Hamburg - Sieben Monate vor dem Abgang von Josef Ackermann wächst die Unruhe bei der Deutschen Bank. Schon seit Monaten wird in der Führungsebene kontrovers über den angestrebten Wechsel des Institutschefs in den Aufsichtsrat diskutiert. Nun wird nach SPIEGEL-Informationen geraunt, dass seine beiden designierten Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen die ganze Macht unter sich neu aufteilen könnten.
Der Investmentbanker Jain solle alleiniger Vorstandsvorsitzender werden, Fitschen wolle den Posten des Chefkontrolleurs übernehmen. Doch das wird von den Beteiligten unter anderem mit Hinweis auf das Aktiengesetz dementiert, das bei einem Wechsel des bisherigen Vorstands Fitschen in den Aufsichtsrat ähnliche Hürden wie bei Ackermann vorsieht.
Hintergrund der Gerüchte sind Vorwürfe an Ackermann, er kümmere sich zu wenig ums Tagesgeschäft. So war er am Dienstag vergangener Woche nur per Video beim Treffen der obersten Führungskräfte zugeschaltet. Ackermann investiert aktuell viel Zeit, um als Präsident des internationalen Bankenverbandes IIF mit Politikern über die griechische Schuldenkrise zu reden.
"Von der Deutschen Bank hat er kein Verhandlungsmandat dafür", kritisiert einer der obersten Manager der Bank und rät: Ackermann solle sich lieber darum kümmern, eine Abspaltung der Investmentbank zu verhindern. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte dazu am Sonntag: "Die Vorwürfe, dass sich Herr Ackermann nicht um das Tagesgeschäft kümmere, sind lächerlich."
Eine Abspaltung der Investmentbank hatte zuletzt auch Polit-Provokateur Heiner Geißler gefordert. "Die Deutsche Bank muss entflochten werden", sagte Geißler kürzlich. "Zumindest brauchen die eine klare Trennung zwischen ihrem Geschäftsbereich und ihrem Investmentbank-Bereich." 70 Prozent der Gewinne der Bank stammten aus dem Investmentgeschäft, sagte Geißler. Dies sei "risikoreich", die Deutsche Bank laufe Gefahr, in Schwierigkeiten zu geraten. Im Interesse der Anleger sei daher eine Trennung innerhalb Deutschlands größtem Geldhaus "unabwendbar".
ssu
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