Unternehmensumbau Deutsche Bank macht Fortschritte

Die kriselnde Deutsche Bank macht trotz Konzernumbau 401 Millionen Euro Gewinn im zweiten Quartal. Eine wichtige Aufgabe des neuen Chefs Sewing ist ungelöst: Er muss die Kosten weiter senken.

Zentrale der Deutschen Bank
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Zentrale der Deutschen Bank


Unter ihrem neuen Chef Christian Sewing macht die kriselnde Deutsche Bank erste Fortschritte. Die Einnahmen stabilisierten sich im zweiten Quartal weitgehend und der Gewinn schrumpfte weniger stark als von Analysten erwartet. Allerdings sind die Kosten im Branchenvergleich immer noch hoch. Das einst so lukrative Geschäft rund um den Kapitalmarkt bereitet weiter Probleme.

Der Nettogewinn sank auf 401 Millionen Euro, teilte das Institut in Frankfurt mit. Analysten hatten weniger erwartet. Im Vorjahresquartal hatte die Bank noch einen um 14 Prozent höheren Nettogewinn gemacht. Im Vergleich zum ersten Quartal, als die Deutsche Bank unter dem Strich nur 120 Millionen Euro erwirtschaftete, ist dies jedoch ein Fortschritt. Vor Steuern erwirtschaftete das größte deutsche Geldhaus im zweiten Quartal ein Ergebnis von 711 Millionen Euro.

Sewing äußerte sich zufrieden: "Im zweiten Quartal haben wir den Umbau unserer Bank erheblich beschleunigt und gleichzeitig unter Beweis stellen können, wie stabil unser Geschäft weltweit ist", sagte der 48-Jährige.

Stabile Erträge erwartet

Für das Gesamtjahr rechnet er weiterhin mit insgesamt stabilen Erträgen: 2017 hatte das Geldhaus 26,4 Milliarden Euro oder zwölf Prozent weniger eingenommen als im Vorjahr und zugleich das dritte Verlustjahr in Folge hinnehmen müssen.

Laut Bankchef Sewing ist der Zusammenschluss des Privat- und Firmenkundengeschäfts mit der Tochter Postbank im Mai planmäßig abgeschlossen worden. Im Privatkundengeschäft beliefen sich die Erträge im zweiten Quartal auf etwa 2,5 Milliarden Euro, ein Minus von einem Prozent.

Die Baustellen blieben im zweiten Quartal erwartungsgemäß dieselben wie zuletzt: In der einstigen Paradedisziplin, dem Anleihenhandel, gingen die Erträge im Frühjahr um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zurück. Im Aktiengeschäft, das Sewing massiv eindampfen will, waren die Erträge zwischen April und Juni sechs Prozent niedriger und betrugen rund eine halbe Milliarde Euro.

Kostenabbau geht voran

Sewing gehe davon aus, dass sein Institut im Handel mit Anleihen und Währungen gemessen an den Erträgen global die Nummer vier bleiben wird. Vorne liegen die großen Wall-Street-Häuser wie JP Morgan oder Goldman Sachs, die den Deutschen zuletzt mit großen Schritten immer weiter enteilt waren.

Langsam voran kam Sewing in seinen ersten Monaten als Vorstandschef nach der überraschenden Ablösung von John Cryan Anfang April beim Abbau der enormen Kosten des Geldhauses. Die bereinigten Kosten beliefen sich im zweiten Quartal auf 5,6 Milliarden Euro, was im Jahresvergleich einem Rückgang von einem Prozent entspricht. Für das Gesamtjahr geht Sewing weiterhin davon aus, dass die bereinigten Kosten auf 23 Milliarden Euro sinken werden.

Die Vermögensverwaltung DWS schwächelt nach dem Teilbörsengang: Hier beliefen sich die Erträge auf 561 Millionen Euro, was einem Rückgang von 17 Prozent entspricht. Die Bank begründete dies mit dem Ausfall von Gebühren für einen spezifischen Fonds, die normalerweise alle zwei Jahre anfallen.

Aktie weiter nahe Rekordtief

Das verwaltete Vermögen der Sparte stieg im zweiten Quartal insgesamt um 14 auf 692 Milliarden Euro, weil Wechselkursveränderungen und die Wertentwicklung der verwalteten Vermögen die Abflüsse von rund fünf Milliarden Euro mehr als kompensierten.

Die Deutsche Bank hatte bereits vor gut einer Woche Eckdaten zum zweiten Quartal veröffentlicht, weil wichtige Kennzahlen ersten Berechnungen zufolge deutlich über den pessimistischen Erwartungen der Analysten lagen.

Die Aktie hatte daraufhin kräftig angezogen, liegt mit zuletzt rund 10,50 Euro aber immer noch nahe an dem Ende Juni erreichten Rekordtief von 8,75 Euro. Wegen hausgemachter Probleme und der Zinsflaute hatte die Deutsche Bank drei Jahre hintereinander Verluste geschrieben.

brt/Reuters/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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n.wemhoener 25.07.2018
1.
Es verwundert, dass niemand hier im Forum widerspricht, wenn Herr Sewing solche kühnen Sätze spricht: "Wir haben unter Beweis stellen können, wie stabil unser Geschäft weltweit ist". Ein Meister der Verdrängung - oder hat der Deutsche Bank-Chef gar vergessen, dass die US-Tochter dieses stabilen Geldhauses vor nur vier Wochen als einzige von 35 Großbanken den Stress-Test nicht bestanden hat ?
schorri 26.07.2018
2. Unfug
Was für ein Unfug, den der Boss da berichtet. Und er wird von nicht wenigen "Fachjournalisten" (hier im Spiegel nicht in dem Ausmaß wie anderwo, z.B. Handelsblatt) kritiklos übernommen und vewrbreitet. Wer auch nur einen Hauch von Ahnung über Unernehmensorganisation hat der weiß´, dass ein "Umbau" in dieser Rasanz zunächst (d.h. auf Jahre) nur eines bringt: Versteckte "Kosten" und entgangene Erträge, die in keiner GuV sichtbar werden. Natürlich muss der Boss für sein Selbstmarketing Schaum schlagen - aber gerade Fachjournalisten sollten nicht darin versinken. Leider ist es auch in dieser Branche so, dass inzwischen die Schlagzeile zählt - und nicht mehr die mühsam-aufwändige, seriöse Analyse. Und so kommt's: Boss sagt "wir kommen gut voran" - Journalisten schreiben's. Sogar bei der Deutschen Bank, von der man seit mindestens einem Jahrzehnt gewöhnt ist, dass am Ende nichts "gut" ist, aber auch garichts . Ein Haus im permanenten Umbau, bei dem eben aufgerichtete Anbauten mal eben wieder eingerissen werden, bei dem ganze Trakte marode sind und man sich garnciht vorstellen mag, was so noch alles an dubiooser Substanz da schlummert.
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