Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Milliardendeal: Deutsche Bank kauft US-Giftpapiere

Neue Lust auf Risiko: Fünf Jahre nach dem Kollaps des US-Immobilienmarkts kauft die Deutsche Bank ein milliardenschweres Paket amerikanischer Hypotheken. Das Institut kann die Giftpapiere nun stückeln und weiterreichen - als hätte es die Finanzkrise nicht gegeben.

AIG-Logo in New York: Der weltgrößte Versicherer musste in der Finanzkrise gerettet werden Zur Großansicht
AFP

AIG-Logo in New York: Der weltgrößte Versicherer musste in der Finanzkrise gerettet werden

New York - Immer mehr Investoren wagen sich auf den amerikanischen Immobilienmarkt und kaufen Papiere, die noch bis vor kurzem als Giftpapiere verschrien waren. Die neueste Meldung kommt von der Deutschen Bank: Zusammen mit der britischen Barclays hat das Institut ein Paket strukturierter Wertpapiere aus dem Bestand des weltgrößten Versicherers AIG aufgekauft.

Verkäufer war die amerikanische Notenbank Fed. Sie hatte AIG auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 vor dem Ruin gerettet und die damals praktisch wertlosen Papiere übernommen. Wie die Fed mitteilte, hat das jetzt verkaufte Paket strukturierter Hypothekenpapiere (CDO) einen Nennwert von gut 7,5 Milliarden Dollar. Der Verkaufspreis dürfte allerdings deutlich niedriger gelegen haben. Schätzungen gehen von 60 bis 70 Prozent des Nennwerts aus. Die Notenbank betonte, sie habe das Paket mit Gewinn weiterverkauft.

Die verschiedenen Pakete sind benannt nach der New Yorker Straße Maiden Lane, die hinter der New Yorker Fed an der Wall Street entlangläuft. Das Portfolio Maiden Lane II ging im Februar an Credit Suisse und Goldman Sachs. Nun standen Teile von Maiden Lane III zum Verkauf.

Die Bank hatte die jetzt gekauften Papiere selbst aufgelegt

Die Deutsche Bank Chart zeigen und Barclays Chart zeigen setzten sich dem Vernehmen nach gegen zwei weitere Bietergruppen von Credit Suisse Chart zeigen mit Goldman Sachs Chart zeigen und Citigroup Chart zeigen sowie Bank of America Chart zeigen mit Morgan Stanley Chart zeigen und Nomura Chart zeigen durch. Um Risiken zu minimieren, hatten die Investmentbanken Bieterkonsortien gebildet.

Bei CDOs handelt es sich um verschachtelte Verbriefungen von Hypothekenkrediten, darunter oft auch faule Kredite. Sie galten als "Brandbeschleuniger" der Finanzkrise, auch viele deutsche Landesbanken hatten sich damit verspekuliert. Doch die einst toxischen Papiere gewinnen allmählich wieder an Wert, weil Investoren mit den einzelnen Bestandteilen attraktive Geschäfte machen können.

In der Branche wird erwartet, dass auch die Deutsche Bank und Barclays die Anleihen aufstückeln und an risikofreudige Anleger weiterverkaufen. Angesichts niedriger Zinsen suchen viele Investoren wieder nach lukrativeren Anlageformen. Vor allem Hedgefonds sind zuletzt wieder massiv in den Handel mit Hypothekenpapieren eingestiegen. Die US-Bank Goldman Sachs legte einen Fonds auf, der auf die Erholung des amerikanischen Häusermarktes setzt.

Die Deutsche Bank hatte die nun gekauften Papiere in den Jahren 2007 und 2008 selbst aufgelegt und veräußert. Nun ist sie zumindest für eine kurze Zeit wieder in den Besitz gekommen.

AIG hatte sich in der Krise vor allem mit Kreditausfallversicherungen (CDS) verzockt und musste mit mehr als 100 Milliarden Dollar vom Staat gerettet werden. Davon hatte die Deutsche Bank knapp zwölf Milliarden Dollar für fällige CDS erhalten.

stk/dpa-AFX/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 85 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
D0nJuAn 27.04.2012
Zitat von sysopREUTERSNeue Lust auf Risiko: Fünf Jahre nach dem Kollaps des US-Immobilienmarkts kauft die Deutsche Bank ein milliardenschweres Paket amerikanischer Hypotheken. Das Institut kann die Giftpapiere nun stückeln und weiterreichen - als hätte es die Finanzkrise nicht gegeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,830227,00.html
Lustig wie sich Geschihte wiederholt :) Das Leben ins ein ewiger Kreis. Das hat bereits der König der Löwen gewusst^^
2.
plang 27.04.2012
Und ist's auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.
3.
Ruhri1972 27.04.2012
Und wieder das gleiche Spiel - wenn es schief geht darf der Steuerzahler die Zeche zahlen - Gewinne bleiben natürlich bei den Investoren
4. Narrensicher
Michael KaiRo 27.04.2012
Zitat von sysopREUTERSNeue Lust auf Risiko: Fünf Jahre nach dem Kollaps des US-Immobilienmarkts kauft die Deutsche Bank ein milliardenschweres Paket amerikanischer Hypotheken. Das Institut kann die Giftpapiere nun stückeln und weiterreichen - als hätte es die Finanzkrise nicht gegeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,830227,00.html
Ist doch ein narrensicheres Geschäft: Geht es gut, werden die Miliarden privat eingesackt. Geht es nicht gut, werden die Miliarden dem dummen Deutschen Steuerzahler aufs Auge gedrückt. Banken machen derzeit völlig risiklose Geschäfte - einfach herrlich.
5.
bommeleffe^^ 27.04.2012
Doppelmoral hält wie immer besser! Großartige Satire, genau zu dieser miesen Praxis hier: http://www.lifeisacabaret.org/2012/04/zwei-mopse-fur-ein-halleluja.html
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Der große Crash: Wie es zur Finanzkrise kam


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: