Bonuszahlungen der Deutschen Bank Gehälter wie bei Bayern München, erfolgreich wie der HSV

Die Deutsche Bank macht Verluste - und will trotzdem die Boni für ihre Investmentbanker drastisch erhöhen. Das kann nur rechtfertigen, wer eine Liga zu weit nach oben schielt.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan
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Deutsche-Bank-Chef John Cryan

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Wenn es um die Bezahlung von Investmentbankern geht, bemühen deren Chefs gerne den Vergleich zum Fußballgeschäft. Hier wie dort, heißt es, würden natürlich sehr hohe Gehälter gezahlt. Aber das sei auch nötig. Man bekomme nun mal nur so die besten Leute. Zahle ein anderer mehr, seien sie schnell weg.

Auch Marcus Schenck ist ein großer Fußballfan - Bayern München ist sein Verein. Im Hauptberuf ist Schenck Vizechef der Deutschen Bank und deren oberster Investmentbanker. Wenn alles stimmt, was man so hört und liest, dann war er es, der bei Deutschlands größtem Geldhaus die Rückkehr der üppigen Bonuszahlungen durchgesetzt hat.

Obwohl die Deutsche Bank an diesem Freitag den dritten Jahresverlust in Folge präsentiert hat, sollen die Zusatzzahlungen nach einem kargen Vorjahr nun wieder steigen. Mehr als eine Milliarde Euro sollen fließen. Das ist nicht so viel wie früher, aber für eine Minus-Bank immer noch beachtlich. Entsprechend gab es Ärger aus der Politik.

Schenck sieht das anders. "Wir liegen immer noch in der unteren Hälfte, wenn wir uns mit unseren Wettbewerbern vergleichen", sagte er bei der Bilanzpressekonferenz am Freitag. "Wir müssen wettbewerbsfähig bezahlen, wenn wir uns dem Wettbewerb stellen."

Das klingt erst mal einleuchtend, zeigt allerdings auch ein mögliches Problem: Könnte es sein, dass sich die Deutsche-Bank-Chefs einfach im falschen Wettbewerb wähnen? Wie Bayern München vergleichen sie sich mit den anderen Großen in der Champions League. Dabei sind sie eigentlich eher der HSV. Große Vergangenheit, große Ambitionen, große Gehaltslisten. Aber irgendwie läuft es seit Jahren nicht mehr so richtig.

Die schlimmsten Exzesse sind mittlerweile vorbei

Vielleicht ist dieser Vergleich ein bisschen unfair. Schließlich hat die Deutsche Bank gerade wieder einmal dargelegt, wie sie bald, wirklich bald wieder richtig Geld verdienen und mitmischen will im Konzert der Großen. Und es ist durchaus möglich, dass dies gelingt. Konzernchef John Cryan und seine Mannschaft haben in einem chaotischen Konzern in der Tat aufgeräumt und Altlasten beseitigt. Es könnte also losgehen. Aber hoffen HSV-Fans das nicht auch jedes Jahr vergebens?

Die Deutsche Bank bezahlt vor allem ihre Investmentbanker seit jeher ziemlich gut. Früher trugen einzelne Händler regelmäßig zweistellige Millionensummen pro Jahr nach Hause. Die schlimmsten Exzesse sind mittlerweile vorbei. Die "variable Vergütung", wie Boni im Bankerjargon heißen, fließt heute vor allem in Form von Aktien - und ihre Zuteilung wird über drei bis fünf Jahre gestreckt. Auf Geheiß der EU wurden die Boni sogar gekürzt. Im Gegenzug erhöhte die Bank aber rasch die Festgehälter, damit die sogenannten Top-Leute nicht weglaufen. Leistung kommt eben nicht nur durch Leidenschaft, oft muss man mit ein paar Hunderttausend Euro extra nachhelfen.

