Ermittlungen gegen Deutsche-Bank-Manager: Die Aussitzer-Bank

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Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen. Wird er deswegen zurücktreten? Wohl kaum. Der Finanzkonzern hat schon schlimmere Attacken überstanden. Fitschens Vorgänger Josef Ackermann stand sogar vor Gericht - und blieb trotzdem im Amt.

Hamburg/Frankfurt am Main - 500 Beamte von Bundeskriminalamt, Bundespolizei und Steuerfahndung durchsuchten am Mittwochmorgen die Zentrale der Deutschen Bank. Wenig später erklärte der Finanzkonzern dann: Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen ist ins Visier der Justiz geraten. Ermittlungen zu Umsatzsteuerbetrug in Millionenhöhe richten sich auch gegen ihn und Finanzvorstand Stefan Krause.

Es geht um illegale Geschäfte im Handel mit Luftverschmutzungsrechten. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft beschuldigt 25 Beschäftigte des Geldhauses der schweren Steuerhinterziehung, der Geldwäsche und der versuchten Strafvereitelung. Gegen fünf Verdächtige wurden Haftbefehle erlassen.

Nun geht es auch gegen Fitschen. Verliert er deswegen seinen Job? Wohl kaum.

Was in der Politik wie ein Abschussautomatismus funktioniert, läuft in der Wirtschaft ein bisschen anders. Im Unterschied zu Bundespräsidenten halten Unternehmenschefs einiges aus. Schlechte Zahlen sind für sie meist gefährlicher als ein Heer von Staatsanwälten. Und so ist auch nicht damit zu rechnen, dass Jürgen Fitschen gleich zurücktreten wird, nur weil gegen den Deutsche-Bank-Chef und seinen Finanzvorstand ermittelt wird.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat die beiden im Visier, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Deutschen Bank unterschrieben haben. In dieser Erklärung hatte das Institut 310 Millionen Euro Steuererstattungen geltend gemacht, die es nur wegen der Manipulationen eines Betrügerrings beanspruchen konnte. Auch Händler der Deutschen Bank sollen mit diesem Ring Geschäfte gemacht haben. Dabei ging es um den besagten Handel mit CO2-Emissionszertifikaten. Die Bank hatte die Erklärung später korrigiert - nach Ansicht der Ermittler aber zu spät.

Bei Deutschlands größter Bank haben solch juristische Probleme schon fast Tradition. Wer dort einmal Chef war, ist es schon gewohnt, dass Anwälte und Staatsanwälte auf ihn zielen.

  • Fitschens Vorgänger Josef Ackermann stand 2004 im sogenannten Mannesmann-Prozess wegen Untreue vor Gericht. Zusammen mit anderen Aufsichtsräten des Industriekonzerns soll er Mannesmann-Vorständen im Zuge der Übernahme durch Vodafone im Jahr 2000 ungerechtfertigte Prämien gewährt haben. Ackermann wurde zunächst freigesprochen. Ein weiteres Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldstrafe von 3,2 Millionen Euro eingestellt.
  • Seit 2011 ermittelt die Staatsanwaltschaft erneut gegen Ackermann. Sie wirft ihm vor, als Zeuge im Prozess gegen seinen Vorgänger Rolf Breuer die Unwahrheit gesagt zu haben. Das Verfahren läuft noch.
  • Breuer selbst musste sich bereits in mehreren Prozessen im Zusammenhang mit der Pleite der Kirch-Gruppe verantworten. Der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch hatte Breuer vorgeworfen, der damalige Deutsche-Bank-Chef habe im Jahr 2002 in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt und den Medienkonzern damit in die Pleite getrieben.
  • Auch gegen Breuers Vorgänger Hilmar Kopper leitete die Stuttgarter Staatsanwaltschaft 2006 ein Verfahren wegen des Verdachts auf Insiderhandel ein. Dem damaligen Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler wurde vorgeworfen, Deutsche-Bank-Chef Ackermann vorzeitig über den Abgang des Daimler-Chefs Jürgen Schrempp informiert zu haben. Die Ermittlungen wurden später eingestellt.

Dass es nun ausgerechnet Jürgen Fitschen trifft, ist schon eine ziemlich bittere Ironie des Schicksals. Der Mann war vom Aufsichtsrat der Deutschen Bank im vergangenen Frühjahr vor allem deshalb zum Vorstandsvorsitzenden gekürt worden, weil er so schön seriös wirkt. Mit seiner korrekten Ausstrahlung und seiner bodenständigen Vita sollte der gebürtige Niedersachse den Gegenpol bilden zu seinem Kompagnon, dem cleveren Investmentbanker Anshu Jain.

