Aktien-Crash Deutsche-Bank-Chef gibt Spekulanten Schuld

Gerüchte aus den USA haben die Aktie der Deutschen Bank auf ein Rekordtief gedrückt. Konzernchef Cryan wendet sich mit einem Brief an seine Mitarbeiter.

Deutsche-Bank-Chef Cryan
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Deutsche-Bank-Chef Cryan


Deutsche-Bank-Chef John Cryan macht Spekulanten für den stark gefallenen Aktienkurs seines Instituts verantwortlich. Am Markt seien gerade einige Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in das Institut schwächen wollten, schrieb der Manager am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter. "Unsere Aufgabe ist es nun dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Außenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst."

Die Aktie der Deutschen Bank Chart zeigen war am Freitag erstmals unter die Marke von zehn Euro gefallen. Hintergrund sind Meldungen, wonach einige Hedgefonds in den USA Geschäfte mit der Bank zurückgefahren hätten. An der Frankfurter Börse notierte das Papier zeitweise mit 9,93 Euro. Inzwischen hat sich der Kurs wieder etwas erholt.

Cryan warnte vor einer Überbewertung der Meldungen. "Das sorgt zu Unrecht für weitere Unruhe", sagte er. Die Deutsche Bank habe insgesamt mehr als 20 Millionen Kunden. Ein paar Hedgefonds mehr oder weniger fallen seiner Ansicht nach offenbar nicht ins Gewicht.

"Wir sind und bleiben eine starke Bank", schrieb Cryan. Das Institut erfülle alle aktuellen Eigenkapitalanforderungen und sei beim Umbau im Plan. Die Risiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden. "Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute."

Die Deutsche Bank steht seit Wochen im Fokus der Öffentlichkeit. Anleger sind seit Bekanntwerden einer Geldforderung des US-Justizministeriums von bis zu 14 Milliarden Dollar verunsichert. Die Deutsche Bank selbst geht davon aus, dass die Buße am Ende deutlich niedriger ausfallen wird.

Analysten halten Reaktion der Börse für übertrieben

Die meisten Analysten halten den Kurssturz ebenfalls für übertrieben. Nach Einschätzung der Großbank Credit Suisse ist der Verfall ungeachtet der vielen Probleme des Dax-Konzerns nicht gerechtfertigt. Das Schweizer Institut belässt das Kursziel für die Deutsche Bank bei 13 Euro und damit 30 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Auch Jörg Rocholl, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesfinanzministerium, beschwichtigt. Zwar befinde sich die Deutsche Bank in einer schwierigen Situation, in der viel zusammenkomme: strategischer Umbruch, immense Strafandrohungen und Rückstellungen für nicht enden wollende Rechtsstreitigkeiten, anhaltende Niedrigzinsphase und Herausforderungen der Digitalisierung.

Aber die Bilanzkennziffern der Deutschen Bank blieben robust: "Die verfügbaren Liquiditätsreserven belaufen sich laut unabhängiger Analysten auf deutlich über 200 Milliarden Euro", so Rocholl. "Liquiditätsreserven und Eigenkapitalposition sind damit deutlich stärker als zu Beginn der Finanzkrise des Jahres 2008 und bilden auch bei einer anhaltenden Phase großer Unsicherheit einen wichtigen Anker."

Auch die US-Bank Goldman Sachs zeigte sich entspannt: "Wir glauben, dass die Liquiditätssituation der Bank stabil ist." Allerdings betonte das US-Institut auch, dass die Deutsche Bank nun dringend gute Nachrichten brauche.

ssu/dpa/Reuters

insgesamt 62 Beiträge
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ludna 30.09.2016
1. Ach Gottchen, die pösen Spekulanten,
bei Ackermann waren das noch Herolde der Freiheit, der Staat ein kommunistiches Wesen, das die Leistugsträger fertig machen will und die Steuerzahler galten als die Verlierer der Nation. Von mir aus kann die Deutsch Bank pleite gehen. Und VW gleich mit.
LarsLondon 30.09.2016
2. Das hat Dick Fuld auch gesagt
Bei Lehman hiess es in den internen Emails immer "Message from Dick Fuld" - "Dear Colleague,...". Die Aussage war in etwa die gleich wie von Cryan hier - eigentlich ist alles super, nur die boesen Spekulaten verreissen uns.
Banause_1971 30.09.2016
3. Beklagt sich der Herr
gerade über die Machenschaften seiner Branche? Britischer Humor?
Analog 30.09.2016
4. Zocker wird abgezockt
"Deutsche-Bank-Chef John Cryan macht Spekulanten für den stark gefallenen Aktienkurs seines Instituts verantwortlich." Das müsste Ihm doch bekannt vor kommen, nur ist es dieses mal nicht die Deutsche Bank die zockt, sondern andere zocken zu ihrem Vorteil... Mein Mitleid hält sich in Grenzen.
Newspeak 30.09.2016
5. ...
Verlogenheit der Banker. Wenn sie gegen Staaten spekulieren und Menschen ruinieren, ist alles ok. Aber wehe das Blatt wendet sich mal gegen sie, und Spekulanten nehmen sie selbst auf's Korn, dann ist das Gejammer groß.
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