Botschaft von Deutsche-Bank-Chef Cryan "Hier gibt es keinen Dissens"

Über einen Nachfolger an der Spitze der Deutschen Bank wird intensiv diskutiert - doch Amtsinhaber John Cryan will nicht aufgeben. Nun hat sich der Brite mit einer energischen Nachricht an die Beschäftigten gewandt.

John Cryan, Vorstandschef der Deutschen Bank.
DPA

John Cryan, Vorstandschef der Deutschen Bank.


Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, hat nach drei Jahren mit insgesamt etwa neun Milliarden Euro Verlusten einen schweren Stand bei Paul Achleitner. Der Aufsichtsratsvorsitzende sucht offenbar schon nach einem Nachfolger für den Briten. Doch Cryan kämpft.

Der 57-Jährige wandte sich mit einer energischen Botschaft an die Belegschaft - und beteuerte, an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus bleiben zu wollen. Differenzen zwischen ihm und Achleitner wies er zurück: "Wir müssen uns weiter darauf konzentrieren, unsere mit dem Aufsichtsrat abgestimmte Strategie umzusetzen. Hier gibt es keinen Dissens", schrieb der Brite in seiner "Nachricht zur aktuellen Lage". Sein Vertrag läuft regulär bis 2020; er hatte angedeutet, weitermachen zu wollen.

"Ich möchte Ihnen daher versichern, dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weitergehen möchte, den wir vor rund drei Jahren angetreten haben", schrieb Cryan. Derzeit werde viel über die Zahlen der Bank diskutiert, die noch nicht da seien, "wo wir alle sie uns wünschen", schrieb er. Die Bank liege "gut auf Kurs", müsse erzielte Fortschritte aber besser zur Schau stellen. Auch werde es in den nächsten Monaten gute Nachrichten zur Integration der Postbank ins Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank geben.

SPD: "Wer 2,3 Milliarden Euro Boni ausschüttet, muss auch liefern"

Die britische "Times" hatte zuvor unter Berufung auf Insider berichtet, der Europachef der US-Bank Goldman Sachs, Richard Gnodde, sei als möglicher Cryan-Nachfolger angesprochen worden. Dieser habe das Angebot aber abgelehnt. Auch weitere Kandidaten seien von dem Geldhaus mit drittem Jahresminus in Folge erwogen worden.

In der Mitteilung betonte Cryan auch, er werde weiter an der Sanierung der Bank arbeiten, aber nach baldigen Fortschritten werde "künftig wieder mehr Fokus auf Wachstum liegen und darauf, dass wir für unsere Aktionäre attraktive Renditen erzielen". Investoren hatten Cryan oft vorgeworfen, er sei zwar ein Kostensparer, habe aber keine Vision, wie die Deutsche Bank wieder Geld verdienen könne.

Auch der Wirtschaftspolitiker Bernd Westphal bezeichnete die Situation bei dem Institut als "alles andere als positiv". Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion sagte: "Das Management der Deutschen Bank muss seinen Job machen, für den es bezahlt wird. Wer 2,3 Milliarden Euro Boni ausschüttet, muss auch liefern." Vorstand und Aufsichtsrat sollten eine bessere Performance abgeben.

Personaldebatte zur Unzeit

Cryan ist es bislang nicht gelungen, das einst so gewinnträchtige Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank zu sanieren. Die Unsicherheit über die Entwicklung bei der Deutschen Bank Chart zeigen spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Allein seit Jahresbeginn verlor das Papier nun bereits 30 Prozent an Wert - und sackte nach Berichten über die Personaldebatte am Mittwoch weiter ab.

Die Führungsdebatte kommt aus Sicht des Bankenexperten Hans-Peter Burghof zur Unzeit. "Die Sanierung ist noch nicht abgeschlossen", sagte Burghof. "Ein möglicher Nachfolger von Vorstandschef John Cryan müsste eigentlich die Mitarbeiter motivieren und ihnen eine Perspektive bieten. Doch dazu sind im Moment noch zu viele Baustellen offen." Gerade erst hat Cryan die Fondstochter DWS an die Börse gebracht; die Integration der Tochter Postbank Chart zeigen läuft auf Hochtouren.

