Milliardenverlust Die Ackerbauern von der Deutschen Bank

Wie kann man trotz eines Milliardenverlusts noch Optimismus ausstrahlen? Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat es versucht - und griff dabei auf den derzeit beliebten Bauernvergleich zurück. Der Schnellcheck.

Ungewohnt: Strahlender Deutsche-Bank-Chef Cryan
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Ungewohnt: Strahlender Deutsche-Bank-Chef Cryan

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Die Neuigkeiten:

1,4 Milliarden Euro Verlust im Jahr 2016. Für die Deutsche Bank ist das zwar irgendwie ein Fortschritt - schließlich hat das Finanzinstitut ein Jahr zuvor noch 6,8 Milliarden Euro Miese gemacht. Doch die Zahlen waren schlechter als von Analysten erwartet. Entsprechend reagierte der Aktienkurs. Zeitweise ging es heute um mehr als fünf Prozent nach unten.

Die Botschaft:

Es geht wieder aufwärts. Das ist die Botschaft die Bank-Chef John Cryan und seine Vorstandskollegen überbringen wollten. Nachdem es im Herbst für die Bank ziemlich düster aussah und viele Kunden mit ihrem Geld geflüchtet waren, bringen sie es mittlerweile angeblich wieder zurück. Grund sei vor allem die kurz vor Weihnachten bekanntgegebene Einigung mit dem US-Justizministerium im Streit um dubiose Hypothekendeals.

Die größten Rechtsstreitigkeiten hat die Deutsche Bank nun in der Tat wohl beigelegt. Und auch die hauseigene Bad Bank ist ihren Giftmüll weitgehend losgeworden und soll geschlossen werden. Für 2017 stellte Cryan deshalb etwas in Aussicht, woran sich viele Bank-Aktionäre wohl nur noch dunkel erinnern: einen Gewinn. "Das ist unsere Absicht", sagte Cryan. So klingt Zuversicht.

Der Auftritt:

John Cryan war der erste auf der Bühne - und er bemühte sich redlich, Optimismus auszustrahlen. Dem als "Mr. Grumpy" und nüchternen Zahlenfrickler bekannten Briten fallen Lächeln und mitreißende Reden von Hause aus eher schwer. Vielleicht hatten seine Berater deshalb mal etwas Neues ausprobieren wollen: Stehen statt sitzen, hieß deshalb diesmal die Devise. Und vielleicht hat sie sogar ein bisschen gewirkt.

Der Satz des Tages:

"2016 war kein schlechtes Jahr." Aller Optimismus in Ehren, aber bei einem Verlust von 1,4 Milliarden Euro und einem Aktienkursabsturz von 25 Prozent ist das zumindest ein gewagtes Statement.

Die Bauernregel des Tages:

Die Landwirtschaft scheint gerade sehr en vogue zu sein in der deutschen Wirtschaft. Nachdem am Vortag schon Bahn-Chef Rüdiger Grube seinen Rücktritt mit einer Bauernhof-Weisheit begründet hatte, griff nun auch John Cryan auf Ackerbau-Poesie zurück: "Wir müssen zunächst aussäen, wenn wir später eine größere Ernte einfahren wollen", sagte der Brite aus dem Norden Englands. Und noch sei man eben in der Phase des Säens. Na dann.

Und Trump?

Jeder Unternehmenschef wird derzeit zu seiner Meinung zu Donald Trump gefragt. Und auch John Cryan scheint eine zu haben. Man halte Werte wie Inklusivität und Vielfältigkeit extrem hoch, antworte Cryan, ohne Trump explizit zu erwähnen. "Das ist ein geschäftlich relevantes Thema, aber es ist auch einfach das Richtige." Die Deutsche Bank beschäftige Mitarbeiter aus 150 Nationen und verschiedenen Glaubens. "Wir sind absolut überzeugt von Gleichheit, Inklusion und Freizügigkeit."

Eine ausführliche Analyse zur Lage der Deutschen Bank lesen Sie hier.

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insgesamt 9 Beiträge
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i.dietz 02.02.2017
1. Zweckoptimismus
Im Gegensatz zu einem Hr. Cryan weiß ein Bauer, was und warum er etwas säät, um später ordentlich ernten zu können . Hr. Cryan kann daher beruhigt in die Schublade "Laberer" gepackt werden.
_Gerhard 02.02.2017
2.
Bitte hören Sie auf von dieser angeblich von Herrn Grube verwendeten "Bauernhof-Weisheit" zu sprechen und diese hier auch noch zu referenzieren! Herr Grube hat lediglich gesagt "Aber wie Sie wissen, komme ich vom Bauernhof, da habe ich gelernt, was Geradlinigkeit und zu seinem Wort stehen bedeuten." Was bitte soll daran eine Bauernhof-Weisheit sein?
hansriedl 02.02.2017
3. Die größten Skandale und Rechtsrisiken der Deutschen Bank
Es gibt wohl keine Schweinereien an den die Dt. Bank nicht beteiligt ist. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein weiterer Skandal aus dem Sortiment des kriminellen Handelns der Deutschen Bank an die Öffentlichkeit dringt. Und ganz sicher hatten genau diese Skandale einen gehörigen Anteil daran, dass die beiden CEO’s Fitschen und Jain ihren Platz frühzeitig räumen mussten. Ob der künftige Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Bank, John Cryan, es besser anstellt? Abwarten. Die Deutsche Bank ist laut eigenen Angaben in 6.000 Rechtsstreite verwickelt. 1.000 dieser Verfahren haben einen Streitwert von über 100.000 €. Die größten Rechtsrisiken belasten die Deutsche Bank mit Milliarden an Rückstellungen. Bei der Präsentation des aktuellen Geschäftsberichtes (2014) der Deutschen Bank wollte und konnte der Vorstand nicht ausschließen, dass weitere, bis lange nicht öffentliche und bekannte Vorwürfe hinzukommen und die Bilanz darüber hinaus.
eckawol 02.02.2017
4. Den Dreck vor die Tür gekehrt
Nunmehr bestehen die Chancen, dass sauberere Luft wieder in die Bank kommt; 2017 wird es zeigen. Es müssen auch Mitarbeiter in der Bank sein oder verbleiben wollen, die die sauberere Luft einatmen können.
giostamm11 02.02.2017
5. es geht aufwärts weil es abwärts geht
das ist logisch. Diese Bank ist noch schlechter als die deutsche Bahn (die es auch schafft als einzige der grossen Eisenbahnländer Verlust einzufahren). Deutschland sollte sich langsam fragen was es noch kann ausser Autos und Anlagen zu bauen. Dienstleistungswüste und die grösste Bank auf Drittweltniveau. Solch ein schlechtes Resultat trotz Schwarzgeldschieberei. .... und nein dumme Bauern haben nicht die grössten Kartoffeln
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