Deutsche Bank Milliarden-Boni für Investmentbanker

Die Geschäftszahlen sind schlecht, doch die Boni bleiben hoch: Insgesamt 3,2 Milliarden Euro schüttet die Deutsche Bank für das Jahr 2013 an ihre Mitarbeiter aus, den Großteil davon an die Investmentbanker. Mit aller Macht will man im internationalen Wettbewerb um Top-Kräfte mithalten.

Von

Deutsche-Bank-Standort London: Hier arbeiten viele Großverdiener
REUTERS

Deutsche-Bank-Standort London: Hier arbeiten viele Großverdiener


Hamburg - Für die Deutsche Bank war 2013 ein verheerendes Jahr: Ein Skandal jagte den nächsten, das Image litt, und am Ende stand für das sonst so erfolgsverwöhnte Geldhaus ein Mini-Gewinn von gerade mal noch 681 Millionen Euro - rund 400 Millionen Euro weniger als noch vor wenigen Wochen vermeldet. Grund für die scharfe Korrektur nach unten ist die Einigung mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch, für die die Bank fast eine Milliarde Euro zahlen muss.

In den Gehältern der Top-Banker schlägt sich die schwierige Lage kaum nieder. So zahlte die Bank im vergangenen Jahr wie im Vorjahr insgesamt 3,2 Milliarden Euro an Boni aus. Der Großteil davon, 2,1 Milliarden Euro, floss an die Mitarbeiter der Investmentbanking-Sparte. Inklusive Grundgehalt verdienten die rund 25.000 Investmentbanker sogar 4,5 Milliarden Euro - im Schnitt etwa 180.000 Euro pro Kopf.

Mit solchen Zahlen steht die Deutsche Bank keineswegs allein da. Anders als zunächst erwartet, hält sich die Branche gut fünf Jahre nach ihrem Beinahe-Untergang in der Finanzkrise bei der Bezahlung kaum zurück. Bei europäischen Konkurrenten wie der britischen Barclays und der Schweizer UBS ist der Bonus-Topf mit 2,9 beziehungsweise 2,6 Milliarden Euro ähnlich gut gefüllt wie bei der Deutschen Bank. In den USA werden teilweise noch deutlich höhere Summen bezahlt. Allerdings erwirtschafteten die anderen Institute auch höhere Gewinne als die Deutsche Bank.

Die Führung des größten deutschen Geldhauses übt beim Thema Boni einen Spagat: Einerseits wollen die Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain das Bild der Bank in der Öffentlichkeit verbessern und haben deswegen eigens eine Kommission eingesetzt, die das Vergütungssystem überarbeitet. Andererseits wollen sie gerade im Investmentbanking weiter Top-Kräfte anlocken - und das geht nun mal nur mit üppigen Gehältern.

Kein Deutsch-Banker verdient mehr als zehn Millionen Euro

Um den größten öffentlichen Ärger zu vermeiden, hat die Bank die Struktur der Boni immerhin deutlich verändert. Vor allem für die Top-Manager wird ein großer Teil der Auszahlungen mittlerweile über mehrere Jahre gestreckt. Zudem bemisst sich die Höhe der Boni nicht mehr nur an Gewinn oder Aktienkurs der Bank, sondern auch an weicheren Faktoren wie der Kundenzufriedenheit und der Einhaltung ethischer Standards.

Auch die Ausschläge nach oben sind nicht mehr so extrem wie früher. Zweistellige Millionengehälter, wie sie erfolgreiche Investmentbanker früher verdienen konnten, gebe es mittlerweile nicht mehr, heißt es aus der Bank. Die Bezahlung von Jain und Fitschen ist ebenfalls bei knapp unter zehn Millionen Euro gedeckelt. Im vergangenen Jahr erreichten die beiden Co-Chefs je 7,5 Millionen Euro.

Damit liegen sie zwar weit unterhalb von US-Bankern wie Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein und JP-Morgan-Boss Jamie Dimon, die laut Medienberichten mehr als 20 Millionen Dollar verdient haben sollen. Im Vergleich zu anderen Chefs deutscher Großkonzerne stehen Jain und Fitschen dagegen gut da: Laut einer Studie der Beratungsfirma Towers Watson verdienten die Vorstandsvorsitzenden der 30 Dax-Konzerne im vergangenen Jahr durchschnittlich 5,3 Millionen Euro.

Auch im Verhältnis zu ihrem Vorgänger Josef Ackermann können Jain und Fitschen zufrieden sein. Der hatte für sein letztes volles Geschäftsjahr 2011 zwar noch knapp 9,4 Millionen Euro kassiert - allerdings lag der Konzerngewinn mit 4,3 Milliarden Euro damals auch gut sechs mal so hoch wie 2013.

Vor allem für die Aktionäre könnten die hohen Boni dagegen zum Ärgernis werden. So will die Deutsche Bank in diesem Jahr 765 Millionen Euro an Dividende ausschütten. Mit anderen Worten: Die 25.000 Investmentbanker profitieren rund drei mal so stark vom Erfolg der Bank wie alle Aktionäre zusammen.

Spätestens bei der Hauptversammlung am 22. Mai könnte dieser Konflikt offen zu Tage treten. Dort will die Bank die Aktionäre laut "Süddeutscher Zeitung" nämlich über höhere Boni abstimmen lassen. Hintergrund ist eine neue Regel der EU, wonach die Boni ab dem Jahr 2014 das jeweilige Grundgehalt nicht überschreiten dürfen. Eine Erhöhung auf das Doppelte des Fixgehalts ist nur möglich, wenn die Hauptversammlung ausdrücklich zustimmt. Genau diese Zustimmung will sich die Deutsche Bank nun offenbar holen. Es könnte eine interessante Hauptversammlung werden.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rgw_ch 20.03.2014
1. Top-Banker
Gibt es eigentlich belastbare Belege dafür, dass ein Banker, der 2 Millionen kassiert, wirklich zehnmal mehr Gewinn bringt, wie einer, der 200'000 bekommt? Oder ist das nur so ein urbaner Mythos, von dem die Banken nicht weg kommen (wollen)?
pelemele 20.03.2014
2. Gepokert und verloren
Wäre ich doch damals auch Investmentbanker geworden und nicht in den sozialen Bereich gegangen. Hätte ich heute eine gute Versorgung und auch im Alter. Leider hab ich Pech, naja, einige müssen ja zu wenig bekommen, dass andere zu viel haben können. Aber in Mathe war ich ja früher auch schon schlecht.
pelemele 20.03.2014
3. Gepokert und verloren
Wäre ich doch damals auch Investmentbanker geworden und nicht in den sozialen Bereich gegangen. Hätte ich heute eine gute Versorgung und auch im Alter. Leider hab ich Pech, naja, einige müssen ja zu wenig bekommen, dass andere zu viel haben können. Aber in Mathe war ich ja früher auch schon schlecht.
heinihuckeduster 20.03.2014
4. Die sollten mal ruhig ins Ausland gehen
und auch die anderen Banken ruinieren bzw. deren Aktienkurse durch ungesetzliche Manipulationen auf ein Viertel des seinerzeitigen Wertes abstürzen lassen!!! "Mit aller Macht will man im internationalen Wettbewerb um Top-Kräfte mithalten."
Haxo 20.03.2014
5. Gehälter
Kein Top-Manager verdient mehr als 10 Millionen Euro!?? Ja, alle müssen den Gürtel enger schnallen. Das muss schon hart sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.