Libor-Affäre Deutsche Bank einigt sich mit entlassenen Zinshändlern

Die Manipulation von Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor gilt als einer der größten Finanzskandale der vergangenen Jahre. Mit vier entlassenen Händlern, die darin verwickelt gewesen sein sollen, hat sich die Deutsche Bank nun geeinigt.

Gebäude der Deutschen Bank in London (Archiv): Schatten der Libor-Affäre
REUTERS

Gebäude der Deutschen Bank in London (Archiv): Schatten der Libor-Affäre


Frankfurt am Main - Der Streit über die fristlose Kündigung von vier Libor-Händlern der Deutschen Bank ist beigelegt. Beide Parteien haben sich am Mittwoch nach mehrtägigen Verhandlungen vor dem Güterichter beim Hessischen Landesarbeitsgericht geeinigt, teilte das Gericht in Frankfurt mit.

Über den Inhalt der getroffenen Absprachen sei nach Mitteilung des Güterichters Stillschweigen vereinbart worden. Die für diesen Freitag angesetzte öffentliche Verhandlung am Landesarbeitsgericht wurde wegen der Einigung abgesagt.

Wie aus einem internen Schreiben der Deutschen Bank hervorgeht, werden die beiden Managing Directors (Senior Traders) ihre Positionen bei der Deutschen Bank mit sofortiger Wirkung verlassen. "Die beiden anderen Händler werden neue Rollen übernehmen, aber nicht im Handelsbereich und auch nicht bei der Einreichung von Referenzzinssätzen", heißt es in der Mitteilung. Nach dem Urteil aus der ersten Instanz hätte die Bank alle Kläger wieder in ihren früheren Positionen beschäftigen müssen.

Verbotener Austausch per Chat und E-Mail

Deutschlands größtes Geldhaus hatte im Februar 2013 insgesamt sieben Händler gefeuert, weil sie in den größten Finanzskandal der vergangenen Jahre verwickelt gewesen sein sollen: die Manipulation von sogenannten Referenzzinssätzen wie dem Libor ("London Interbank Offered Rate") und dem Euribor ("Euro Interbank Offered Rate"), die weltweit als Basis für Finanzgeschäfte in Billionenhöhe dienen.

Die vier Kläger waren über Jahre an der Festsetzung der wichtigen Referenzzinssätze Euribor und Libor beteiligt. Bei dem juristischen Streit ging es darum, ob die Händler aus eigenem Antrieb gegen Regeln verstoßen haben oder ob die Bank das Fehlverhalten durch ihre interne Organisation erst ermöglicht hat.

Die Bank hatte den Männern vorgeworfen, sich per Chat und E-Mail verbotenerweise auch mit Derivate-Händlern im eigenen Haus ausgetauscht zu haben. Das Arbeitsgericht Frankfurt hatte geurteilt, die fristlosen Kündigungen seien "unverhältnismäßig". In der Bank habe es zu dem Bereich damals keine konkreten Richtlinien und Kontrollen gegeben.

