"Arrogant und respektlos" Deutsche-Bank-Chef Fitschen attackiert Kritiker

Der Druck ist groß, die Nerven liegen blank - jetzt geht Jürgen Fitschen in die Offensive: Auf einer Veranstaltung der Bundesbank greift der Co-Chef der Deutschen Bank seine Kritiker scharf an. Die keilen ebenso scharf zurück.

Deutsche-Bank-Chef Fitschen: "Zunächst einmal lernen"
REUTERS

Deutsche-Bank-Chef Fitschen: "Zunächst einmal lernen"

Von , Frankfurt am Main


Als Co-Chef der Deutschen Bank hat es Jürgen Fitschen nicht leicht. Die Geschäftszahlen sind schlecht, der Konzern kämpft mit diversen Skandalen aus der Vergangenheit, und gegen Fitschen persönlich ermitteln gleich zwei Staatsanwaltschaften. Nun muss er sich auch noch auf einer Veranstaltung der Bundesbank Kritik anhören - und wird sauer.

"Ich habe ein Problem mit den Aussagen, die hier gemacht worden sind", legt er los. So sei es nicht in Ordnung zu sagen, dass die Bilanzprüfung und der Stresstest, die die Europäische Zentralbank in diesem Jahr durchführen, sowieso nichts brächten. "Das finde ich arrogant und respektlos", sagt Fitschen.

Der Konflikt ist schon in der Wahl der Gäste angelegt. Mit Martin Hellwig hat die Bundesbank ausgerechnet einen der schärfsten und schwergewichtigsten Bankenkritiker eingeladen - und direkt neben Fitschen gesetzt. Hellwig leitet das Bonner Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, er hat zusammen mit der Stanford-Professorin Anat Admati das Buch "Des Bankers neue Kleider" geschrieben, in dem die Wissenschaftler mit der Finanzbranche hart ins Gericht gehen und deutlich höhere Eigenkapitalvorgaben für Banken fordern.

Mit in der Runde sitzt zudem Gerhard Schick, Finanzpolitiker der Grünen, ausgewiesener Bankenexperte und ebenfalls Buchautor. Wie Hellwig ist auch er nicht einverstanden mit Fitschens Diagnose, wonach sich seit der Finanzkrise vieles zum Guten gewendet habe und sich "alle Beteiligten ein wenig auf die Schulter klopfen können".

Hellwig will niemandem auf die Schulter klopfen. Er kritisiert, es sei "nicht aufgeräumt worden". So gebe es fünfeinhalb Jahre nach der Finanzkrise immer noch keinen funktionierenden Mechanismus, um große Banken ohne Lasten für den Steuerzahler abzuwickeln.

Das bringt Fitschen in Rage. "Sie behaupten, das geht nicht", geht der Banker Hellwig an. "Das wird einfach so in den Raum gestellt." Dabei habe doch keiner der Kritiker mal die umfangreichen Testamente gelesen, die die Banken bei den Aufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern einreichen mussten, damit sie im Krisenfall abgewickelt werden können.

"Wenn man von vornherein sagt, das geht nicht, hat man schon das Ergebnis vorweggenommen", schimpft der Deutsche-Bank-Chef. "Das finde ich nicht in Ordnung. Alle diejenigen, die sich nicht auskennen, sollten mit ein bisschen Respekt vor dem, was gemacht worden ist, zunächst einmal lernen. Und dann können sie sich auch ein Urteil meinetwegen gestatten."

Einladung des Grünen Schick in eine Vorstandssitzung?

Schon die Frage danach, was passieren würde, wenn die Deutsche Bank Chart zeigen einmal schnell abgewickelt werden müsste, hält Fitschen für unangebracht. "Was soll das? Ich hab kein Verständnis dafür", herrscht er den Moderator an.

Und auch Grünen-Politiker Schick bekommt Fitschens Unmut zu spüren. "Herr Schick, vielleicht geht das, dass Sie mal zu uns in die Vorstandssitzung kommen, dann sehen Sie mal, wie das ist, eine Bank zu führen", sagt Fitschen. "Sie werden überrascht sein."

Es ist nicht das erste Mal, dass Fitschen seinem Ärger Luft macht. Erst im Herbst war er öffentlich mit Finanzminister Wolfgang Schäuble aneinandergeraten, weil dieser den Banken vorgeworfen hatte, geltende Regeln gerne zu umgehen. Fitschen hatte dem Minister daraufhin Populismus vorgeworfen - mittlerweile sollen sich die beiden aber wieder vertragen.

Mit Bankenkritiker Hellwig scheint so bald keine Aussöhnung in Sicht. "Sie sagen, wir sollten etwas mehr zur Kenntnis nehmen, was die Banken tun", kontert der Wirtschaftsforscher Fitschens harte Worte. "Ich glaube, Sie sollten etwas mehr zur Kenntnis nehmen, was in den letzten zehn Jahren passiert ist."

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
eltviller 28.02.2014
1. Irreführende Überschrift gepaart mit...
...einseitigem Journalismus. Das ist doch keine Attacke, das ist eine Reaktion im Rahmen einer Podiumsdiskussion. Völlig normal und im Rahmen einer solchen Diskussion. Positionen aufbauen und dem Zuhörer/Leser die Standpunkte darlegen. Hellwig und Schick vertreten ihre Positionen mit der gleichen Passion...ein sachlich ausgewogener Artikel der sich mehr mit den Positionen als den Personen auseinandersetzt hätte hier mehr genutzt...aber es musste wohl reißerisch klingen, bin dieses Bildzeitungsniveau leid aber scheinbar geht es heute nicht mehr ohne. Im Übrigen, ich bin nicht im Bankengewerbe tätig und habe auch keine Verbindunger zur Deutschen Bank.
Margot 357 28.02.2014
2. Tja...
Die Bank gab ihr Kernkapital Tier-1 nach Basel III zum 31. Dezember 2012 mit acht Prozent an. Und das ist noch kreativ gerechnet! Die Boni rechnen sich nach Geschäftsertrag im Verhältnis zum Eigenkapital. Kein Wunder wollen die Banker das EK möglichst tief halten. Aber wenn die deutsche Bank kracht, dann gute Nacht Deutschland!
steuergeldvernichten 28.02.2014
3. ...und schon kommt die nächste Breitseite
Der Goldpreis ist möglicherweise über lange Zeit manipuliert worden. Wissenschaftler haben den Verdacht, dass das Londoner Gold-Fixing in den vergangenen zehn Jahren von den daran beteiligten Banken manipuliert worden ist. Die Studie nennt als erste die Möglichkeit, dass die fünf Banken Barclays, Deutsche Bank, Bank of Nova Scotia, HSBC Holdings und Société Générale – aktiv zusammengearbeitet haben könnten, um den Preis zu manipulieren. Derzeit untersuchen weltweit Behörden, die sich bereits mit der Manipulation von anderen Benchmarks wie Zinssätzen und Devisenkursen beschäftigen, den 20 Billionen Dollar schweren Goldmarkt auf Anzeichen von Fehlverhalten. Die Deutsche Bank hat im Januar angekündigt, dass sie sich aus dem Fixing für den Gold- und Silberpreis zurückziehen wird. Warum nur? Zuvor befragte die deutsche Finanzmarktaufsicht Bafin Mitarbeiter der in Frankfurt ansässigen Bank im Rahmen von Untersuchungen zu potenziellen Manipulationen der Gold- und Silberpreise. Arrogante und respektlose Wissenschaftler, die... http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/rohstoffe/banken-unter-verdacht-ein-jahrzehnt-der-manipulation-am-goldmarkt/9553936.html
motzbrocken 28.02.2014
4. optional
Ohh, Mösiö ist beleidigt? Hm, evtl. die Krawatte ein wenig lösen. Kommt mehr Sauerstoff ins Hirn. Schadet nie! Frage mich WER da Arrogant ist. Die DB kann nie und nimmer in die Lage geraten abgewickelt zu werden? Mal Lehman Bros fragen. Deren Manager haben dasselbe gedacht. Und heute? Gibt es die nicht mehr. Und ja, in jedem noch so kleinen Skandal und Vertuscherei hat am Ende irgendwo eine Bank die Finger im Spiel. Hauptsache es generiert Kohle für den Bonus. Von der Verantwortung der Gesellschaft gegenüber haben sich diese Bankster schon lange verabschiedet. Gilt nicht nur für DB, sondern generell. Nein, Mösiö, gelernt habt ihr Bankster nicht die Bohne.
vincent1958 28.02.2014
5. Ein guter Tag!
Zitat von sysopREUTERSDer Druck ist groß, die Nerven liegen blank - jetzt geht Jürgen Fitschen in die Offensive: Auf einer Veranstaltung der Bundesbank kritisiert der Co-Chef der Deutschen Bank seine Kritiker scharf. Die keilen ebenso scharf zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-juergen-fitschen-greift-kritiker-an-a-956365.html
..RWE schreibt roet Zahlen und der DB geht's auch nicht so gut.Dinosaurier sind halt zum Aussterben verdammt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.