ihren jetzigen Job wohl nicht mehr allzu lange ausüben wird.

Offenkundig ist, dass all diese Vorstände ihre Aufgaben nicht sorgfältig oder nachhaltig genug erledigt haben. Über allem aber thront Paul Achleitner, der Aufsichtsratsvorsitzende und einzige Führungsmann, der seit Ackermanns Abgang 2012 ununterbrochen an Bord ist.

Wie Achleitner tickt, zeigt eine Episode aus dem Frühjahr 2015. Damals hielt er es für angebracht, seinen Freund Georg Thoma mit brutaler Härte aus dem Aufsichtsrat zu entfernen, obwohl er den renommierten Wirtschaftsanwalt aus Düsseldorf selbst einst als Aufräumer in das Gremium berufen hatte. Sekundiert von anderen Aufsichtsräten sowie der Presseabteilung des Konzerns legte Achleitner Thoma öffentlich den Rücktritt nahe, weil es der Jurist zu genau mit der Aufklärung nehme, die Kollegen nerve und verhindere, dass der Konzern frohgemut in die Zukunft schauen könne.

Ein bis dato einmaliger Vorgang in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Im Lichte der aktuellen Razzia steht der damalige Umgang mit dem Aufklärer Thoma stellvertretend für einen Konzern, dessen Spitzenpersonal noch immer lieber verdrängt als aufklärt.

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