London/Berlin - Die Deutsche Bank hat den Zorn wichtiger Investoren auf sich gezogen. Wie die britische "Financial Times" und die "Financial Times Deutschland" ("FTD") berichten, wollen angelsächsische Investoren auf der anstehenden Hauptversammlung die Entlastung des Aufsichtsrats verhindern. Der Londoner Investorenvertreter Hermes habe einen entsprechenden Antrag auf die Tagesordnung setzen lassen. Damit solle der Aufsichtsrat um seinen Vorsitzenden Clemens Börsig wegen seiner Amtsführung bestraft werden.
Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass der Antrag eingegangen sei. Er werde nun, wie bei Gegenanträgen üblich, auf die Internetseite der Bank gestellt.
"Was bei der Deutschen Bank zuletzt an Missmanagement bei der Besetzung von Spitzenposten zutage getreten ist, ist im internationalen Vergleich einmalig", sagte der Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt der "FTD". Er kritisiert unter anderem den "mangelhaften Prozess zur Regelung der Nachfolge" von Vorstandschef Josef Ackermann.
Ackermann scheidet nach der Hauptversammlung am 31. Mai aus. Er hatte sich ursprünglich den ehemaligen Bundesbank-Chef Axel Weber als Nachfolger gewünscht. Formell ist allerdings Börsig für die Neubesetzung verantwortlich. Deshalb war im vergangenen Sommer ein harter Machtkampf in der Bank entbrannt. Am Ende setzte Börsig seine Kandidaten Anshu Jain und Jürgen Fitschen als neue Vorstandschefs durch. Im Gegenzug muss er allerdings selbst nach der Hauptversammlung von der Spitze des Aufsichtsrats weichen. Sein Nachfolger wird der bisherige Allianz-Vorstand Paul Achleitner.
Die Investoren wollen nun, dass der künftige Aufsichtsratschef im 20-köpfigen Kontrollgremium aufräumt. "Wir wollen Herrn Achleitner ein klares Mandat erteilen, um die Unternehmensführung sorgfältig zu überprüfen und am Ende weitere Änderungen im Aufsichtsrat vorzunehmen", sagte Hirth der "Financial Times". Hermes vertritt 27 Pensions- und Investmentfonds. Sie halten zusammen zwar nur 0,5 Prozent der Deutsche-Bank-Aktien, doch Hirth gilt in seinem Vorgehen als äußert aggressiv und durchsetzungsfähig. Vor zwei Jahren etwa zettelte er eine Revolte gegen den Aufsichtsratskandidaten des Chip-Herstellers Infineon an.
Laut der britischen Zeitung geht es diesmal auch um die üppige Bezahlung der Konzernvorstände. Die Deutsche Bank
hatte die Aktionäre bei der letzten Hauptversammlung 2011 nicht über die Vergütung der Konzernspitze um Ackermann abstimmen lassen. Im Jahr davor hatten 42 Prozent der Aktionäre gegen das Vergütungssystem gestimmt. In diesem Jahr steht das Thema wieder auf der Tagesordnung des Aktionärstreffens.
Auch andere Großbanken hatten in den vergangenen Wochen mit aufmüpfigen Aktionären zu tun. In den USA verhinderten die Eigentümer der Citigroup
eine kräftige Gehaltserhöhung für Bankchef Vikram Pandit. Und beim britischen Institut Barclays
muss Bob Diamond mit harter Kritik an seiner 25-Millionen-Pfund-Bezahlung kämpfen.
stk/Reuters
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