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Deutsche-Bank-Aktionär Thani: Ein Scheich von Welt

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Er war Premier von Katar, Chef des mächtigen Staatsfonds - dann wurde er entmachtet. Jetzt investiert Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani sein Privatvermögen: Der Scheich wird wichtigster Aktionär der Deutschen Bank. Wer ist der Mann, der mit zwei Frauen 15 Kinder haben soll?

Scheich Thani: Frischer Wind für die Deutsche Bank Zur Großansicht
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Scheich Thani: Frischer Wind für die Deutsche Bank

Hamburg - Wenn Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani nach Europa reist, kann er vielerorts auf einen freundlichen Empfang hoffen. In Paris etwa könnte auf einen Besuch beim Ölkonzern Total Chart zeigen, ein Einkauf im Warenhaus Printemps folgen und zum Tagesausklang dann ein Spiel von Paris Saint Germain. In London wiederum kann der Scheich zunächst in der Börse London Stock Exchange Chart zeigen und bei der Großbank Barclays vorbeischauen, um dann nach Einkäufen bei Harrods und Sainsbury's Chart zeigen im Design-Wolkenkratzer The Shard zu Abend zu essen.

Was alle genannten Unternehmen verbindet: Die Qatar Investment Authority (QIA), der Staatsfonds von Katar, besitzt sie entweder komplett oder erhebliche Anteile daran. Thani war bis 2013 Chef des Fonds, als Privatmann macht er sich nun auch Freunde in Frankfurt: Mit zunächst 1,75 Milliarden Euro steigt der 54-Jährige bei der Deutschen Bank ein.Damit dürfte er auf einen Anteil von rund sechs Prozent kommen und größter Einzelaktionär bei Deutschlands wichtigster Bank werden.

Thanis erste Meisterstücke gelangen ihm zu Beginn der Finanzkrise, als QIA unter anderem Anteile an der Credit Suisse Chart zeigen sowie der Porsche-Holding und Volkswagen Chart zeigen erwarb. Doch das Mitglied der Herrscherfamilie von Katar steht nicht nur für Großeinkäufe, die das Land mit Milliarden aus dem Gasgeschäft vorantreibt. Als Ex-Premier und -Außenminister verkörpert er auch die engen Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft und die ungewöhnliche Rolle, die der kleine Golf-Staat auf der internationalen Bühne einnimmt (siehe Grafik).

Das Reich des Scheichs: Thanis großes Netzwerk Zur Großansicht
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Das Reich des Scheichs: Thanis großes Netzwerk

Thani, der bereits mit 33 Jahren Außen- und mit 47 Premierminister wurde, hat sich als äußerst reisefreudiger Diplomat einen Namen gemacht. Er vermittelte im Libanon- und im Darfur-Konflikt, zwischen Eritrea und Jemen ebenso wie zwischen den Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas. Auf dem internationalen Parkett hilft ihm, dass er fließend Englisch spricht - unter anderem dank eines Studienaufenthalts in Großbritannien.

Zugleich prägte der Scheich als Politiker die Entwicklung seiner Heimat zu einem Drehkreuz der internationalen Beziehungen: Katar ist nicht nur der umstrittene Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, die Hauptstadt Doha war auch namensgebend für eine (bis heute unvollendete) Verhandlungsrunde der Welthandelsorganisation und beherbergte einen Uno-Weltklimagipfel. Auch das politische Spektrum von Ausländern im Land könnte kaum breiter sein: In Katar befinden sich Stützpunkte des US-Militärs ebenso wie eine Vertretung der Taliban und der offizielle Exilsitz der Hamas.

Der Balanceakt gelingt nicht immer. Katar unterstützte zwar gemeinsam mit dem Westen die Revolutionen des arabischen Frühlings - nicht zuletzt durch seinen Fernsehsender al-Dschasira, an dessen Aufbau Thani maßgeblich beteiligt war. Doch die Scheichs zogen auch erhebliche Kritik auf sich, weil sie nach den Umbrüchen in Tunesien und Ägypten islamistische Gruppierungen wie die Muslimbrüder förderten.

Einen Putsch überstand er unbeschadet

Dass Katar selbst alles andere als eine Demokratie ist, illustriert auch Thanis eigene Geschichte. 1995 überstand er einen unblutigen Putsch seines Cousins gegen den damaligen Emir noch politisch unbeschadet, weil er sich rechtzeitig auf die Seite des neuen Herrschers geschlagen hatte. Als der die Macht dann im vergangenen Jahr jedoch an einen seiner Söhne übergab, verlor Thani innerhalb kurzer Zeit sowohl seine politischen Ämter als auch die Führung des Staatsfonds QIA.

