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Zinsskandal bei der Deutschen Bank: Für Jains Vertrauten wird es eng

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Deutsche-Bank-Chef Jain: Der Skandal kommt näher

Bei der Deutschen Bank steigt der Druck auf die Führungsriege. In einem vertraulichen Bericht kritisiert die Finanzaufsicht mangelnde personelle Konsequenzen aus dem Libor-Skandal. Vor allem ein enger Vertrauter von Co-Chef Anshu Jain rückt in den Mittelpunkt.

Frankfurt am Main/Hamburg - An diesem Dienstag hat Anshu Jain Geburtstag. Der Co-Chef der Deutschen Bank wird 51 Jahre alt - und eigentlich kann er sich freuen über das, was er bisher im Leben erreicht hat. Doch dieses Mal dürfte die Freude getrübt sein. Denn ein alter Skandal ist gefährlich nah an den Erfolgsmenschen Jain herangerückt.

Es geht um die jahrelange Manipulation von wichtigen Zinssätzen, wie den Libor oder den Euribor. Diese Referenzsätze werden von Banken ermittelt und dienen weltweit als Basis für Finanzgeschäfte in Billionenhöhe. Sowohl in den USA als auch in Europa ermitteln mehrere Aufsichtsbehörden gegen ein gutes Dutzend Finanzinstitute, die die Sätze manipuliert haben sollen, darunter auch die Deutsche Bank.

In Deutschland führt die Finanzaufsicht BaFin die Ermittlungen - und deren Zwischenbericht, über den der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, fällt für die Führungsriege der Deutschen Bank katastrophal aus. Der gesamte Vorstand sowie der Aufsichtsrat hätten die Affäre nicht angemessen aufgearbeitet, heißt es in dem Bericht. Es entstehe der Eindruck, dass die Bankführung "klare Konsequenzen, insbesondere personeller Art, nicht gezogen" habe.

"Im Investmentbanking hat man keine Freunde"

Nun wächst der Druck, diese personellen Konsequenzen nachzuholen. Die Politik in Berlin ist bereits alarmiert. Wenn sich der vom Vorstand angekündigte Kulturwandel als Lippenbekenntnis herausstelle, müsse "hart durchgegriffen werden", sagte der SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider SPIEGEL ONLINE. "Bei der Schwere der Vorwürfe reichen Ankündigungen nicht aus, es muss Konsequenzen geben", fordert Schneider. "Dabei muss sich auch das heutige Management seiner Verantwortung stellen."

Besonders eng könnte es nun für einen Vretrauten von Bankchef Jain werden: Alan Cloete, Südafrikaner und Vollblut-Investmentbanker, der bis 2012 den Handel mit Zinsprodukten und Devisen leitete. Sollte die Bank reagieren, gilt er als wahrscheinlichstes Opfer, wie es aus dem Umfeld des Instituts heißt.

Cloete sitzt heute im erweiterten Vorstand der Bank - und hat dies vor allem seinem Förderer Jain zu verdanken, der jahrelang die Investmentbanking-Sparte der Bank leitete. Als Jain im Juni 2012 zusammen mit Jürgen Fitschen die Führung der Deutschen Bank übernahm, sorgte er dafür, dass auch Cloete nach oben rückte. Im sogenannten Group Executive Committee verantwortet Cloete gemeinsam mit Gunit Chadha das Asien-Geschäft. Insider sahen in der Versetzung schon damals auch einen Versuch, Cloete aus der Schusslinie zu nehmen.

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Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation
Im BaFin-Bericht zur Libor-Affäre taucht Cloete gleich mehrmals prominent auf. So kritisiert die Behörde unter anderem, dass der zum Investmentbanking gehörende Handelsbereich den Vorstand nicht ausreichend über Verdachtsmomente informiert habe, die im Geld- und Zinshandel aufgetaucht waren. "Dem Leiter des Bereiches GFFX, Herrn Alan Cloete, ist vorzuwerfen, dass er sehr früh hinreichende Kenntnis von Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem Libor hatte", heißt es in dem BaFin-Dokument vom August 2013. "Diese hätten ihn dazu veranlassen müssen, eine eigene Untersuchung aufzunehmen und dafür zu sorgen, dass der Gesamtvorstand informiert wird."