bos/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Zaphod 29.10.2014
1. Wenn das der Vorstand wüsste
Offensichtlich will die Deutsche Bank als Aktiengesellschaft in einem reinen Licht mit sauberer Weste erscheinen. Nicht etwa die Strukturen der Bank haben Fehlverhalten an unzähligen Stellen ermöglicht, sondern die kriminelle Energie von Einzeltätern. Da wundert es aber doch, wie viele Einzeltäter sich unter dem Dach des Bankhauses versammelt haben. Es dürfte wohl eher die Unternehmenskultur der Bank sein, die kriminelles und schädliches Verhalten ermöglicht und fördert. Der neue Vorstand hat einmal behauptet, er würde einen Kulturwandel einleiten. Dazu ist es jedoch notwendig, zunächst einmal die eigene Schuld einzugestehen und klar zu sagen, welche Aspekte der Unternehmenskultur in der Vergangenheit falsch waren. Auf diese Offenheit und die Entschuldigung der Deutschen Bank, moralisch versagt zu haben, dürfte noch lange zu warten sein!
usfriend 30.10.2014
2. @Zaphod
Diese Entschuldigung wird es NIE geben, weil die Deutsche Bank zu selbstherrlich ist! Es gibt aber noch ein paar Schweinereien, die noch nicht aufgedeckt sind und weiter zu Strafen führen könnten ... ;)
raber 30.10.2014
3. Deutsche Bank mit za. 3.000 Rechtsstreitigkeiten
ungefähr 3.000 Rechtsstreitigkeiten und ein Vielfaches an Boni an Mitarbeiter ausbezahlt als das, was die Aktionäre erhielten. Das ist kein seriöses Unternehmen mehr und solange bei solch einer Misswirtschaft auch noch völlig überhöhte und unverdiente Boni verteilt werden, hat das Management versagt. Vorstand, Aufscigtsräte sollten alle wegen Verletzung/Versaegn ihrer Aufgabenstellung bestarft und gefeuert werden.
mariowario 11.11.2014
4.
Zitat von ZaphodOffensichtlich will die Deutsche Bank als Aktiengesellschaft in einem reinen Licht mit sauberer Weste erscheinen. Nicht etwa die Strukturen der Bank haben Fehlverhalten an unzähligen Stellen ermöglicht, sondern die kriminelle Energie von Einzeltätern. Da wundert es aber doch, wie viele Einzeltäter sich unter dem Dach des Bankhauses versammelt haben. Es dürfte wohl eher die Unternehmenskultur der Bank sein, die kriminelles und schädliches Verhalten ermöglicht und fördert. Der neue Vorstand hat einmal behauptet, er würde einen Kulturwandel einleiten. Dazu ist es jedoch notwendig, zunächst einmal die eigene Schuld einzugestehen und klar zu sagen, welche Aspekte der Unternehmenskultur in der Vergangenheit falsch waren. Auf diese Offenheit und die Entschuldigung der Deutschen Bank, moralisch versagt zu haben, dürfte noch lange zu warten sein!
Die Vorgänge sind nicht so ungewöhnlich wie von Ihnen dargestellt. Die Bankvorstände können in der Regel schon als Eingeweihte gelten und wurden mit Sicherheit in regelmäßigen Sitzungen über die Entwicklung der Handelsgeschäfte auf dem Geldmarkt informiert - in diesem Zusammenhang trägt auch die nationale, sowie die europäische Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen eine Mitschuld, denn die Aufseher achten sehr auf die Möglichkeit von der Investorenseite her nicht in eine Position gedrängt zu werden die Schadensansprüche gegen den Staat begründen würden (wird ähnlich bei TTIP laufen), trotzdem die Sachlage einigen Bundesbankdirektoren bekannt sein dürfte (die denken natürlich an den Fall Sanio ./. BHF). Der neue Vorstand ist ein Teil des Raubritter-Problems das durch staatliche Deregulierung entstanden sind; bei Banken entschuldigt man sich nicht, zudem kennt das Bankgeschäft keine moralische Instanzen (siehe auch Geldwäsche, Drogen und Waffenhandel der HSBC Manager - die wurden teilweise noch in US-Bundesbehörden befördert…). Die Boni an die Bank-Mitarbeiter und Organe sind im Übrigen ein Teil des 'NewDeals' - Null Zinsen, Null Verantwortung, Null Steuerung von Hedgefonds, zudem sind alle Regelungen zur
Celestine 11.11.2014
5.
Was sind "Zinshändler"? Habe den Begriff bisher noch nie gehört. Es geht um offizielle bankinterne Zinsen, welche mit anderen Banken abgestimmt und koordiniert manipuliert wurden und durchgegeben wurden, um den Referenzzinssatz im internationalen Interbankengeschäft des "London Interbank Offered Rate" zu Gunsten der Banken zu manipulieren. Das konnte unmöglich von einzelnen Bankangestellten aka "Zinshändlern" eingefädelt werden. Was hätten die denn davon gehabt? Davon haben die jeweiligen Banken profitiert, wer denn sonst. In New York wurden mehrere Banken, dazu gehören die größten Banken der Welt, wegen des Libor-Betruges zu z.T. hohen Milliardenstrafen verurteilt. Hier sollen das irgendwelche vereinzelten ominösen "Zinshändler" gewesen sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.