Über ein Zerwürfnis von Aufsichtsratschef Achleitner und Bankchef Cryan war schon länger spekuliert worden. Beobachter verweisen allerdings darauf, dass durch einen Abgang von Cryan auch Achleitner selbst beschädigt werden könnte: Er hatte den ehemaligen UBS-Finanzchef Cryan einst selbst zur Deutschen Bank geholt.

apr/dpa

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
oskarlafrontal 29.03.2018
1. Das Problem
ist eigentlich nicht Cryan. Er ist ein stiller, konsequenter Macher und hat hinter den Kulissen schon vieles bewegt. Das eigentliche Manko der Deutschen Bank ist der sogenannte Aufsichtsrat, insbesondere Herr Achleitner, der für den Niedergang der letzten Jahre ein gerütteltes Maß an Verantwortung trägt. Mit einer Änderung dieser Personalie, von den Großaktionären warum auch immer bislang verhindert, könnte etwas mehr Ruhe und vor allem Vertrauen zurückkehren.......
cecile10 29.03.2018
2. Vieles richtig gemacht...
... und dennoch nicht weitergekommen - das ist extrem frustrierend. Noch frustrierender für Cryan muss es aber sein, wenn die Dame, die im Vorstand für IT zuständig ist, die Bank offen als inkompetent beschreibt. Das ist nicht nur illoyal, sondern schlichtweg dumm. Und dazu ein AR-Vorsitzender, der da nichts unternimmt, sondern quasi privat aus seinem eigenen Netzwerk auch noch nach einem Nachfolger sucht. Was ist das nur für eine Unternehmenskultur? Ich kann verstehen, wenn es da Absagen auf das peinliche Werben des AR-Vorsitzenden gibt.
fatal.justice 29.03.2018
3. Klappt nicht.
Der Umbau der Deutschen Bank zu einem Investment-Player ist gescheitert. Hochvolatiles Kapital sucht sich bevorzugt renditengarantierendere Wirte. Blöd nur, dass die Einlagen unschuldig dreinblickender Häuslebauer dezent vernichtet wurde. Nichtsdestotrotz bemüht sich die Deutsche Bank nach Kräften, mit US-amerikanischen Verschwendungsbanken zu konkurrieren. Irgendwie kann ich das ja verstehen - psychisch. Die magische Vermehrung des Geldes und dessen Gegenwert ist wirklich verlockend. Mit lupenreinem Gewissen und skrupelbehaftetem Geschäftsgebaren kommt man in diesem Metier nicht weit.
SVELU 29.03.2018
4.
Zitat von oskarlafrontalist eigentlich nicht Cryan. Er ist ein stiller, konsequenter Macher und hat hinter den Kulissen schon vieles bewegt. Das eigentliche Manko der Deutschen Bank ist der sogenannte Aufsichtsrat, insbesondere Herr Achleitner, der für den Niedergang der letzten Jahre ein gerütteltes Maß an Verantwortung trägt. Mit einer Änderung dieser Personalie, von den Großaktionären warum auch immer bislang verhindert, könnte etwas mehr Ruhe und vor allem Vertrauen zurückkehren.......
Kann ich nur zustimmen. Wundert mich auch warum Achleitner da solange rumwursteln kann.
merlin 2 29.03.2018
5. Das Problem wird ja bereits kleiner - es kostet halt Zeit
Was Achleitner hier anzettelt ist höchst unprofessionell und geradezu gefährlich. Will er die Bank zu einem Übernahmekandidaten machen? Cryan hat die Verluste inzwischen massiv reduzieren können, die Geldstrafe-behafteten Rechtsstreitigkeiten sind ebenfalls deutlich weniger geworden und wenn man sich das Kunden- und Großkundengeschäft ansieht, ist das immer noch ein Pfund, mit dem die Bank gut dasteht. Das Investmentbanking muß schleunigst sauber werden, dann ist die Kuh vom Eis. Zwei weitere Jahre unter Cryan, vielleicht ein professioneller agierender AR ohne Herrn Achleitner und alles ist wieder da, wo man sein möchte.
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