Weil Cloete das aber nicht getan habe, seien dem Vorstand und dem Aufsichtsrat "wesentliche Informationen nicht zur Kenntnis gelangt". Insofern müsse "kritisch gewürdigt werden, dass Herr Cloete seit dem 01.06.2012 und nach wie vor Mitglied des den Vorstand beratenden und seine Entscheidungen stark prägenden GEC ist".

Für Cloete könnte es also bald vorbei sein - da hilft auch die engste Freundschaft zum Vorstandschef wenig. "Im Investmentbanking hat man keine Freunde", sagt ein ehemaliger Top-Banker. "Sobald man Schwäche zeigt, wird man angeschossen."

Beschlossene Sache ist Cloetes Abgang aber noch lange nicht. Denn der Vorstand um Jain steckt in einem Dilemma. Trennt sich die Bank von Cloete, könnten Aufseher und Ermittler darin ein Schuldeingeständnis sehen, dass auch das Top-Management in die Libor-Affäre verwickelt war - anders als bislang dargestellt. Die Affäre würde dann auch Jain erreichen, der damals direkter Vorgesetzter Cloetes war.

Die Deutsche Bank will sich zu möglichen personellen Konsequenzen nicht äußern. Sie verweist darauf, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien. Die Bank kooperiere vollumfänglich mit den Aufsichtsbehörden. Nach aktuellem Stand der Untersuchungen sei kein amtierendes oder früheres Mitglied des Vorstands in irgendeiner unangemessenen Weise in die untersuchten Vorgänge verwickelt.

Einige Top-Leute sind schon weg

Auf den Ebenen unterhalb der Führung hat die Bank bereits Konsequenzen gezogen. Insgesamt vier leitende Mitarbeiter aus dem von Cloete verantworteten Handelsbereich mussten 2011 und 2012 gehen, darunter Christian Bittar. Der Händler hatte 2008 mehr als 500 Millionen Euro für die Deutsche Bank verdient und einen Bonus von 80 Millionen Euro zugesagt bekommen. Als die Bank feststellte, dass Bittar zum Kreis der Händler zählte, die von internationalen Behörden der Manipulation von Referenzzinsen beschuldigt werden, trennte sie sich von ihm und behielt die Hälfte seines Bonus ein.

Auch David Nicholls hat die Bank verlassen. Er hatte in der Hierarchie zwischen Cloete und Bittar gestanden und laut BaFin ebenfalls "auffälliges Kommunikationsverhalten" im Zusammenhang mit der Libor-Ermittlung gezeigt. Die Deutsche Bank hatte die Trennung von Nicholls seinerzeit mit der allgemeinen Restrukturierung des Handelsbereichs begründet.

Vier weitere Mitarbeiter des Handelsbereichs, die von der Bank im Zusammenhang mit der Libor-Affäre entlassen worden waren, hatten sich vergangenen Herbst vor dem Frankfurter Arbeitsgericht erfolgreich wieder bei ihrem Arbeitgeber eingeklagt. Allerdings will die Deutsche Bank sie nicht wie vom Gericht angeordnet in ihrem alten Einsatzgebiet beschäftigen.

Dies würde auch die BaFin nicht gutheißen. Das Arbeitsgericht hat die Bank mittlerweile jedoch unter Androhung eines Bußgeldes erneut ermahnt, sich an das Urteil zu halten. Im Extremfall müssten vier Vorstandsmitglieder in Zwangshaft, wenn sich die Bank der Anordnung dauerhaft widersetzt.