Ob die Staatsanwälte am Ende wirklich etwas Zählbares gegen Fitschen in der Hand haben werden, ist fraglich. Die Ermittlungen betreffen einen Zeitpunkt, als er schon im Vorstand war, allerdings als Leiter des Regionalmanagements. Die Geschäfte mit den CO2-Zertifikaten fielen nicht in Fitschens Bereich, sondern in den des damaligen Investmentbanking-Chefs Jain. Dass nun trotzdem Fitschen zur Rechenschaft gezogen werden soll, liegt nach derzeitigen Erkenntnissen wohl tatsächlich nur an seiner Unterschrift unter der Steuererklärung.

Aber wie kam diese Unterschrift dorthin? Eine Steuererklärung muss normalerweise vom Finanzchef und einem weiteren Vorstandsmitglied unterzeichnet werden. Dem Vernehmen nach war das bei der Deutschen Bank normalerweise immer der Vorstandschef, im Jahr 2010 also Josef Ackermann. Da der viel beschäftigte Ackermann am Tag der Unterzeichnung aber nicht im Hause gewesen sein soll, sei eben Fitschen eingesprungen.

Ob der Fall wirklich so einfach ist, wird sich zeigen. Doch selbst wenn Fitschen tiefer in der Sache drinstecken sollte, als es bisher den Anschein hat: Einen Rücktritt muss es deshalb noch lange nicht geben.

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insgesamt 62 Beiträge
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1. Huhu!
mimija 12.12.2012
Das ist aber ein weiterer großer Imageschaden für Deutschlands Vorzeigebank! Erst sind's Finanzierungen/ Beteiligungen an Streuminenherstellern, dann Zinsmanipulationen, und jetzt Verdacht auf Betrug! Die Vorwürfe häufen sich, und am Saubermannimage der Banker wird heftig gekratzt! Aber oh Wunder, es wird ausgehen wie's Hornberger Schießen, keinem dieser Elitebanker wird etwas passieren!
2. Unschuldsvermutung
mueller-thurau 12.12.2012
"Fitschens Vorgänger Josef Ackermann stand stand sogar vor Gericht - und blieb trotzdem im Amt." Diesen Satz, sehr geehrter Herr Kaiser, müssen Sie sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen und dann sollte Ihnen nachträglich übel werden.
3. Die Deutsche Bank
bold_ 12.12.2012
benötige keine finanzielle Unterstützung seitens des Staates, tönte der Ackermann, als er noch für die DB ackerte. Sie holt sich ihr Geld auch so - mit indirekter Unterstützung! Und die Justiz wird sich hüten, DB-Manager zu verurteilen und in den Bau zu schicken! --> "hast du Kreuzer dabei, kommst vom Karzer du frei"...
4. ....
DerKritische 12.12.2012
Zitat von sysopAPDie Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen. Wird er deswegen zurücktreten? Wohl kaum. Der Finanzkonzern hat Erfahrungen mit solchen Problemen. Fitschens Vorgänger Josef Ackermann stand sogar vor Gericht - und blieb trotzdem im Amt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-fitschen-wird-trotz-ermittlungen-nicht-zuruecktreten-a-872598.html
Was die Politiker damals so aufgeregt hat war, dass Ackermann zuwenig Respekt gegen die Obrigkeit gezeigt hatte, wie man es sonst eigentlich von Deutschen gewohnt ist. Aber Ackermann ist Schweitzer und derartiger Respekt gehört dort nicht zum politischen Alltag. Wozu auch? Ein Politiker ist dort lediglich Angesteller des Bürgers und hat sich seinen Respekt erstmal in langjähriger Arbeit für den Bürger zu verdienen. in jahrzehntelanger
5.
totalmayhem 12.12.2012
Wenn sich diese Kerle wegen "Untreue" vor der Justiz zu verantworten haben, dann bedeuted dies im Gegenzug nichts weniger als Treue zur Bande, wieso sollten die daher um ihren Job fuerchten. Anstatt sinnlose Geldstrafen zu verhaengen (schliesslich machen die das Zeug bekanntlich aus duenner Luft), sollte man Laternenpfaehle mit diesem Geschmeiss dekorieren. Dann klappt's auch wieder mit der Moral. Aber solange die nach solchen Justizfarcen auf Champagnerorgien mit Edelnutten und Kokain ihre Bonuszahlungen ausbaldowern koennen wird sich nichts aendern.
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