Nun kauft der Scheich also mit seinem eigenen Geld weiter, mit dem er bereits bei einer Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr Anteile an der Deutschen Bank Chart zeigen erworben hatte. Die Grenzen zwischen Herrscherfamilie und Staat sind jedoch in Katar unscharf. Und so muss das Privatvermögen von Thani ebenso geschätzt werden (circa 70 Milliarden Dollar) wie die Zahl der Kinder, die er mit zwei Frauen hat (etwa 15).

Dass die Deutsche Bank Thani als Großinvestor willkommen heißt, dürfte auch am insgesamt guten Ruf arabischer Investoren liegen. In deutschen Unternehmen gelten sie überwiegend als angenehme Aktionäre, die kaum dazwischenfunken. Auch ein britischer Geschäftspartner lobte die Katarer gegenüber dem "Independent": "Sie halten sich an alle Regeln, und man muss sie anrufen und erinnern, bei der Jahreshauptversammlung abzustimmen wie alle anderen."

Doch die Scheichs können auch anders: 2012 blockierten sie die geplante Übernahme des Minenbetreibers Xstrata Chart zeigen durch den Rohstoff-Riesen Glencore und ließen sich ihre Xstrata-Anteile teuer abkaufen. Für den Einstieg bei Barclays ließen sie sich "Beratungsgebühren" über 384 Millionen Euro auszahlen, wegen denen die Bank später Ärger mit den Aufsichtsbehörden bekam. Und bei Volkswagen forderte QIA erfolgreich zwei Sitze im Aufsichtsrat ein.

Immerhin: Aufsichtsratssitze seien dem Scheich bei der Deutschen Bank nun nicht versprochen worden, heißt es aus Finanzkreisen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels zeigten wir Tamim bin Hamad Al-Thani. Es handelt sich aber um Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani. Wir haben das Bild ausgetauscht und bitten um Entschuldigung.

Mitarbeit: Stefan Kaiser

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Ein Kapitalist wird
gmbr 19.05.2014
aus der Sicht einer sozialen Gesellschaft legitim erklärt. Ist wohl bewundernswert, daß man seine Erbe weltweit arbeiten lässt, solange in Europa alle nur die Vorteile seines Geldes sehen. Wer jedoch weiß woher dieses Geld kommt dürfe mit seine soziale Einstellung wenigstens ein grosses Fragezeichen vor solchem doppelmoral in Europa stellen.
2. Multi Kulti bei der deutschen Bank
prologo1, 19.05.2014
Zitat von sysopAFP/PHOTO/HO/SPAEr war Premier von Katar, Chef des mächtigen Staatsfonds - dann wurde er entmachtet. Jetzt investiert Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani sein Privatvermögen: Der Scheich wird wichtigster Aktionär der Deutschen Bank. Wer ist der Mann, der mit zwei Frauen 15 Kinder haben soll? http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-grossaktionaer-thani-aus-katar-a-970299.html
Wer hätte das jemals gedacht. Und demnächst kaufen sich die Chinesen ein. Der Ausverkauf Deutschlands nimmt schon so richtig fahrt auf. Und die Kommissare in Brüssel sagen Deutschland, wo es lang geht. Und die Bosse der deutschen Wirtschaft regeln die Beziehungen zu den Ostländern, zu USA und zur dritten Welt mit Investitionen. Damit ist unsere Regierung überflüssig. Und das ist auch gut so. Denn für das Wohl des Volkes in Deutschland tun sie ja eh nichts.
3. Smart investors
endy007 19.05.2014
gegen alle Klischee was man über die Araber darstellen kann, Katarer sind smarter Investoren und das Land platziert seiner Ölvermögen intelligent und in besten Europäische Assets!
4.
Uban 19.05.2014
Zitat von endy007gegen alle Klischee was man über die Araber darstellen kann, Katarer sind smarter Investoren und das Land platziert seiner Ölvermögen intelligent und in besten Europäische Assets!
Scheint intelektuell ziemliche Herausforderung zu sein. Kein Wunder dass deren Investment-Berater aus Übersee kommen...
5.
Uban 19.05.2014
Seit wann ist "Geld" Synonym für "Bildung" ? - Geschenkt, Hauptsache Dir ist sehr wohl bewusst, dass so ein "Investor" das Letzte ist, was ein europäisches Finanzinstitut gebrauchen kann. Aber... tja, soweit ist man schon...
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