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1. Der Inder muss weg !
althus 06.01.2014
Zitat von sysopDPABei der Deutschen Bank steigt der Druck auf die Führungsriege. In einem vertraulichen Bericht kritisiert die Finanzaufsicht mangelnde personelle Konsequenzen aus dem Libor-Skandal. Vor allem ein enger Vertrauter von Co-Chef Anshu Jain rückt in den Mittelpunkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-fuer-jains-mann-cloete-wird-es-im-libor-skandal-eng-a-942076.html
Die Deutsche Bank ist leider nicht mehr die deutsche Bank mit der Unternehmenskultur die sie früher hatte ! Traurig für Deutschland !
2. Eine kriminelle Vereinigung
hubertrudnick1 06.01.2014
Zitat von sysopDPABei der Deutschen Bank steigt der Druck auf die Führungsriege. In einem vertraulichen Bericht kritisiert die Finanzaufsicht mangelnde personelle Konsequenzen aus dem Libor-Skandal. Vor allem ein enger Vertrauter von Co-Chef Anshu Jain rückt in den Mittelpunkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-fuer-jains-mann-cloete-wird-es-im-libor-skandal-eng-a-942076.html
Die Deutsche Bank und viele ihrer Manager kommen mir wie eine kriminelle Vereinigung vor, nur das man normale Kriminelle in den Knast bringt und diese Banker werden eben dann Berater der Bundesregierung, da liegt der Unterschied, aber kann sich so etwas eine Demokratie erlauben?
3. Endlich kommt Bewegung in die korrupten Bankvorgänge um Libor-/Euribor-Manipulation
Eppelein von Gailingen 06.01.2014
---Zitat--- Sowohl in den USA als auch in Europa ermitteln mehrere Aufsichtsbehörden gegen ein gutes Dutzend Finanzinstitute, die die Sätze manipuliert haben sollen, darunter auch die Deutsche Bank. ---Zitatende--- Seltsam, es gibt keinen einzigen weltweiten Bankenskandal, *ohne* die (honorige) Deutsche Bank AG. Man ist immer dabei, denn man wähnt sich auf Augenhöhe mit den ganz großen US-Instituten JP Morgan, oder Goldman Sachs und Kartellen. Hoffentlich werden die Herren um Jain & Co. kräftig ohne Glacéhandschuhe angefasst. Damit auch bei der Merkel endlich der Groschen fällt, auf was sie sich mit Herrn Ackermann eingelassen hat; HRE und so. Wie sie sich aus dem Steuersäckel weit über 100 Milliarden € Verlust aufschwatzen ließ. Systemrelevant um die Sparer zu schützen, wie man daher palaverte. Die unsaubere Vergangenheit holt sie alle ein, es dauert manchmal leider sehr lange.
4. Keine Woche vergeht wo nicht........
rambo-1950 06.01.2014
die Deutsche Bank in den Schlagzeilen steht. Anderseits Manipulationen nicht verwunderlich, wenn solche räuberischen Bonuszahlungen, wie im hier geschilderten Fall Bittar von 80 Millionen EURO, vereinbart und unterzeichnet werden!!! Wen wundert da noch, dass man Finanzhäuser etc. zurecht als BANKSTER tituliert? Ganz egal was dieser Bittar und Kollegen für Job machen und wieviel sie für ihr Haus verdienen bzw verdient haben, dieser Betrag ist gegenüber Menschen denen man Mindest(hohn)lohn 8,50 € versagt NIEMALS zu rechtfertigen. Es hat nicht nur den Anschein, dass Deutsche Bank trotz ALLER Auflage macht was sie will und Fitzschen , Jains & Co die Politik wiederholt lächerlich machen! Ein deutliches Zeichen wer hier zu Lande und anderswo regiert und das Sagen hat....!
5. Eng? Für den Vertrauten?
BettyB. 06.01.2014
Jain hat die Konsequenzen nicht gezogen. Für ihn sollte es eng werden, denn mit seiner "mach niemand nass-Haltung" hat wohl zusätzlich er als Vorgesetzter versagt...
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