Kampf gegen den Aufsichtsrat: Aktionäre wollen Deutsche Bank blamieren

Der verpatzte Machtwechsel bei der Deutschen Bank weckt immer mehr Unmut bei den Anteilseignern. Nun rufen zwei weitere Aktionärsvertreter dazu auf, dem scheidenden Aufsichtsrat der Bank die Entlastung zu verweigern - als Mahnung für die neuen Kontrolleure.

Aufsichtsratschef Börsig (l.) Konzernchef Ackermann: Folgenschwerer Machtkampf Zur Großansicht
REUTERS

Aufsichtsratschef Börsig (l.) Konzernchef Ackermann: Folgenschwerer Machtkampf

Frankfurt am Main - Eigentlich sollte die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Bank eine Art Feierstunde werden. Nach zehn Jahren an der Spitze verlässt Konzernchef Josef Ackermann das Unternehmen zum 31. Mai. Doch die Fehler und Grabenkämpfe bei der Suche nach seinem Nachfolger werden das Aktionärstreffen wohl überlagern.

Nach dem britischen Investorenvertreter Hermes und der Kölner Vereinigung Institutionelle Privatanleger empfehlen nun auch die Investorenberater Glass Lewis sowie Ivox, dem Aufsichtsrat der Bank die Entlastung zu verweigern. Das berichten die "Financial Times Deutschland"("FTD") und das "Handelsblatt".

Die chaotisch verlaufene Suche nach einem Nachfolger für Ackermann könnte dem Ruf der Bank geschadet haben, zitiert die "FTD" aus einem Papier von Glass Lewis.

Ackermann hatte sich ursprünglich den ehemaligen Bundesbank-Chef Axel Weber als Nachfolger gewünscht. Formell ist allerdings Aufsichtsratschef Clemens Börsig für die Neubesetzung verantwortlich. Deshalb war im vergangenen Sommer ein harter Machtkampf in der Bank entbrannt. Am Ende setzte Börsig seine Kandidaten Anshu Jain und Jürgen Fitschen als neue Vorstandschefs durch. Im Gegenzug muss er allerdings selbst nach der Hauptversammlung von der Spitze des Aufsichtsrats weichen. Sein Nachfolger wird der bisherige Allianz Chart zeigen-Vorstand Paul Achleitner.

Signal an den künftigen Chefkontrolleur Achleitner

Ob sich die Aktionäre bei der Hauptversammlung am 31. Mai mehrheitlich für die Nichtentlastung der Räte aussprechen, hängt laut "FTD" vom Marktführer unter den Investorenberatern, der amerikanischen Institutional Shareholder Services (ISS), ab. Die werde ihre Empfehlung voraussichtlich kommende Woche veröffentlichen.

Eine Nichtentlastung des Aufsichtsrats zieht laut Aktiengesetz zunächst keine konkreten Schritte wie die Ablösung von Aufsichtsräten nach sich, wäre für die Deutsche Bank Chart zeigen aber ausgesprochen peinlich.

Die Investoren wollen mit ihrer Revolte ein deutliches Signal an den künftigen Aufsichtsratschef Achleitner richten. "Das könnte dazu beitragen, sicherzustellen, dass der Aufsichtsrat unter der Führung von Herrn Achleitner künftig im vollsten Ausmaß als Advokat der Aktionärsinteressen agiert", heißt es laut "FTD" in dem Glass-Lewis-Schreiben.

Glass Lewis zählt neben der ISS zu den mächtigsten Aktionärsberatern, an deren Einschätzungen sich Investoren weltweit orientieren. So hatten sich Glass Lewis und ISS jüngst gegen das Gehalt von Citigroup Chart zeigen-Chef Vikram Pandit von 15 Millionen Dollar gestemmt und sich damit bei der Aktionärsversammlung durchgesetzt.

stk/dpa-AFX/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Altherrentruppe
abi68 14.05.2012
Klar weiß jeder, daß Herr Börsig die Ackermann Nachfolge vermasselt hat. Zur Belohnung werden ihm gerade ein paar neue AR Mandate in großen Unternehmen zugeschachert. Manager in diesen Regionen (Deutschland AG) sind durchweg beratungsresistent und befruchten sich gegenseitig. Durch diesen langjährigen geistigen Inzest haben sie schon einen erstaunlichen Genpool gebildet. Auffrischung ist unerwünscht. Ich sitze auf 5 stelligen Verlusten allein bei der Deutschen Bank verurscht durch diese Altherrentruppe.
2. Passt doch perfekt:
prontissimo 14.05.2012
Zitat von sysopREUTERSDer verpatzte Machtwechsel bei der Deutschen Bank weckt immer mehr Unmut bei den Anteilseignern. Nun rufen zwei weitere Aktionärsvertreter dazu auf, dem scheidenden Aufsichtsrat der Bank die Entlastung zu verweigern - als Mahnung für die neuen Kontrolleure. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833044,00.html
Achleitner von der Allianz. Allianz: weltgrößter Spekulant mit Lebensmitteln. Deutsche Bank: ebenfalls Spekulant mit Lebensmitteln. Man muss ja schließlich seine Erfahrungen einbringen.........
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Deutsche Bank
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare