Frankfurt am Main - Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen hat sich für seinen Beschwerdeanruf beim hessischen Ministerpräsidenten entschuldigt. Er habe sich damit nicht über das Gesetz stellen wollen. "Die Unabhängigkeit der Rechtspflege ist auch für mich ein hohes Gut. Sollte mein Anruf in der Öffentlichkeit zu einem falschen Eindruck geführt haben, möchte ich mich dafür ausdrücklich entschuldigen", sagte Fitschen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Mein Anruf erfolgte mit guten Absichten." Er habe gegenüber Volker Bouffier (CDU) seine tiefe Betroffenheit über die Wahrnehmung der Vorgänge im Ausland ausdrücken wollen.
Fitschen hatte sich nach der Durchsuchung der Bank am Mittwoch bei Bouffier beklagt, dass der massive Polizeieinsatz verheerend für das Image des Geldhauses sei. Der Konzern und die Staatskanzlei in Wiesbaden hatten einen entsprechenden SPIEGEL-Bericht bestätigt. Regierungssprecher Michael Bußer sagte: "Der Ministerpräsident hat klargemacht, dass es staatsanwaltschaftliche Ermittlungen sind, in die er sich nicht einmischen könne." Bouffier ergänzte am Montag lediglich, der Anruf habe ihn am Rande der Landtagssitzung erreicht.
Fitschens Anruf hatte heftige Kritik von Politikern aller Parteien ausgelöst. Unter anderem wird nun Fitschens künftige Rolle als Chef des Bundesverbands Deutscher Banken (BdB) in Frage gestellt. SPD-Politiker legen Fitschen nahe, auf den Posten zu verzichten. "Der Bankenverband muss wissen, von wem er sich wie repräsentieren lassen möchte", sagte der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl (SPD) Handelsblatt Online.
500 Fahnder hatten am Mittwoch unter anderem die Zentrale des Dax-Konzerns in Frankfurt durchsucht. Ermittelt wird wegen schwerer Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung beim Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate). Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft hat 25 Beschäftigte im Visier, darunter Fitschen selbst und Finanzvorstand Stefan Krause. Die beiden Vorstände hatten die - später korrigierte - Steuererklärung für das Jahr 2009 unterschrieben. Fünf Mitarbeiter wurden verhaftet, vier davon blieben zunächst in Untersuchungshaft.
Seine Glaubwürdigkeit als künftiger Präsident des Bundesverbands deutscher Banken sieht Fitschen durch die Ermittlungen nicht beschädigt. "Das sehe ich nicht", sagte Fitschen der "FAZ": "Trotz der vielfach geäußerten Kritik der letzten Tage erfahre ich auch viel Unterstützung. Mein Bedauern über den Anruf habe ich ausgedrückt."
cte
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