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Umstrittener Börsengang in China : Greenpeace attackiert Deutsche Bank

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Deutsche-Bank-Sitz in Shanghai: "Versagen ihrer internen Risikoabwägung"? Zur Großansicht
REUTERS

Deutsche-Bank-Sitz in Shanghai: "Versagen ihrer internen Risikoabwägung"?

Neuer Ärger für die Deutsche Bank: Die Umweltorganisation Greenpeace beschuldigt den Konzern, weil dieser mit einem fragwürdigen chinesischen Fischerei-Unternehmen zusammenarbeite - und so gegen die eigenen strengen Umweltauflagen verstoße.

Peking - Greenpeace wirft der Deutschen Bank vor, gegen ihre eigenen vollmundigen Umwelt- und Naturschutzverpflichtungen zu verstoßen. Sie habe sich auf ein Geschäft mit einem Unternehmen eingelassen, "das die internationalen Regeln zum Schutz der Ozeane und das Prinzip der Nachhaltigkeit zu missachten scheint", so Elsa Lee, Wirtschaftsexpertin von Greenpeace East Asia.

Die Deutsche Bank in Hongkong bereitete den geplanten Börsengang des Fischerei-Unternehmens China Tuna Industry vor, das von der chinesischen Hafenstadt Dalian aus operiert und einen Geschäftssitz auf den Cayman Islands hat. Der Börsengang soll rund 150 Millionen US-Dollar einbringen; China Tuna will seine Flotte aufstocken, um sich im hochpreisigen Sashimi-Markt zu etablieren.

Das Unternehmen wendet die sogenannte Langleinenmethode an, ein Verfahren der Hochseefischerei, das wegen seiner hohen Beifangraten umstritten ist: Neben dem Zielfisch - in China Tunas Fall der gefährdete Großaugen-Thunfisch - können sich auch Seevögel und Meeresschildkröten in den langen Leinen verhaken. In einem Brief, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, fordert Greenpeace die Deutsche Bank auf, ihre Geschäftsbeziehungen mit China Tuna Industry abzubrechen und "das Versagen ihrer internen Risikoabwägung" zu begründen.

Das Ministerium ist "schockiert"

Greenpeace war aufgefallen, dass die von China Tuna ursprünglich vorgelegten Börsenpapiere veraltete Zahlen über den Bestand des Großaugen-Thunfischs enthielten und offen damit warben, dass chinesische Fischer ohnehin nicht dafür bestraft würden, dass sie ihre Fangquoten überschritten.

Das chinesische Landwirtschaftsministerium zeigte sich in einem Schreiben an Greenpeace "schockiert" und kündigte an, sofort eine Untersuchung gegen das Unternehmen einzuleiten. Der Börsengang, ursprünglich für den 30. September angekündigt, wurde vorerst verschoben.

Greenpeace warnt auch potenzielle Investoren, ihr Geld in China Tuna zu stecken. Dies sei nicht nur unter ökologischen, sondern auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten fragwürdig, sagt Expertin Lee. "Wie kann man in ein Unternehmen investieren, das den Rückgang seiner Ressourcen ignoriert und Geld damit verdient, dass es Lücken in den internationalen Schutzmaßnahmen nutzt? Das einzige Ergebnis dieses kurzsichtigen Geschäftsmodells wird der Bankrott sein - weil einfach kein Fisch mehr zum Fangen übrigbleibt."

Nach ihrem Thunfisch-Deal befragt, erklärt die Deutsche Bank, sie nehme ihre "Verpflichtung im Bereich Nachhaltigkeit sehr ernst". Jede Transaktion werde "sorgfältig und umfassend" geprüft.

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1. Für Greenpeace
spon-facebook-10000283853 14.10.2014
... ist es okay, wenn Menschen leiden, wenn nur "Umweltauflagen" eingehalten werden. So ja schon oft passiert z.B. als Greenpeace die Erblindung tausender Kinder hingenommen hat, um gegen "gen-Reis" zu demonstrieren.
2. Beim Greenwashing erwischt
muenchen84 14.10.2014
Deutsche Bank beim Greenwashing entdeckt? Scheint fast so, anscheinend ist das Image noch nicht madig genug...wenigstens passt Greenpeace auf und interveniert
3.
lord 14.10.2014
Es gibt genug Nahrung um was gegen die Erblindung zu tun. Gen mais ist keine Lösung wenn Agrar Konzerne dahinter stehen und die Bauern in den dritte Welt Ländern in Verschuldung treiben. Soweit ich weiss, hat Gentechnisch verändertes Saatgut bisher eher zum Anstieg der Selbstmordraten von Bauern geführt, als gegen Irgendwas zu helfen. Oder irre ich mich?
4. Deutsche Bank, die 1000ste
der-denker 14.10.2014
Es ist langsam ermüdend immer wieder "Deutsche Bank" im Zusammenhang mit Skandalen zu lesen. Kann die mal jemand mitzählen? Der angebliche "Kulturwandel", ausgerechnet von Jain und Fitschen verkündet, ist genau so ein schlechter Witz wie ein Juncker als oberster EU-Kämpfer gegen Arbeitslosigkeit (Luxemburg=Steuerbabzocker Nr.1) oder ein Herr Hill (Finanzlobbyist) als Eu-Finanzkomissar. Die Herrschaften treiben ungeniert ihr skrupelloses Spiel mit dem Volk, das leider zu weiten Teilen zu passiv ist um aufzubegehren oder nur das Spiel zu durchschauen. Un die Meiden, ja die berichten manchmal dies und das, immerhin. Aber bei Greenpeace werde ich demnächst Mitglied. Die haben sozusagen Eier in der Hose, im Gegensatz zum WWF, der sich lieber an einen "runden Tisch" setzt mit den Zerstörern unseres Planeten und unserer Gesellschaften.
5. ...war schon klar...
kampfgandi 14.10.2014
...das jetzt wieder Greenpeace bashing abgehalten wird. Solche Artikel lese ich jedenfalls gerne. Selbstverständlich weiß ich, dass man mit den gefangenen Fischen hungrige Münder stopfen kann aber was danach? Überfischung ist tatsächlich ein Thema für manche jedoch nicht. Morgen lesen wir:"Greenpeace treibt tausende Fischer in die Armut" Menschen die nicht 10 Jahre weiter denken können, werden Greenpeace tatsächlich die Schuld geben.
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