Wenn die Deutsche Bank einem Teil ihrer Mitarbeiter weiter so viel Geld zahlen will, muss sie dieses Geld eben auch vorher verdienen. Es ist okay, wenn das mal ein Jahr nicht klappt. Aber nach drei Verlustjahren in Folge sollten auch die Aktionäre der Bank unruhig werden - denn deren Geld verbrennen die Herren (und wenigen Damen) Jahr für Jahr. Auf eine mögliche Dividende angesprochen, antwortete Bankchef Cryan am Freitag denn auch bedröppelt: Für die Aktionäre werde es leider "nicht sehr viel" geben. Pech gehabt.

Bleibt im Geschäftsjahr 2018 nach der Boniverteilung wieder nichts übrig, sollte die Bankführung mal darüber nachdenken, ihre vermeintlichen Stars ziehen zu lassen (so erfolgreich sind sie offenbar nicht) - und ihren Spielbetrieb eine Liga nach unten zu verlegen.

insgesamt 54 Beiträge
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gammoncrack 02.02.2018
1. Sie haben ja Recht, wenn Sie ausführen,
dass bei nicht wettbewerbsfähiger Bezahlung von Mitarbeitern zumindest die Guten gehen würden. Man darf jetzt nicht den Fehler machen, die hoffentlich einmalige Auswirkung der Steuerreform der USA bei dem Bilanzergebnis zu unterschlagen und das Ergebnis nur negativ sehen. Aber nun muss die Deutsche Bank in diesem Jahr beweisen, dass sie ihr Geschäft versteht - und das vor allen Dingen im internationalen Vergleich. Schwer genug, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
veyselhami2000 02.02.2018
2. So einfach ist es nicht
In der Tat ist die Deutsche Bank in puncto Marktkapitalisierung weit abgeschlagen und eher 2. Liga. Im Investmentbanking sind sie aber die einzige europäische Investmentbank, die mit den Amerikanern mithalten kann und in einigen Bereichen dabei ist wieder aufzusteigen...
Skakesbier 02.02.2018
3. Verehrte SPON'ler,
Glückwunsch zur exzellenten 'head-line'! Besser kann man diesen komplett orientierungslosen Sauhaufen gar nicht beschreiben. Nur mal ein Beispiel: Wenn die Aktionäre wüßten, welche enormen (in der Bilanz wie ausgewiesenen?) Summen der gloriose DB-Vorstand erst in die IT-technisch nie vollendete Integration, dann die eo ipso nie vollzogene IT-Entflechtung und jetzt wieder in die erneute IT-Integration der 'Postbank' versenkt hat, würde denen ziemlich schlecht werden. Daß die Bank als solche nicht mal ansatzweise funktioniert und bloß noch als Melkkuh für ihre vermeintlichen Investment-Spezialisten und das gehobene 'Management' fungiert, dürfte doch klar sein, oder?
cirus27 02.02.2018
4. da habt ihr aber danebengehauen...
richtig wäre doch schon: gehälter wie beim hsv u n d erfolge wie der hsv (leider)
quark2@mailinator.com 02.02.2018
5.
Also einige Banken, darunter auch ziemlich große, sind in der Bankenkrise eingegangen, bzw. waren kurz davor. Die Dresdner Bank hat es schon vorher erwischt, absurderweise geschluckt von der Commerzbank, die dann von der Bundesrepublik gerettet werden mußte, ohne daß die Steuerzahler einen vernünftigen Gegenwert bekamen. Die Deutsche Bank hat diesen Sturm seinerzeit halbwegs überstanden, ach ja, und die Postbank übernommen. Ja, ohne die kriminellen Aktivitäten wäre es wohl schlechter gelaufen. Diese haben die Bank nun eingeholt, gewissermaßen kommt die Krise jetzt mit Verzögerung. Ich frage mich angesichts der ziemlich flächendeckenden Bankenkrise, warum Journalisten so eine Freude daran haben, immer weiter negativ über die DB zu berichten. Ist das gut für unser Land, wenn wir diese Bank kaputt schreiben ? Mir scheint die Berichterstattung nicht objektiv zu sein. Natürlich ist ein Umfeld mit Negativzinsen für Banken ein echtes Problem. Das einzige Mittel dagegen sind Spekulationen mit Wertpapieren, teilweise recht unseriöse Spekulationen. Dazu sollte man Banken nicht unbedingt nötigen.
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